Deutscher Gewerkschaftsbund

11.10.2018
Wahlen zur Schwerbehindertenvertretung (SBV)

„Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“

Ilonka Fehrmann

Ilonka Fehrmann privat

Seit dem 1.Oktober und bis zum 30. November laufen die Wahlen der Schwerbehindertenvertretungen (SBV). Ilonka Fehrmann ist schon seit 12 Jahren Vertrauensfrau der Schwerbehinderten der Hamburger Wasserwerke GmbH. Was die Verdianerin antreibt und warum sich in den Betrieben noch viel ändern muss, erzählt sie in diesem Interview.

 

 

 

Warum bist Du Schwerbehinderten-Vertreterin?

Als Betroffene musste ich in meinem mittlerweile 38 Jahre andauernden Arbeitsleben erfahren, wie schwierig es sein kann, gleichberechtigt und noch als Frau, am Arbeitsleben teilnehmen zu können. Zum Beispiel die ergonomische Arbeitsplatzausstattung. Vor noch nicht so langer Zeit war meistens der Status oder die Gehaltsstufe eines Kollegen entscheidend dafür, ob etwas umgerüstet wurde. Heute gibt es zum Glück die rechtlichen Voraussetzungen einen Arbeitsplatz leidensrecht auszurüsten, um möglichst bis zur Rente arbeiten zu können.

Oder die vielen Vorurteile, die Barrieren in den Köpfen, besonders bei den nicht sichtbaren Einschränkungen, die mir fast täglich im Unternehmen durch die Kollegen entgegengebracht wurden. Es war die Summe der vielen "Kleinigkeiten" und die Summe der andauernden "Widerstände", die mich dazu bewogen haben, mich für dieses Ehrenamt zu interessieren.

Wie lange machst Du das schon?

Nunmehr bekleide ich dieses Ehrenamt seit 12 Jahren und ich konnte viel im Unternehmen bewegen. Darauf bin ich für mich sehr stolz und lobe mich regelmäßig, damit meine Motivation erhalten bleibt. Mittlerweile hat sich vieles zum Positiven verändert. Dennoch sehe ich Entwicklungspotenziale, gerade im Bereich Ausbildung und Einstellung von Menschen mit Behinderungen.

Was konntest Du schon erreichen? 

Beispiele gibt es viele. Da sie sehr individuell sind, möchte ich eher die "Inklusionsvereinbarung" und das "Betriebliche Eingliederungsmanagement" erwähnen. Hier war die Mitarbeit und das Fachwissen der SBV für alle KollegInnen sehr hilfreich.

Was muss für eine bessere Integration von Schwerbehinderten in den Betrieben passieren?

Bewusstseinsbildung auf allen Ebenen im Unternehmen. Durch positive Beispiele überzeugen, alle Möglichkeiten der Kommunikation im Unternehmen nutzen: Betriebsversammlungen, Intranet, Betriebszeitung und viele persönliche Gespräche und sich interne und externe Verbündete suchen. Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nicht vor den Türen der Unternehmen zum Stillstand kommt. Hier ist weiterhin Ausdauer, Kreativität, Eigenmotivation und stetige Weiterbildung von uns SBVen gefragt.

 

Zum Hintergrund:

In allen Betrieben und Verwaltungen mit mindestens fünf schwerbehinderten Beschäftigten oder ihnen gleichgestellten behinderten Beschäftigten haben diese das Recht auf eine spezielle Interessenvertretung. Sie sorgen dafür, dass die Belange von schwerbehinderten Beschäftigten bei allen betrieblichen Entscheidungen gehört und ihre Rechte gewahrt werden.

Dies gilt zum Beispiel für die Ausgestaltung von Arbeitsplätzen, Arbeitszeiten und Überstunden. Auch bei Einstellungen, Eingruppierungen und Kündigungen von schwerbehinderten Menschen. Eine Kündigung ohne die Beteiligung der Schwerbehindertenvertretung ist sogar unwirksam.

Die Gewerkschaften setzen sich für starke Interessenvertretungen in den Betrieben ein. Sie unterstützen die Wahlen der Schwerbehindertenvertretungen. Sie verhandeln mit der Politik, um die Rechte der Schwerbehindertenvertretungen weiter zu stärken und ihre zeitlichen und persönlichen Ressourcen auszubauen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund und seine Mitgliedsgewerkschaften rufen auf: Beteilige Dich an den Wahlen der Schwerbehindertenvertretung – als Wähler/in oder Kandidat/in – und stärke so die innerbetriebliche Demokratie. Dein Engagement zählt!

Den ganzen Aufruf des DGB zu den Wahlen der Schwerbehindertenvertretungen 2018 gibt es hier.

 


Nach oben