Deutscher Gewerkschaftsbund

01.11.2018

HVV-Seniorenkarte: "Bürger werden im Stich gelassen"

Sehr geehrte/r Herr/Frau ...

seit Jahren bemühen sich die Hamburger DGB-Senioren, günstigere Bedingungen für die Seniorinnen und Senioren bei Benutzung des HVV durchzusetzen. Wir nehmen den beigefügten Leserbrief des Bezirksseniorenbeirats von Hamburg-Mitte zum Anlass, dieses Thema erneut aufzugreifen. Wir schließen uns voll inhaltlich den aufgeführten Forderungen an. Unabhängig davon werden die DGB-Senioren die genannten Forderungen im Jahre 2019 mit allem Nachdruck weiter verfolgen. Die aktuellen Regelungen für die Benutzung der Seniorenkarte sind nicht länger hinzunehmen. Wir bitten die SPD-Bürgerschaftsfraktion nachdrücklich, sich mit unseren Forderungen ernsthaft auseinanderzusetzen und zu unseren Forderungen im Einzelnen Stellung zu nehmen.

Der Leserbrief:

„Bürger werden im Stich gelassen!“

An die Abgeordneten der Hamburgischen Bürgerschaft

Sehr geehrte Damen und Herren,

in den nächsten Monaten haben Sie im Verkehrsausschuss (November) und in der Bürgerschaft (Dezember) über die alljährliche Preiserhöhung des Hamburger Verkehrs-verbundes zu entscheiden. Die beabsichtigte Erhöhung war bereits der Presse zu entnehmen, im Falle der Seniorenkarte sind es 1,50 € oder knapp drei Prozent.   

Ansonsten soll sich trotz vieler Interventionen von Seiten der Senioren nichts ändern, die Einschränkungen der Nutzung sollen bestehen bieiben. Die Seniorenkarteninhaber dürfen den ÖPNV mit ihrer Karte nlcht vor 9 Uhr benutzen, es dürfen keine Kinder kostenfrei mitgenommen werden (für CC-Karten-Inhaber zum gleichen Preis bis zu drei Kindern), und die Schnellbusnutzung ist nicht eingeschlossen. Dafür  darf anders als mit der CC-Karte zwischen 16 und 18 Uhr gefahren werden.

Von Seiten des HW wird die Einschränkung damit begründet, dass noch Berufstätige ab 63 sich die Seniorenkarte,,erschleichen" könnten. Sind Menschen ab 63 alle potentielle Betrüger? Ganz davon abgesehen könnte bei gleichem bürokra-tischen Aufwand  der Rentnerausweis beim Kauf der Karte vorgezeigt werden.

Wie würde es in Hamburg aussehen, wenn die Senioren alle tatsächlich nicht vor 9 Uhr fahren würden? Wer übernähme an ihrer Stelle die ehrenamtlichen Aufgaben in Schulen und Kitas? Werkönnte noch die eigenen Enkelkinder anstelle der berufs-tätigen Eltern zur Schule oder Kita bringen? Was geschähe organisatorisch in den Arztpraxen und Labors, wenn Termine zur Blutabnahme nur noch ab 10 Uhr stattfinden könnten?

Faktisch ist es natürlich nicht so. Aber wenn Oma die drei Enkel vor 9 Uhr zur Schule oder Kita bringt, dann muss sie selbst eine Einzelkarte zum vollen Preis lösen, dazu drei Tageskarten für die Enkelkinder. Das können also zum Beispiel 3,20 € plus drei Mal 2,30 €, also 10,10 € sein, an jedem Betreuungstag - obwohl Oma eine Monatskarte für 51 Euro (künftig 52,50 C) gekauft hat. Das wird den Menschen im Zuge um  sich greifender Altersarmut und tendenziell sinkender Rentenansprüche immer weniger möglich sein...

Wir fordern die Aufhebung der Beschränkungen für die Seniorenkarten und lehnen die erneute Preiserhöhung ab. Wenn schon Mieten und Güter des täglichen Bedarfs für Rentner nicht billiger sind, dann sollten wenigstens indirekte staatliche Leistungen wie das ÖPNV-Angebot ein entsprechend abgesenktes Preisniveau haben.

Wir erheben diese Forderung als Bezirksseniorenbeirat Hamburg- Mitte im Namen von mehr als 20 Prozent der Bevölkerung über 60 Jahren im Bezirk. Bitte vergessen Sie nicht, dass dieser Teil der Bevölkerung besonders hohe Wahlbeteiligungswerte aufweist und sich nicht länger mit fadenscheinigen Argumenten des HVV abspeisen lassen wird.

Offener Brief des Seniorenbeirats Hamburg-Mitte


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