Deutscher Gewerkschaftsbund

Betriebsratswahlen in Hamburg

12.04.2018
Die Betriebsratsvorsitzenden bei Airbus im Interview

IG Metall Betriebsräte bei Airbus: „Es gilt, Beschäftigung zu sichern“

Sebastian Züge und Sophia Kielhorn

Sebastian Züge und Sophia Kielhorn Peter Bisping/Drucktechnik

Interview mit der Airbus-Betriebsratsvorsitzenden Sophia Kielhorn und ihrem Stellvertreter Sebastian Züge. Was waren Herausforderungen der vergangenen vier Jahre und was kommt auf die Betriebsräte zu? Das Gespräch wurde noch vor der in diesem Jahr abgeschlossenen Tarifrunde und der Wahl geführt.

Auf welchen Erfolg blickt ihr gerne zurück?

Sophia: Eindeutig Learning4me. Das ist ein Angebot, dass die persönliche und berufliche Weiterentwicklung der Beschäftigten fördert, zum Erwerb von Fachwissen beiträgt und so beruflichen Aufstieg unterstützt. Lange Zeit waren Weiterbildungschancen bei Airbus, die unabhängig vom betrieblichen Bedarf waren, ungerecht verteilt. Die Beschäftigten hatten keinen belastbaren Anspruch. Über die Teilnahme entschied der/die Vorgesetzte. Mit dieser Vereinbarung hat der Konzernbetriebsrat die Willkür beendet. Die Chance auf eine solche Vereinbarung hat uns die vorletzte Tarifrunde gegeben. Ohne den Tarifvertrag Qualifizierung wäre diese Vereinbarung nicht möglich gewesen.

Mit Learning4me wart ihr sogar beim Betriebsrätepreis 2017.

Sophia: Richtig, eine schöne Anerkennung! Wir wurden zwar nicht prämiert, waren aber unter den letzten zwölf von 77 eingereichten Projekten. Das zeigt, wie innovativ Learning4me ist.

Was war eine der größten Herausforderungen?

Sebastian: Die Verhandlung über einen Interessensausgleich und Sozialplan für Kolleg/-innen beim A380. Ziel war es, dass alle Beschäftigten die den Bereich verlassen auf einen gleichwertigen Arbeitsplatz versetzt werden. Sofern dies nicht erreicht werden kann, darf den Beschäftigten daraus zumindest kein finanzieller Nachteil entstehen. Das ist eine betriebliche Sonderregelung die sogar besser ist als der Tarifvertrag.

Sophia: Einer meiner persönlich größten Erfolge war die Einführung der ERA Belastungszulage 2016. Über vier Jahre saßen wir mit dem Arbeitgeber in einer Einigungsstelle zu diesem Thema. Im Jahr 2015 konnten wir endlich eine Vereinbarung dazu abschließen. Über eine tarifliche Regelung wurde sogar ein rückwirkender Zahlungsanspruch vereinbart. Trotz einer eher ruckeligen Einführung, haben wir endlich eine Regelung, auf die sich heute alle Beschäftigten der Produktionsbereiche berufen können. Jetzt geht es darum, belastende Tätigkeiten abzustellen. Wir wollen den Beschäftigten ihre Gesundheit nicht abkaufen, sondern sie vor Belastungen schützen. Auch dabei zählen wir auf unsere Vertrauensleute vor Ort.

Vor welchen Aufgaben steht der neu zu wählende Betriebsrat?

Sebastian: Weiterbildung ist ein großes und wichtiges Thema, dessen wir uns annehmen werden. Alle müssen die Chance bekommen, sich während der Arbeitszeit weiter zu qualifizieren. Oder nehmen wir das Thema Robotik: Es gibt in der Produktion bereits Hallen, in denen Robotik eingesetzt wird. Grundsätzlich findet das unsere Zustimmung, da das Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben muss um Arbeitsplätze zu sichern. Aber wir dürfen nicht zulassen, dass die Beschäftigten sich an die Robotik anpassen müssen, sondern die Robotik hat sich an den Menschen anzupassen. Sie sind ja diejenigen, die das Unternehmen so erfolgreich gemacht haben. Darauf müssen wir achten! Zudem gilt es die Beschäftigung zu sichern. Trotz der Einführung von Industrie 4.0 und Digitalisierung dürfen Arbeitsplätze nicht einfach verloren gehen. Wir werden dafür sorgen, dass die Beschäftigten von den neuen Technologien profitieren und nicht dadurch benachteiligt werden.

Vielen Dank Sophia und Sebastian, dass ihr Euch die Zeit für das Interview genommen habt.

Der ganze Airbus-Betriebsrat

Der ganze Airbus-Betriebsrat Peter Bisping/Drucktechnik

 

 


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