Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 31.03.2006

Europäischer Praktikantinnen-Aktionstag am 1. April


Faires Praktikum - DGB Hamburg gibt Tipps
Am Sonnabend, den 1. April, ruft die DGB-Jugend zum ersten europäischen PraktikantInnen-Aktionstag auf. Die Kundgebung in Deutschland findet in Berlin ab 12 Uhr am Pariser Platz/Brandenburger Tor statt.
„Das ,Praktikum’ entpuppte sich leider als Callcenter-Job. Hinter der so genannten ,Kundenakquise’ steckte ein Telefonjob von 8 Stunden am Tag. Völlig stumpf in einem Büro sitzen und den ganzen Tag telefonieren und die Telefonate protokollieren. Es musste ein Mindestmaß an ,Entscheidungsträgern’ erreicht werden. Falls der Tagessoll nicht erfüllt wurde, musste das in Überstunden geleistet werden. Also absolut kein Praktikum!!“
Das schildert ein Praktikant anonym auf der Internetseite der DGB-Jugend (www.dgb-jugend.de, Rubrik „faires Praktikum“) über seine Erfahrungen in einer Hamburger Unternehmensberatung. Und das ist kein Einzelfall.
Der DGB Hamburg kritisiert, dass in den Betrieben Praktikanten häufig dazu eingesetzt werden, reguläre Arbeitskräfte zu ersetzen. Diese Tendenz ist Teil einer Beschäftigungspolitik vieler Arbeitgeber, sich den für Normalarbeitsverhältnisse geltenden gesetzlichen Mindeststandards zu entziehen. Ähnliche Entwicklungen sind die Zunahme von Teilzeitarbeit und befristeter Arbeitsverhältnisse. Auch junge Menschen mit Hoch- oder Fachhochschulabschluss sind vermehrt von diesen prekären Beschäftigungsverhältnissen betroffen.
„Um der Arbeitslosigkeit zu entgehen, sehen sich immer mehr Absolventen genötigt, un- oder unterbezahlte Praktika anzunehmen, um auf diesem Weg den Einstieg in das Berufsleben zu schaffen“, so Olaf Schwede, Vorsitzender der DGB Jugend Hamburg. In mehreren Ländern der europäischen Union - besonders in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und auf der Ebene europäischer Institutionen - hat sich ein regelrechter „Praktikant/innen-Arbeitsmarkt“ herausgebildet. „Hier werden Leute mit hohem Qualifikationsniveau zu flexibelsten Arbeitszeiten und niedrigen Sozialstandards eingesetzt und erhalten dafür nur eine geringe bis keine Entlohnung“, so Olaf Schwede.
Die Folge: Immer mehr reguläre Arbeitsstellen werden durch Praktikant/innen ersetzt. Da auf diesem „Praktikant/innen-Arbeitsmarkt“ gar kein oder nur ein sehr geringes Gehalt gezahlt wird, werden keine Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abgeführt. Indem die Staaten zum Teil den Unterhalt der Praktikant/innen finanzieren, zahlen sie sogar noch drauf.
Gegen diesen Misstand wehren sich die Gewerkschaften. Darum rufen der Verein Fairwork, die französische Génération Précaire und die DGB-Jugend zum ersten europäischen Praktikant/innen-Aktionstag auf.
Tipps für ein faires Praktikum von Karsten Strasser, ehrenamtlicher Rechtsberater im DGB-Campus-Office Hamburg
• Praktika dienen dazu berufliche Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen zu erwerben und dürfen nicht dazu führen, dass z.B. Arbeitsplätze der betrieblichen Stammbelegschaft ersetzt werden. Praktikanten können nach geltender Rechtsprechung die Zahlung des regulären Arbeitslohns gerichtlich einfordern, wenn sie vom Arbeitgeber zu regulären Arbeitsleistungen herangezogen werden.
• Praktikanten haben Anspruch auf eine angemessene Vergütung. Bei freiwilligen Praktika von Studierenden wird vom DGB eine monatliche Vergütung von mindestens 300 Euro netto pro Monat empfohlen. Unentgeltliche Beschäftigung von Praktikanten hat die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts als sittenwidrigen Lohnwucher bewertet.
• Vor Antritt des Praktikums sollten mit dem Arbeitgeber alle wesentlichen Beschäftigungsbedingungen in einem schriftlichen Vertrag geregelt werden. Dazu zählen u.a. Beginn und Dauer des Praktikums, tägliche Arbeitszeit, Höhe der Vergütung, Dauer des Urlaubs, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Kündigungsvoraussetzungen.
• Nach dem Praktikum besteht Anspruch auf ein Zeugnis, in dem der Arbeitgeber die Leistungen und das Verhalten des Praktikanten beurteilt. Man sollte sich rechtzeitig darum kümmern, denn ist das Praktikum bereits beendet, wird es immer schwieriger das Schriftstück beim Arbeitgeber einzufordern.
Weitere Infos und Online-Beratung: www.students-at-work.de, www.dgb-jugend.de (Plattform Faires Praktikum – hier schildern ehemalige Praktikant/innen ihre Erfahrungen mit Praktika)
In Hamburg können sich Studierende bei Problemen mit Praktikum oder Studi-Job ans DGB-Campus-Office wenden:
Tel: 040/41353-430, campus-office-hamburg@dgb.de

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