Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 18.07.2007

Positionspapier der DGB-Senioren Hamburg zur drohenden Altersarmut

Die verheimlichte Gefahr: drohende Altersarmut für große Teile künftiger Rentnergenerationen
Vorbemerkung
Die Entscheidung der Großen Koalition, das Renteneintrittsalter stufenweise auf 67 Jahre anzuheben, ist eine grundsätzliche sozialpolitische Weichenstellung. Damit wird der bis-her sozialversicherungsrechtlich abgesicherte Lebensstandard der älteren Generation systematisch abgesenkt. Eine ganze Reihe weiterer schon beschlossener Maßnahmen flankiert diese politisch gewollte Entwicklung, zum Beispiel:
• Der seinerzeit eingeführte Nachhaltigkeitsfaktor wird trotz möglicher Lohnsteige-rungen eine wirksame Rentenerhöhung verhindern. Es ist davon auszugehen, dass es in den nächsten 30 Jahren keine reale Rentensteigerung geben wird.
• Seit 2004 wird von den Betriebsrenten der volle Krankenkassenbeitrag abgezo-gen.
• Auch der Abzug des vollen Pflegeversicherungsbeitrags und die stufenweise wachsende Rentenbesteuerung beeinträchtigen den Lebensstandard.
Inzwischen besteht Überseinstimmung bei allen Fachleuten und kritischen Politikerinnen und Politikern:
• Nach augenblicklicher Ausgangslage werden die künftigen Rentnergenera-tionen nicht annähernd den Lebensstandard der heutigen Rentnergenerati-on erreichen.

Gewerkschaftliche Verpflichtung
Auch die Gewerkschaften müssen sich dieser Entwicklung stellen und sich fragen:
• Sind wir nicht für die Lebensbedingungen unserer Mitglieder in allen Lebensab-schnitten zuständig, nicht nur für die Zeit ihres Berufslebens, sondern auch da-nach?
• Müssen wir nicht unsere gewerkschaftliche Gegenmacht einsetzen, wenn durch politische Entscheidungen die Lebenssituation im Alter drastisch verschlechtert wird?
• Müssen wir nicht schon jetzt eingreifen und sozialpolitische Maßnahmen fordern, um einer künftigen drohenden Armut im Alter zu begegnen?

Wenn der sozialpolitische Status mit der vorprogrammierten Entwicklung bestehen bleibt, droht vor allem den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit unterdurch-schnittlichem Einkommen nach ihrem Berufsleben sowie Langzeitarbeitslosen das Risiko der Altersarmut und zwar vorwiegend aus folgenden Gründen:
• durch die rasante Veränderung der Beschäftigtenstrukturen, wie die Zunahme pre-kärer Beschäftigungsverhältnisse, die Reduzierung von Stammbelegschaften, durch den Anstieg von Zeit-, Leih- und Teilzeitarbeit sowie die Chancenlosigkeit, im Alter über 50 Jahren noch eine auskömmliche Beschäftigung zu finden.
• durch die Chancenlosigkeit von Menschen mit geringem Einkommen, eine zusätz-liche private Vorsorge finanzieren zu können. Das trifft besonders Frauen, z.B. als alleinerziehende Mütter, Alleinstehende oder wegen anderer unzureichender Er-werbsbiografien, ebenso Langzeiterwerbslose und „Inhaber“ von „Mini-Jobs“.
Daraus ergibt sich die konkrete, zur Zeit verschwiegene oder bagatellisierte Gefahr, dass politische Untätigkeit ein Heer von künftigen Rentnerinnen und Rentnern zur Folge haben wird, deren Renteneinkommen so gering ist, dass sie zu Bittstellern beim Sozialamt werden, auch wenn sie von ihrem persönlichen offiziellen Renteneintrittsal-ter an Anspruch auf die Grundsicherung (Mindestrente) von z.Zt. 650 € haben.
Folgendes Beispiel macht dies deutlich:
• Ein Versicherter mit einem Stundenlohn von 7 € erhält derzeit nach 45 Jahren eine Rente von annähernd 600 €. Im Jahre 2030 werden es nach Berechnungen von Sozialexperten nur noch 500 € sein.
Auf diese Entwicklung und die drohende Gefahr einer gravierenden Altersarmut müssen die politisch Verantwortlichen und speziell das Rentensystem eine Antwort geben. Den Geringverdienern fehlt definitiv das Geld für eine Zusatzvorsorge.
• Es muss alles getan werden, damit auch künftige Generationen noch eine anständige Rente erhalten und eine dramatische weitere Spaltung der Ge-sellschaft verhindert wird.
Gewerkschaftliche Senioren- und Sozialpolitik
Die Senioren- bzw. die Sozialpolitik der Gewerkschaften ist gefordert. Sie muss vorbeu-gend handeln und das Problembewusstsein schärfen, um den Druck auf die Politik zu verstärken. Gerade die Gewerkschaften dürfen sich nicht der allgemeinen Haltung an-schließen „ es wird wohl nicht so schlimm werden“ oder „es ist ja noch nicht so weit“.
• Die Zahlen liegen auf dem Tisch, die Auswirkungen der Globalisierung auf die Be-schäftigtenstruktur sind bekannt.
• Seniorenpolitik heißt eben nicht allein, die heutige Rentnergeneration sozial abzusichern. Es geht um die Gestaltung der Lebensbedingungen in allen Le-bensphasen.
• Generationensolidarität ist gefragt, die heute im Arbeitsprozess stehenden Ge-werkschaftsmitglieder verlangen gewerkschaftspolitisches Handeln, damit sie auch nach der Berufstätigkeit oder Erwerbslosigkeit menschenwürdig und sozial abgesi-chert leben können.
• Die heutigen Seniorinnen und Senioren in den Gewerkschaften können maßgeb-lich im Sinne der Generationensolidarität dazu beitragen, dass die künftigen Rent-nerinnen und Rentner, vor allem auch die heute gering Verdienenden, ein sozial abgesichertes Auskommen haben werden und keinen Absturz in die Alterarmut hinnehmen müssen.

Hamburg, 28.04.07

Nach oben
Suchbegriff eingeben
Datum eingrenzen
seit bis

Kontakt Pressestelle

Felix Hoffmann

Felix Hoffmann (Foto:Peter Bisping)

Pressearbeit

Felix Hoffmann

Tel: 040/2858-247
Fax: 040/2858-251
Mobil: 0175/72 22 415

Pressefotos Katja Karger

Katja Karger

Katja Karger (Foto: Peter Bisping)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Katja Karger

Katja Karger (Foto: Peter Bisping)