Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 8/16 - 04.03.2016
Frauendatenreport Hamburg

„Keine Spur von Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt“

Petra Heese, Lisanne Straka, Katja Karger

Petra Heese, Lisanne Straka, Katja Karger DGB HH

Immer besser gebildet und trotzdem oft prekär beschäftigt, schlechter bezahlt und seltener in Führungspositionen: Kurz vor dem Internationalen Frauentag am 8. März legt der DGB Hamburg erstmals einen umfassenden Datenreport zur Arbeitsmarkt-Situation von Frauen in der Hansestadt vor. Die Zahlen sind ernüchternd: So bezieht jede dritte Frau in Hamburg einen Niedriglohn; jede Zweite arbeitet befristet, in Teilzeit oder einem Minijob. Wer einen Vollzeitjob hat, verdient im Schnitt 711 Euro weniger als männliche Kollegen. Der Lohnunterschied beträgt in Hamburg satte 25 Prozent – mehr als im Bundesdurchschnitt (22%). Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger: „Keine Spur von Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt. Dass solche Benachteiligungen im Jahre 2016 noch Realität sind, ist unfassbar. Arbeitgeber und Politik sind aufgefordert, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Erwerbssituation von Frauen zu verbessern.“

Dafür müssten gesetzliche Regelungen her, so Karger weiter, wie sie die Koalition im Bund zwar verabredet, aber noch nicht auf den Weg gebracht hätte. Zum Beispiel ein Entgeltgleichheitsgesetz, ein Recht auf befristete Teilzeit, sowie ein Rückkehrrecht aus Teilzeit. Denn nicht alle Frauen, die in Teilzeit arbeiten, tun das freiwillig. Das kann Manuela Dandl (49) bestätigen. Die Mutter einer Tochter ist in einem großen Kaufhaus in Hamburg beschäftigt: „Ich habe eine halbe Stelle, würde aber gerne aufstocken. Doch trotz meiner wiederholten Bitten weigert sich der Arbeitgeber. Stattdessen werden immer wieder Zeitarbeiter eingestellt.“

 

Manuela Dandl

Manuela Dandl DGB HH

Karger fordert ein grundsätzliches Neudenken von Arbeitszeit: „Beschäftigte sollten souverän entscheiden können, wann sie in welcher Lebenssituation wieviel arbeiten. Arbeitgeber und der Staat müssen das unterstützen. Nur so werden Frauen Aufgaben wie Arbeit, Kinder, Pflege unter einen Hut bringen, ohne dass der Weg direkt in eine prekäre Job-Sackgasse und Altersarmut führt.“


Zahlen aus dem Frauendatenreport:

• Die Erwerbstätigenquote der Hamburger Frauen stieg in den letzten 10 Jahren zwar um zehn Prozentpunkte auf 71,1 Prozent. Allerdings ging der Zuwachs auf das Konto von atypischer Beschäftigung. 50,8 Prozent der Frauen sind in so einem Arbeitsverhältnis beschäftigt.

• 58 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in Hamburg arbeiten in Vollzeit, während es bei den Männern fast 87 Prozent sind.

• Vollzeitbeschäftigte Frauen in Hamburg verdienen im Schnitt 711 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen.

• Obwohl die Hälfte der Beschäftigten in Hamburg Frauen sind, werden nur 21,9 Prozent der Führungspositionen von ihnen besetzt.

• Fast jede vierte Familie in Hamburg hat einen alleinerziehenden Haushaltsvorstand. Etwa 90 Prozent der Alleinerziehenden sind weiblich. Sie sind überproportional auf Hartz IV–Leistungen angewiesen.

Die zentralen Forderungen des DGB:

• Arbeitszeiten im Interesse von Beschäftigten:Recht auf befristete Teilzeit und Rückkehrrecht aus der Teilzeit, Einführung gesetzlicher Regelungen für lebensphasenorientiertes Arbeiten

•Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umwandeln: Initiative zur Änderung des Bundesgesetztes, Beratungsangebot in Hamburg schaffen.

•Entgeltgleichheitsgesetz einführen:Unternehmen zu einer transparenten Entgeltpraxis verpflichten

• Alleinerziehende besser unterstützen: Angepasste Ausbildungs- und Weiterbildungsprogramme, Stärkung der Beratungsstruktur.

•Eine geschlechtssensible Berufs- und Studienorientierung nachhaltig stärken.


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