Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 5/16 - 07.02.2016
Sonderauswertung: Schulische Praktika helfen zu selten bei der Berufswahl

Ausbildungsreport 2016 der DGB-Jugend: Gravierende Qualitätsmängel aufgedeckt

K. Karger, C. Kröncke, C. Ihring

K. Karger, C. Kröncke, C. Ihring stellen den Ausbildungsreport 2016 vor. DGB HH

Überstunden, Hilfsarbeiten, keine Orientierung durch den Arbeitgeber: Auch wenn zwei Drittel der Hamburger Auszubildenden insgesamt zufrieden mit ihrer Ausbildung sind, klagen viele über mangelnde Qualität und inakzeptable Bedingungen. Das ist das Ergebnis des Ausbildungsreport Hamburg 2016, den die DGB-Jugend Nord heute vorgestellt hat. 3.400 Jugendliche aus 43 Ausbildungsberufen wurden schriftlich befragt.

Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger:„Auszubildende haben ein Recht auf einen guten Start in ihr Berufsleben. Arbeitgeber müssen dabei die Verantwortung für die Jugendlichen übernehmen. Gleichzeitig sind qualitativ hochwertige Ausbildungsbedingungen die Basis für die Fachkräftesicherung von morgen. Häufige Überstunden und fehlende Ausbildungspläne zeigen: Viele Betriebe sind einfach nicht ausbildungsreif.“

Drei exemplarische Punkte aus dem Ausbildungsreport:

- Überstunden: 38,2 Prozent der Auszubildenden leisten regelmäßig Überstunden. Obwohl ein Ausgleich zwingend vorgeschrieben ist, erhalten rund ein Drittel keine Kompensation für die Mehrarbeit. Als Negativbei-spiele können hier vor allem die Berufe Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel und zahnmedizinische Fachange-stellte genannt werden. Es offenbart sich auch ein Unterschied bei den Geschlechtern: Frauen müssen in Ham-burg deutlich häufiger Überstunden leisten und bekommen viel seltener einen Ausgleich.

- Ausbildungsplan: Einem Drittel der Auszubildenden liegt kein betrieblicher Ausbildungsplan vor, obwohl der laut Berufsbildungsgesetz zwingend Grundlage ist. Und selbst wenn ein Plan vorliegt, wird er oft nicht eingehalten: Zwei Drittel der Jugendlichen klagen über abweichende Tätigkeiten. Die DGB-Jugend fordert deswegen einen rechtlichen Anspruch auf einen betrieblichen Ausbildungsplan. Daneben mangelt es zahlreichen Azubis auch an Betreuung: Bei jedem zehnten ist ein Ausbilder so gut wie nie präsent.

- Ausbildungsfremde Tätigkeiten: Jeder zehnte Azubi muss häufig Jobs wie Botengänge oder private Erledigungen für Dritte übernehmen. Das eigentliche Ausbildungsziel gerät dabei völlig aus dem Blick. Vor dem Hintergrund, dass das Berufsbildungsgesetz eindeutig regelt, welche Aufgaben zu einer Ausbildung gehören, ist das eine nicht hinnehmbare Zahl.

Clara Ihring (25) hat bis Ende 2014 selbst eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin gemacht und kennt Missstände aus eigener Erfahrung: „Wir hatten zwar einen Ausbildungsplan, der wurde aber ständig umgeschmissen. Wir mussten oft Hilfstätigkeiten erledigen, die nichts mit der Ausbildung zu tun hatten. Im betrieblichen Alltag waren die Mitarbeiter durch die hohe Arbeitsbelastung außerdem so gestresst, das niemand Zeit hatte, einem Inhalte ordentlich zu vermitteln.“

Auszubildende dürfen nicht wie billige Arbeitskräfte behandelt werden“, so Christian Kröncke,Jugendbildungsreferent der DGB-Jugend,„wir reden hier auch nicht über Kavaliersdelikte, sondern über klare Gesetzesverstöße. Deswegen sind stärkere Kontrollen der Aufsichtsstellen nötig und das konsequente Aussprechen von Sanktionen.“

Eine Sonderauswertung des Reports beschäftigt sich zudem mit Betriebspraktika während der Schulzeit und offenbart ernüchternde Ergebnisse, trotz der in Hamburg durchgeführten Reform der Berufsorientierung (BOSO).

Rund 60 Prozent der befragten Hamburger Schüler gab an, dass ihnen das Praktikum bei der Wahl des Ausbildungsberufes nicht geholfen hat. Gerade einmal 28 Prozent von denjenigen, denen das Praktikum geholfen hat, erkannten gute Einkommens- und Zukunftsperspektiven in den von ihnen gewählten Branchen. Ein Drittel klagte über mangelnde Unterstützung von Schule und Betrieben. Die Rückmeldungen der Schüler belegen zudem, dass das Auswahlangebot an Praktika in Hamburg viel zu engmaschig ist: Über 50 Prozent der Befragten hatten mindestens ein Praktikum als Erzieher/in, Kaufmann/frau oder Medizinische/r Fachangestellte/r gemacht.

Karger:„Es gibt in Hamburg zwar ausreichend Praktikumsplätze, aber nicht in allen Branchen. Zudem stimmt die Qualität nicht. Wir brauchen ein vielfältigeres Angebot, wenn wir eine sinnvolle Berufsorientierung erreichen und die Berufswahlkompetenz stärken wollen. Darüber hinaus ist eine bessere Schulung für Lehrkräfte und betriebliche Anleiter nötig.“

An der Sonderauswertung zu den betrieblichen Praktika beteiligten sich 2.765 Hamburger Berufsschüler.

 

Hier gibt es den Report zum Download:


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