Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 11.04.2005

DGB Hamburg zum Seniorenkongress der CDU -Bürgerschaftsfraktion

Erfahrungen der älteren Arbeitnehmer nutzen!
Mit Interesse haben die Senioren des DGB Hamburg die Initiative der CDU-Bürgerschaftsfraktion zur Kenntnis genommen, auf ihrem 1. Seniorenkongress das Thema der Beschäftigung Älterer in den Mittelpunkt zu stellen.
Bei der Zusammensetzung des Kongresses fällt allerdings auf, dass die betrieblichen Interessenvertretungen der Beschäftigten fehlen, obwohl ihnen angesichts des beschleunigten demografischen Wandels ein wachsende Bedeutung in der Frage zukommt.
Der Sprecher der DGB Senioren Hamburg, Bodo Apenburg, weist darauf hin, dass die geringe Erwerbsbeteiligung älterer Beschäftigter Anlass zur Sorge gebe.
Die Bereitschaft der Unternehmen, ältere Arbeitnehmer angemessen am Arbeitsleben zu beteiligen und ihnen eine adäquate wirtschaftliche Basis zu ermöglichen, habe deutlich nachgelassen. Hier werden Ressourcen und das unbezahlbare Erfahrungswissen älterer Beschäftigter sinnlos vergeudet.
„Dies ist weder gesellschaftlich akzeptabel noch betriebswirtschaftlich rational. Eine Antidiskriminierungspolitik zu Gunsten älterer Beschäftigter muss insbesondere dafür sorgen, dass ihr Anteil an der Erwerbsbevölkerung erhöht wird“, so Apenburg.
Er appelliert an die CDU ihrer anerkannter Maßen engen Beziehungen zur Hamburger Wirtschaft im Sinne der älteren Beschäftigten zu nutzen.
„Die Gruppe der älteren Bürger/innen in unserer Stadt wird immer größer, dieser Tatsache muss bei der Gestaltung der Infrastruktur und im Arbeitsleben Rech-nung getragen werden“, erklärt Hamburgs DGB-Vorsitzender Erhard Pumm.
Gerade Ältere sind stark von Arbeitslosigkeit betroffen. Fast 22 000 Arbeitslose in der Hansestadt sind 50 Jahre und älter: Das sind fast ein Viertel (23,3 Prozent) aller Arbeitslosen in dieser Stadt. Ihre Zahl hat sich - verglichen mit März 04 - um 8,5 Prozent erhöht. Erhard Pumm: „Dabei wurde den Wünschen der Arbeitgeber entsprochen, bei den Älteren ab 50 Jahren den Kündigungsschutz auszuhebeln und großzügige Fördermöglichkeiten zu eröffnen. Hier sind jetzt sind die Arbeit-geber in der Verantwortung, älteren Menschen größere Chancen zu eröffnen.“
Es sei ein Besorgnis erregend, dass in Deutschland nur noch knapp 40 Prozent der 55- bis 64-Jährigen erwerbstätig seien; in Schweden liege die Erwerbsquote dieser Gruppe bei 69 Prozent. Erhard Pumm. „Dabei bringen Ältere als Kompetenz die Erfahrung eines langen Berufslebens mit, die jeder Betrieb für ein gutes Klima und reibungslose Arbeitsabläufe benötigt.“
Auch vor dem Hintergrund der Heraufsetzung des Renteneintrittsalters seien drei Punkte entscheidend, um Ältere in den Firmen zu halten: verbesserte Gesundheitsförderung, altersgerechte Arbeitsplätze und Arbeitszeiten sowie lebenslange Weiterbildung.

Hamburgs DGB-Vorsitzender befürwortet ein tarifvertraglich verankertes Recht auf Qualifizierungsmaßnahmen. „Mit der rasanten technischen Entwicklung wandeln sich auch die Anforderungen an die Arbeitnehmer/innen immer schneller. Besonders vor dem Hintergrund, dass die Menschen länger arbeiten sollen, ist permanente Fortbildung unabdingbar.“
Doch gerade an der Weiterbildung mangele es sehr häufig: Nach einer Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung bieten nur zwei Drittel aller Betriebe in Deutschland ihren Beschäftigen Weiterbildung und Qualifizierung an. Frauen, gering Qualifizierte und ältere Beschäftigte werden dabei immer seltener angesprochen.
58 Prozent der deutschen Betriebe kennen nicht einmal den Qualifikationsbedarf ihrer Beschäftigten. „Gleichzeitig wird von den Beschäftigten erwartet up to date zu sein. Dies ist aber keine einseitige Bringschuld der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sondern schließt Weiterbildungsinvestitionen und Qualifizierungsplanung der Unternehmen gleichermaßen ein“, so Pumm.
Es besteht eine große Motivation zur Weiterbildung bei den Beschäftigten, sie wünschen Information und Orientierung für eine individuelle Weiterbildungsplanung. Das ergaben Fallstudien des DGB-Projekts LeA * (Leben und Arbeiten); ein Qualifizierungsprojekt, das der DGB-Bundesvorstand 2002 ins Leben rief. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von LeA bieten Unternehmen und Arbeitnehmern an, den betrieblichen und branchenweiten Qualifizierungsbedarf zu ermitteln und beraten sie anschließend bei der Umsetzung.
Erhard Pumm: „Der DGB Hamburg hofft, dass bei dem CDU-Seniorenkongress Lösungen gesucht werden für eine sinnvolle Beschäftigungspolitik im Interesse einer älter werdenden Arbeitnehmerschaft.“



* LeA läuft unter Federführung des DGB-Bundesvorstandes in Kooperation mit dem Berufsfortbildungswerk Hamburg (bfw) und dem Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (FhIAO). Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und ist Teil der vom BMBF geförderten so genannten Früherkennungsinitiative.
Weitere Informationen zum Projekt über: www.dgb-lea.de


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