Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 15.08.2006

Zeitarbeit nimmt auch im Norden weiter zu


Zeitarbeit spaltet Belegschaften
Mit Sorge betrachtet der DGB Hamburg die massive Zunahme der Zeitarbeit und fordert die Unternehmen auf, in diesen wirtschaftlich florierenden Zeiten Kernbelegschaften mit fest angestellten Beschäftigten aufzustocken anstatt verstärkt auf Flexibilisierung zu setzen.
Im Norden (HH, SH, MV) waren im Jahr 2005 durchschnittlich 19 170 Zeitarbeitnehmer bei gewerblichen Zeitarbeitsfirmen beschäftigt. Das entspricht einem Anstieg um 3102 Beschäftigte oder 16,2 Prozent verglichen mit dem Vorjahr; damit liegt der Norden in etwa im Bundesdurchschnitt
(16 Prozent Steigerung).* Auch die Anzahl der Verleihbetriebe, deren Betriebszweck ausschließlich oder überwiegend Arbeitnehmerüberlassung ist, hat im Norden (der Löwenanteil entfällt auf Hamburg) zugenommen: Von 408 im Jahr 2004 auf 451 im Jahr 2005.
In Branchen mit großen Auftragsschwankungen (vor allem Dienstleistungsbereiche wie Pflege, Callcenter, aber auch im technischen Bereich) greifen Firmen verstärkt auf (zunehmend höher qualifizierte) Zeitarbeitnehmer zurück, die für befristete Zeit Produktions/Auftragsspitzen abarbeiten.
Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg: „Ein Ziel gewerkschaftlicher Arbeit ist es, Kernbelegschaften mit regulär Beschäftigten auszubauen oder wenigstens zu erhalten. Doch sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse nehmen ab, Befristungen und Zeitarbeit deutlich zu. Wie ein Damoklesschwert schwebt die Angst über der Kernbelegschaft, dass weitere feste Arbeitplätze zu Gunsten von ,flexibilisierter Beschäftigung’ abgebaut werden oder sich ihre Arbeitsbedingungen verschlechtern**. Gleichzeitig versuchen die Zeitarbeitnehmer verständlicherweise alles, um eine besser bezahlte feste Stelle zu ergattern. Auch diese Form der prekären Beschäftigung bedroht tarifvertragliche Normen. Wo es nicht gelingt, Unternehmen zum Aufbau regulärer Beschäftigung zu bewegen, kämpfen Betriebsräte darum, die ,Randbelegschaften’ in den Betriebsalltag zu integrieren.“
Wenn auch nicht wenige vormals Arbeitslose über den Weg der Zeitarbeit einen (Wieder)einstieg in den Ersten Arbeitsmarkt finden: Die Zeitarbeitnehmer empfinden ihre Situation als unsicher - sie kämpfen mit mangelnder Anerkennung, Statusunsicherheit und deutlich geringeren Löhnen für die gleiche Tätigkeit. Der Einstiegstarif für Zeitarbeitnehmer nach der Entgelttabelle 2006 – West beträgt 7,20 Euro pro Stunde, der Stundensatz in der höchsten Entgeltgruppe 16,28 Euro.
Die Entlohnung von Leiharbeitnehmern und fest Angestellten eines Betriebs müsse angeglichen werden, wie es mit dem Grundsatz des „equal pay“ im Gesetz vorgesehen sei, so Hamburgs DGB-Vorsitzender.
*Quelle: Bundesverband Zeitarbeit Personaldienstleistungen e.V. (BZA), Zahlen sind nur für NORD insgesamt erhältlich, nicht nach Bundesländern spezifiziert.
** Wissenschaftliche Untersuchungen (etwa der Uni Jena) ergeben, dass Zeitarbeitnehmer und befristet Beschäftigte als „ständige Mahnung“ wirken: Festangestellte, die Zeitarbeitnehmer zunächst als wünschenswerten Flexibilisierungspuffer betrachten, beschleiche ein diffuses Gefühl der Ersetzbarkeit. Bereits die bloße Präsenz weniger Zeitarbeitnehmer wirke disziplinierend auf große Belegschaften. Kernbelegschaften hätten ständig diejenigen vor Augen, die alles tun würden, um ihrer Unsicherheit zu entkommen. Qualitative Ansprüche an die Arbeit - etwa nach mehr Arbeitsschutz oder vielfältigerer Arbeit statt Monotonie könnten sich so kaum noch Geltung verschaffen.

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