Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 3/17 - 01.02.2017
Info-Ausstellung im Gewerkschaftshaus

Sackgasse Minijob: Reform ist dringend nötig

Ausstellung Minijobs

Ausstellung Minijobs DGB/Agentur für Arbeit

Ausstellung im Foyer des Gewerkschaftshauses: „Der Minijob – eine Erfolgsgeschichte?“.

Die Wanderausstellung ist ein Projekt von der Bundesagentur für Arbeit, erläutert die Auswirkungen von Minijobs auf die Beschäftigen und den Arbeitsmarkt und benennt Lösungsvorschläge aus Sicht des DGB.

Sie ist von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr ganztägig geöffnet. Der Eintritt ist frei. Sie ist bis zum 1. März zu sehen.

Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger fordert gesetzliche Änderungen bei sogenannten Minijobs und mehr Aufklärungsangebote für Arbeitnehmer/innen in Hamburg: „Minijobs führen viele Beschäftigte in eine Sackgasse: Viele wollen mehr arbeiten; Viele wollen weiterkommen – werden aber stattdessen zu Aushilfen degradiert. Obwohl sie häufig gut ausgebildet sind und als Fachleute eingesetzt werden. Zudem werden ihnen wichtige Arbeitnehmerrechte vorenthalten, auch Lohndumping und Arbeitsdruck sind weit verbreitet.“

Nach Auswertungen des DGB gab es Ende 2015 in Hamburg 172.834 Minijobber. Das entspricht einem Anteil von 15,2 Prozent aller Beschäftigten. Besonders viele Minijobber/-innen gibt es in der Gastronomie, Gebäudebetreuung/Gebäudereinigung und dem Einzelhandel (Tabelle unten).

Mehr Frauen als Männer arbeiten in Hamburg in einem Minijob: Bei den ausschließlich geringfügig Beschäftigten sind es 60 Prozent, bei den im Nebenjob beschäftigten 56 Prozent. „Das ist fatal. Viele Frauen kümmern sich um die Familie und bleiben dann in einem Minijob hängen. Sie haben kaum Aufstiegschancen oder Weiterbildungsmöglichkeiten und rutschen in die Altersarmut“, so Karger.

Dabei präsentieren sich die Beschäftigten als gut ausgebildet: Von den ausschließlich geringfügig Beschäftigten haben in Hamburg mindestens ein Drittel eine Berufsausbildung abgeschlossen. Bei den im Nebenjob Beschäftigten sind es sogar 68 Prozent. 12 Prozent haben einen akademischen Abschluss. Karger: „Hier sind doch die Fachkräfte, die die Wirtschaft so dringend sucht“.

Beispiele für den Missbrauch von Minijobbenden gibt es viele:

- In der Gastronomie arbeiten Minijobber/-innen manchmal nur wenige Stunden bei Bedarf, müssen aber für ihren Arbeitgeber permanent einsatzbereit sein.

- In der Gebäudereinigung arbeiten Beschäftigte häufig viele Stunden unbezahlt. Das Arbeitspensum ist zu hoch, Fahrten zu Reinigungsobjekten werden nicht angerechnet.

- Auf dem Bau werden Minijobber angestellt, die Bezahlung der restlichen Stunden erfolgt unter der Hand.

- Häufig wird bei Minijobbern der Mindestlohn nicht eingehalten. Nach einer gerade veröffentlichten Studie des WSI erhielt jede/r Fünfte einen Stundenlohn von unter 5,50 Euro. 40 Prozent kamen auf maximal 7,50 Euro.

Karger: „Bei vielen Beschäftigten in Minijobs werden die Arbeitnehmerrechte systematisch unterlaufen. Dabei geht es auch um einfache Grundrechte: Jeder dritten Minijobbenden wird bezahlter Urlaub vorenthalten, für fast die Hälfte ist Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall ein Fremdwort. Oft wissen die Beschäftigten gar nicht, was ihnen zusteht – oder wagen es nicht, ihre Rechte einzufordern.“

Der DGB fordert deswegen eine grundlegende Reform der Minijobs. So sollten Minijobs vom ersten Euro an in die Sozialversicherung einbezogen werden, zum Beispiel durch eine Gleitzonenregelung. Darüber hinaus sollte die pauschale Besteuerung abgeschafft und sichergestellt werden, dass bei Minijobs die gleichen Arbeitsbedingungen herrschen wie bei Vollzeitjobs. „In Hamburg wollen wir eine strukturierte Beratung für Beschäftigte und Arbeitgeber durchsetzen. Wir brauchen viel mehr Aufklärung über die Rechte von Minijobbern und die Pflichten der Betriebe. Der Missbrauch von Minijobs muss eingedämmt werden“, so Karger.

Branche

Gesamtzahl Minijobber

Anteil in Prozent

Gesamt

172.834

15,2

Gastronomie

22.013

44,1

Gebäudereinigung/-betreuung

18.707

38,0

Einzelhandel

24.123

25,2

 


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