Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 11.07.2003

Berufliche Perspektiven für Migrantinnen schaffen!

DGB-Abteilung Arbeitsmarktpolitische Integration junger MigrantInnnen (AJM) berät Betriebs- und Personalräte und veranstaltet Workshops und Seminare
„Jugendliche ausländischer Herkunft haben es in Deutschland nach wie vor sehr schwer, beruflich Fuß zu fassen“, sagt Hüseyin Yilmaz, Berater in der Abteilung arbeitsmarktpolitische Integration junger Migrant/innen beim DGB Hamburg, „10 Prozent der Jugendlichen in Hamburg verlassen die Schule ohne Abschluss; unter den MigrantInnen sind es sogar 20 Prozent. Der Anteil ausländischer Schulabsolventen mit Fach/Hochschulreife liegt bei 17 Prozent, unter deutschen Schulabsolventen bei 38 Prozent.“
Und auch in punkto Berufsausbildung sieht es düster aus: Nur acht Prozent der Auszubildenden im dualen System haben eine ausländische Staatsangehörigkeit, und viele von ihnen brechen sie ab. Die Juni- Arbeitslosenzahlen für Hamburg zeigen die Folgen: 17 757 oder 20,6 Prozent der insgesamt 86 221 Erwerbslosen sind Ausländer/innen.
Dabei bemühen sich 84 Prozent der jungen Migrantinnen und Migranten aktiv darum, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz finden, ergab eine Befragung von 450 arbeitlosen jungen Türkinnen und Türken vom DGB Hamburg und dem Hamburger Berufsfortbildungswerk (bfw).
Warum zwei Drittel der Befragten dennoch eine Ausbildung entweder nicht begonnen oder sie abgebrochen haben, lässt sich häufig auf migrationspezifische Ursachen zurückführen, so das Ergebnis der Befragung:
- Verwandte oder Bekannte eröffnen einen Betrieb, häufig im Bereich der Gastronomie und im Handel. Es wird erwartet, dass im Umfeld lebende Schulabgänger aus dem Verwandtenkreis das Arbeitsangebot annehmen.
- In mehreren Fällen sind familiäre Probleme Grund für ein Fernbleiben vom Ausbildungs- oder Arbeitsplatz.
- Immerhin ein Viertel der Befragten leben mit einer zeitlich begrenzten Aufenthaltserlaubnis.
- Häufig kommt es zum Ausbildungsabbruch, wenn die Erwartungen der jungen Leute an den gewählten Beruf nicht erfüllt werden. In vielen Fällen haben sie auf die Beratung der Väter oder älterer Familienmitglieder vertraut. Junge Migrantinnen und Migranten sind zudem möglicherweise überfordert, wenn sie sich mit bestimmten Erwartungen des Elternhauses konfrontiert sehen oder in einem zeitlich eng begrenzten Gespräch mit dem Arbeitsamt gewünschte Berufe nennen sollen.
- Die Konsequenz eines Ausbildungsabbruches ist vielen jungen Migrantinnen und Migranten in ihrer Tragweite nicht bewusst.
- Nach wie vor spielen familiäre Engpässe häufig eine Rolle dabei, nach dem Verlassen der Schule gleich einen Job zu suchen.
Zwei konkrete Beispiele aus der Befragung:
Eine junge Türkin weigerte sich, eine Arbeit inmitten ausschließlich männlicher Kollegen anzunehmen. In einem anderen Fall wies das Arbeitsamt einer Migrantin eine Arbeitsstelle in der neuen Filiale desselben Arbeitgebers nach, der ihr im Hauptgeschäft die Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis nur dann zusagen wollte, wenn sie ihm versprochen hätte, in den nächsten Jahren auf eigene Kinder zu verzichten. Daraufhin wollte die junge Frau nichts mehr mit diesem Arbeitgeber zu tun haben und kündigte von sich aus. Das Arbeitsamt verhängte in beiden Fällen eine Sperrzeit. Hier wird der Bedarf nach Information und Sensibilisierung der Mitarbeiter/innen des Arbeitsamtes deutlich, damit bei derartigen Fällen der Entscheidungsspielraum zu Gunsten der Migrant/innen genutzt wird.
„Berufliche Perspektiven sind wichtig für die soziale Integration Jugendlicher ausländischer Herkunft“, sagt Hüseyin Yilmaz, „auch die Hamburger Wirtschaft hat ein großes Interesse, Jugendliche mit Migrationshintergrund als Fachkräfte zu gewinnen – wegen der demographischen Entwicklung und auch vor dem Hintergrund ihrer Zweisprachigkeit und interkulturellen Kompetenz. Doch dabei ist es wichtig, die häufig auseinanderklaffenden Berufswünsche und die von den Betrieben angebotenen Ausbildungsstellen stärker aufeinander abzustimmen.“
Um die Jugendlichen mit Migrationshintergrund besser in Arbeit und Ausbildung zu integrieren, gibt es beim DGB Hamburg die neue Abteilung Migration und Qualifizierung mit dem Projekt AJM – arbeitsmarktpolitische Integration junger MigrantInnen. Sie kooperiert mit der BQM, Beratungs- und Koordinierungsstelle zur beruflichen Qualifizierung von jungen Migrantinnen und Migranten (Infos unter www.bqm-hamburg.de).
Die Ziele der Abteilung Migration und Qualifizierung beim DGB Hamburg
Verbesserung der Integration jugendlicher MigrantInnen durch
- Förderung der Ausbildungsanstrengungen der Betriebe
- Abbau von Vorurteilen bei den Einstellungsverfahren
- Unterstützung der betriebs- und Personalräte bei Problemen während der Ausbildung
- Verringerung der Abbruchquote in der Ausbildung junger MigrantInnen
- Zusammenarbeit mit den in der Ausbildung relevanten Trägern
Konkret bietet die AJM an
- Beratung der Betriebs- und Personalräte:
- bei betrieblichen Auswahlverfahren bei der Einstellung
- Informationen über ausbildungsbegleitende Hilfen
- Hilfestellung bei Konflikten während der Ausbildung
- Workshops und Seminare zum Thema Ausbildung und Berufswahl von MigrantInnen

Kontakt:
Abteilung Migration und Qualifizierung beim DGB Hamburg
(gefördert durch die Behörde für Soziales und Familie)
Besenbinderhof 60, 20097 Hamburg, Ebene 10
Fax: 040/ 2858 251, www.dgb-hamburg.de/aijm.php3
Hüseyin Yilmaz, Berater
Tel.: 040/ 2858 687
e-mail: hueseyin.yilmaz@dgb.de
Esad Sisic, Berater
Tel.: 040/ 2858 – 686
e-mail: esad.sisic@dgb.de
Marianne Gerstmann, Verwaltung/Büro
Tel.: 040/ 2858-690
e-mail: marianne.gerstmann@dgb.de


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