Deutscher Gewerkschaftsbund

16.01.2017
Rede von Katja Karger auf dem Arbeitnehmerempfang SPD-Fraktion

Arbeit der Zukunft: Wohin geht die Reise?

„Ich setze auf das Pferd – das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung“

Dieser Satz ist überliefert von Kaiser Wilhelm II., nachdem er 1904 einen Mercedes Simplex getestet hatte. Bekanntlich lag der Kaiser nicht ganz richtig.

LKW und Hochbahn ohne Fahrer; Versicherungsschäden von Computern bearbeitet; Restaurantbestellungen über Tablets direkt an die Küche. Ist das unsere Zukunft?

Oder werden wir vernetzt und selbstbestimmt irgendwo auf dieser Welt einer Tätigkeit nachgehen, die uns ausfüllt und gut bezahlt ist?

Wo geht die Reise hin – in einer Zeit der digitalen Transformation von Wirtschaft, Arbeit und Gesellschaft?

Die Digitalisierung ist – auch am Arbeitsmarkt – kein neues Phänomen. Allerdings stehen wir vor einer neuen Dimension: Digitalisierung hat das Potenzial, die Infrastruktur der Arbeitswelt fundamental zu verändern.

Aber der Wandel geschieht vor allem durch unseren Umgang mit der Technik. Technik kommt nicht über uns wie ein Donnerwetter, sondern folgt unseren Regeln über ihren Einsatz.

Es geht um konkrete Chancen und Risiken der Digitalisierung, vor allem aber um ein gesellschaftliches Leitbild, wo wir mit der Technik hinwollen: Mehr Produktivität, weniger menschliche Arbeit, mehr Kapital – oder mehr persönliche Freiheit, mehr Zeit, gerechte Bezahlung?

Wir Gewerkschafter führen den Zukunftsdialog offensiv weil wir die digitale Arbeitswelt mit gestalten wollen.

Vier Eckpunkte sind für ein solches Leitbild aus unserer Sicht wichtig:

1. Mitbestimmung.

Nur die betriebliche Mitbestimmung ermöglicht echte Kompromisse zwischen unternehmerischer Freiheit und Sicherheitsbedürfnissen der Arbeitnehmer. Mitbestimmung gewährleistet, dass Beschäftigte nicht hinter dem Roboter verschwinden

2. Weiterbildung.

Aus- und Weiterbildung ist der entscheidende Schlüssel für die Arbeit der Zukunft. Weil sich die technische Entwicklung beschleunigt, werden Qualifikationen schneller alt.

3. Gute Arbeitsbedingungen

Digitalisierung verändert Arbeitszeiten, Arbeitsabläufe, Arbeitsorte. Diese Veränderungen müssen die Bedürfnisse der Arbeitenden berücksichtigen. Nicht nur die Interessen der Unternehmen. Die Arbeit muss sich den Menschen anpassen – nicht andersherum

4. Soziale Sicherung

Moderne Arbeitsformen bedeuten für Viele auch arbeiten ohne Netz und Absicherung. Solo-Selbständige, Cloudworker, Minijobberinnen, Teilzeiter, Leiharbeiter- Viele haben weder Geld noch Möglichkeiten, sich dem Wandel anzupassen. Wir brauchen Sicherungssysteme für alle.

 

Arbeit der Zukunft bedeutet für uns Gewerkschaften: der Mensch gehört in den Mittelpunkt der Debatte.

Digitalisierung ist nicht mehr aufzuhalten – wer das glaubt, setzt auf das falsche Pferd. Aber sie ist zu gestalten! nicht durch kleinteilige ‚Kompromisse‘, sondern einen gemeinschaftlichen, gesellschaftspolitischen Konsens dessen Eckpfeiler lauten:

Mitbestimmung

Weiterbildung

Gute Arbeitsbedingungen

Soziale Sicherung


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