Deutscher Gewerkschaftsbund

27.06.2018
Kommentar von Johannes Müllner zur Veranstaltung

Würdevolle Pflege! Aber Wie?

Dieses heiße Thema, das seit sehr vielen Jahren immer wieder die öffentliche Diskussion bestimmt, war auch Inhalt des informativen Fachgesprächs am 21. Juni 2018. Der SoVD und die DGB-Senioren hatten eingeladen und rund 150 Teilnehmende  scheuten  trotz schlechten Wetters nicht den Weg in die Hamburger Handwerkskammer Nach einem Grußwort des Vorsitzenden des Landesseniorenbeirats Hamburg Helmut Riedel, der endringliche Worte des Bundespräsidenten zum Thema Pflege mit anführte, wurde das Podium vorgestellt.

Es  war mit engagierten Fachleuten besetzt, die sich in der Zielsetzung einig waren: Wie schaffen wir es, dass auch in Deutschland die Pflegebedürftigen nicht abgefertigt oder sogar gedemütigt werden, sondern in einer menschlich gestalteten Umgebung leben dürfen, gut umsorgt werden und sich nicht abgeschoben fühlen.

Eine bittere Erkenntnis wurde von den Fachleuten einmütig bestätigt. Das Wort „Pflegenotstand“ gehört leider inzwischen zum allgemeinen Sprachgebrauch und kennzeichnet die beklagenswerte Situation in vielen Pflegeheimen Deutschlands. Wir haben es bis heute nicht geschafft, deutschlandweit eine anerkannte, menschenwürdige und allseits gelobte  pflegende  Betreung von Bedürftigen durchzusetzen, wie sie in skandinavischen Nachbarstaaten selbstverständlich ist.

Die Impulsreferate der  Podiumsteilnehmenden waren zum Teil etwas kontrovers, aber auch emotional. Besonders engagierte sich Claus Fussek, Buchautor und Pflegekritiker, der seine Position auf den Punkt brachte: Die Pflegekräfte müssen sich organisieren, nicht nur auf die Politik warten und Missstände beklagen.

Dr. Hans-Jürgen Wilhelm, Leiter eines Hamburger Pflegeheims, brach eine Lanze für die Pflegekräfte und für eine gute Teamarbeit in den Heimen. Hilke Stein, bei Ver.di-Hamburg zuständig für für den Fachbereich Gesundheit und Soziales, schilderte die Schwierigkeit, die Pflegekräfte, die nur bis zu 10 Prozent gewerkschaftlich organisiert sind, zum kollektiven Handeln zu bewegen. Auch Betriebsräte und Mitarbeitervertretungen sind die Ausnahme. Sie berichtete von dem  Streik im Bereich „Pflegen und Wohnen“ zur Durchsetzung einer Tarifbindung. Sie zitierte auch die Forderungen von Ver.di für eine durchgreifende Pflegereform.

Herr Herbert Schalthoff, Politikchef bei TV-Hamburg 1, moderierte die Veranstaltung und konnte zeitweise engagierte Redebeiträge der Fachdiskussion „nicht bremsen“, weil sie mit viel Leidenschaft vorgetragen wurden. Das Podium war sich auch einig in der Bewertung, dass das jetzt von den Koalitionsparteien auf den Weg gebrachte „Sofortprogramm Pflege“ unzureichend ist. Herr Klaus-Dieter Voß vom SoVD schilderte die gesetzliche Entwicklung und ständigen Novellierungen der Pflegegesetze. Frau Brigitte Krebelder, zweite Vorsitzende des Hamburger SoVD, berichtete aus der Beratungsarbeit des SoVD.

Trotz unterschiedlicher Mentalität und differenzierter Schwerpunkte waren sich die Fachleute einig: Die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte müssen  grundlegend reformiert werden. Dieser, der Menschlichkeit verpflichtete Beruf, muss den Pflegenden Freude bereiten. Sie haben Anspruch auf eine wirklich gute Bezahlung. Die zu Pflegenden können sich nur dann wirklich wohl fühlen, wenn sie von motivierten und zufriedenen und nicht ständig gestressten Menschen betreut werden.

In einer Abschlussrunde kamen dann noch Teilnehmende aus dem Publiukum zu Wort. Ein Beitrag gab allen zu denken: „Warum werden die Hauptbetroffenenen, die Pflegekräfte, nicht an einer solchen Veranstaltung direkt beteiligt. Sie gehören selbstverständlich auch in das Podium.“

Es war eine lebendige, sehr informative Veranstaltung. Sicherlich ist manchen Teilnehmenden klar geworden, dass die allgemeine Einschätzung „Uns geht es doch in Deutschland so gut“ für die meisten Pflegebedürftigen nich zutrifft. Es klang auch Folgendes wiederholt an: Unsere egoistische Leistungsgesellschaft hat ein „gespaltenes“ Verhältnis speziell zu den Älteren. Sie genießen oft nicht die ihnen zustehende Beachtung und Zuwendung.

In ihrer Schlussbemerkung betonte Frau Krebelder die gute Zusammenarbeit und den Willen von SoVD und DGB-Senioren, den Druck auf die Politik zur Reform des Pflege zu steigern.


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