Deutscher Gewerkschaftsbund

19.12.2017

Ankommen bei den Elmshorner Tee-Veredlern

Basheer Kattan

Basheer Kattan Jörn Breiholz

Die schweren braunen Ledersessel, der lange Tisch und die dutzenden duftenden Teemischungen in den raumfüllenden Vitrinen: Die Atmosphäre im Besucherraum der Mount Everest Tea-Gesellschaft im Elmshorner Gewerbegebiet ist gediegen. Der Raum zeugt von der Tradition des Unternehmens: „Unsere Wurzeln reichen bis ins Jahr 1793 und die Hamburger Speicherstadt zurück“, sagt Joachim Schütt, einer der beiden Geschäftsführer. Seitdem handelt das Unternehmen Tee aus vielen Ländern in der Welt, veredelt und aromatisiert ihn.

Mit seinem Blaumann sieht Basheer Kattan nicht unbedingt passend für dieses Setting aus. Aber sowohl für ihn als auch für Lagerchef Frank Korf, seinen direkten Vorgesetzten, und Geschäftsführer Schütt ist es ganz normal, dass Basheer Kattan für das Gespräch direkt aus dem Lager auf die Ledersessel im Empfangsraum wechselt.

Der Blaumann steht ihm gut. Vor allem aber ist er ein sichtbares Zeichen dafür, dass das Leben von Basheer Kattan ein Stück normaler wird: „Endlich kann ich wieder arbeiten“, sagt der 34-Jährige. Täglich von acht bis zwölf Uhr befüllt er die Teereinigungsanlage, die den Roh-Tee von Fremdkörpern wie Steinen oder kleinen Stöckchen befreit. „Mittags essen wir dann mit den Kollegen gemeinsam, was wir uns von zuhause mitgebracht haben“, erzählt der ehemalige Student der englischen Sprache und lächelt. Nachmittags unterstützt er die Kollegen im Lager.

Basheer Kattan weiß, was Krieg im 21. Jahrhundert bedeutet. Der fünf Jahre jüngere Bruder, mit dem er in Damaskus sehr erfolgreich Computerteile aus China importiert und verkauft hat, ist tot. Seine Frau und die beiden Mädchen leben noch in Damaskus. Vielleicht kann er sie bald nach Hamburg holen. „Bis dahin bleibt die permanente Angst, dass ihnen Schlimmes passiert“, erzählt Josef Cattan.

Josef Cattan ist sein Onkel. Er lebt seit Anfang der Siebziger in Deutschland, ist mit einer Ostfriesin verheiratet und hat ihn in der Zeitarbeitsfirma Dekra Arbeit GmbH unterbringen können, die ihn dann in das Elmshorner Teeunternehmen vermittelte. Josef Cattan hat bei Arbeit und Leben Hamburg die Weiterbildung zum Flüchtlingslotsen absolviert „Dadurch weiß ich, wie ich Arbeitgeber davon überzeugen kann, Flüchtlinge einzustellen“, sagt der 67-Jährige.

Seit Anfang Juni arbeitet Basheer Kattan nun in dem Teeunternehmen. „Ich fühle mich sehr wohl hier und möchte hier gerne bleiben“, sagt er. Die ruhige Atmosphäre in dem Familienunternehmen trägt sicherlich dazu bei. Auch dass sie hier Verständnis dafür haben, wenn er vormittags zum Amt muss, um Papiere für die Ausreise seiner Familie zu besorgen. „Wir sind mit seinem Engagement und seiner Arbeit sehr zufrieden. Daher geben wir ihm gerne die Zeit, die er braucht, um administrative Angelegenheiten zu regeln“, sagt Frank Korf, sein Vorgesetzter.

Bisher kannte der 39-Jährige Lagerleiter noch keinen Flüchtling persönlich. Daher hört Frank Korf seinem neuen Mitarbeiter besonders gern zu und weiß, dass er sich mit Computern für Unternehmen gut auskennt. „Ich kann mir gut vorstellen, dass Basheer mit seinen IT-Kenntnissen auch noch andere Tätigkeiten bei uns übernehmen kann“, sagt er.

 

Auch im kommenden Jahr gibt es Plätze für das Lotsenprogramm der Abteilung Migration und Vielfalt bei Arbeit und Leben Hamburg. Informationen: https://hamburg.arbeitundleben.de/migration

 


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