Deutscher Gewerkschaftsbund

01.05.2015
So weiblich wie nie und so international wie nie

Unser 1. Mai in Hamburg

Sophie Binet, Stafanie Holtz, Manolis Glezos

Sophie Binet, Stafanie Holtz, Manolis Glezos DGB HH

So weiblich wie nie und so international wie nie - das war der 1. Mai in Hamburg! Wir hoffen, euch hat es auch so gut gefallen wie uns. Insgesamt kamen 6.200 Menschen zu den Kundgebungen und Demonstrationen am Hafen, in Bergedorf und Harburg. Das Motto des diesjährigen Tag der Arbeit lautete: „Die Arbeit der Zukunft gestalten wir.“ Den Demonstrationen schlossen sich auch zahlreiche Vertreter/innen aus Gesellschaft, Kultur und Politik an. Unter anderem Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, sowie die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank. Auf dem Fischmarkt sprachen Katja Karger, Sophie Binet und Stefanie Holtz. Ein Grußwort kam von dem 92-jährigen Europaparlamentarier Manolis Glezos aus Griechenland. Er ist das älteste Mitglied im Europaparlament und wurde in Griechenland vor allem bekannt, weil er die Hakenkreuzfahne von der Akropolis riss. Seine Ansprache ist als Video vollständig im Netz zu sehen.

Unter diesem Link gibt es viele, viele Bilder von den Mai-Kundgebungen in ganz Deutschland

Der DGB hat außerdem ein sogenanntes "Storify" mit Texten und Bildern zum 1.Mai gemacht. Klickt rein, sehr sehens- und lesenswert!

Wer gerne mehr über unsere 1.Mai-Band Buena Leche wissen will, findet Infos und Musik auf der Homepage der Gruppe.

 


Die Rede von Katja Karger:

(ein kleiner Schnipsel davon ist auch als Video im Netz zu sehen)

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Ihr seht: Ketten lassen sich sprengen!
Vielen Dank an das ver.di Netzwerk (UN)BEFRISTET. Ihr habt die Befristungsproblematik in Hamburg eindrucksvoll präsentiert.  ***

Mein Name ist Katja Karger, als Hamburger DGB-Vorsitzende begrüße ich Euch ganz herzlich auf dem Hamburger Fischmarkt! Danke, dass Ihr alle gekommen seid!

Der 1. Mai 2015 in Hamburg ist weiblich wie nie und er ist international wie nie. Und weil der 1. Mai ein internationaler Fei-ertag ist und Hamburg das Tor zur Welt, freue ich mich ganz besonders, heute zwei internationale Gäste zu begrüßen.

Nach mir wird Sophie Binet, Mitglied des Vorstands der französischen CGT sprechen. Keine Bange: Ihre Rede wird von Barbara Schantz-Derboven übersetzt. Sophie, ich freue mich, dass Du heute hier bist. Anschließend gibt es einen Überraschungsgast, der kurzfristig für ein Grußwort zur Verfügung stand: Manolis Glezos, griechischer Widerstandskämpfer im 2. Weltkrieg und Europaabgeordneter. Er wird von Nikos Theodorakopoulos übersetzt. Herzlich willkommen!

Zum Abschluss der heutigen Kundgebung wird Stefanie Holtz sprechen. Stefanie ist die Jugendvertreterin im Europäischen Gewerkschaftsbund und IG Metall Kollegin. Auch dir ein herz-liches Willkommen.

Ich freue mich sehr, dass so viele von euch mit Familie und Freunden gekommen sind. Ich freue mich auch über viele Gäste aus Gesellschaft, Politik und Kultur. Gesehen habe ich Vertre-ter/innen der Parteien, der Kirchen, verschiedene Senatoren, Abgeordnete der Bürgerschaft und des Bundestages sowie die zweite Bürgermeisterin. Besonders möchte ich unseren Kollegen und Ersten Bürgermeister Olaf Scholz begrüßen; wir freuen uns, dass Sie bei uns sind.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Die Arbeitswelt verändert sich vor unseren Augen - ein Wandel, der neue Chancen bringt, aber auch viele neue Unsicherheiten. Flexibilität und Mobilität sind Schlagworte, die uns begegnen, wenn es um die Arbeit in unserer modernen Gesellschaft geht. Das Motto des diesjährigen 1. Mai ist: „Die Arbeit der Zukunft gestalten wir“.
Gute Ausbildung, hohe soziale Standards, das Recht auf Mitbestimmung und tarifvertragliche Lösungen - dafür kämpfen wir auch in Zeiten des globalen Wettbewerbs!

Es darf nicht sein, dass dieser Wettbewerb allein über niedrige Löhne und unsichere Arbeitsverhältnisse ausgefochten wird. Seit Jahren hören wir die alte Leier der Arbeitgeber nach Beschei-denheit und realistischen Lohnforderungen. Doch wie sieht unsere Wirklichkeit aus, liebe Kolleginnen und Kollegen. Wie viele Kosten fallen euch ein, die in den letzten Jahren geringer geworden sind? Deutschland steht als Wirtschaftsnation blendend da und Hamburg ist wirtschaftlich außerordentlich erfolgreich. Wer hat denn diesen Erfolg geschaffen? Und wem gebührt deshalb ein fairer Anteil am Gewinn? – Euch, den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Hamburg!

In den vergangenen Wochen waren viele von Euch bei Wind und Wetter auf der Straße, um genau für diesen Anteil am Erfolg zu streiten. Es ist ungemein wichtig, dass ihr Eure Tarifverträge so engagiert verteidigt. Nach wie vor sind unsere Tarifverträge das Instrument, um Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern.
Deshalb setzen wir uns verstärkt für eine breitere Tarifbindung ein: Gemeinsam sorgen wir dafür, dass die Arbeitgeber ihre soziale Verantwortung wahrnehmen.
In den letzten Wochen ist uns oft eine deutliche Steigerung bei den Einkommen gelungen. Dennoch wurde am Ende nicht immer gejubelt, das ist wahr. Aber ebenso wichtig sind die qualita-tiven Bestandteile in den Tarifverträgen: Die geförderte Bildungsteilzeit, flexibler Übergang in die Rente, Lebensarbeitszeitmodelle.
Das sind die Bausteine für eine gute Arbeit der Zukunft.

Unsere Solidarität gilt den Kolleginnen und Kollegen, die noch mitten im Arbeitskampf stecken oder ihn vor sich haben. Stellvertretend für die Vielen seien genannt: die Beschäftigten der Hamburger Kitas und Sozialeinrichtungen, des Gebäudereini-gerhandwerks, bei der DHL, den Kfz-Betrieben und im Groß- und Außenhandels.
Euch allen gilt unsere ganze Unterstützung!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Seit dem 1. Januar gilt der flächendeckende gesetzliche Mindestlohn von 8,50. Er ist ein erster Schritt zur Bekämpfung von pre-kärer und unsicherer Beschäftigung. Er ist das Sicherheitsnetz unter unseren Tarifverträgen – von hier aus geht es aufwärts!
In Hamburg profitieren über XX Beschäftigte davon. Vor allem die Minijobs werden weniger und dafür entstehen sogar Voll-zeitjobs.
Aber: Kaum erreicht, müssen wir den Mindestlohn schon wieder verteidigen. Arbeitgeber und große Teile der Unionsparteien ru-fen lautstark nach Ausnahmen. Bei aller Freude über das Er-reichte sagen wir: Dran bleiben am Mindestlohn und dessen Umsetzung kontrollieren.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
seit zwei Monaten hat Hamburg eine neue Regierung. Aus unse-rer Sicht ist das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen an vielen Stellen positiv - an manchen aber auch nicht.
Wir begrüßen, dass die Stadt Hamburg ihrer Vorbildfunktion gerecht werden will und befristete Arbeitsverträge im öffentli-chen Dienst Ausnahme werden sollen.
Das ist unser Erfolg, weil wir laut und deutlich auf diese Miss-stände aufmerksam gemacht haben!
Zwei weitere Forderungen nimmt die Regierung von uns auf: Die Erhöhung des Hamburger Mindestlohns sowie die Einrichtung eines sozialen Arbeitsmarktes.
Wichtig für uns war ebenfalls die Übernahme der Tarifergebnis-se im öffentlichen Dienst auf die Beamtinnen und Beamten. Ei-ne solche Garantie im Koalitionsvertrag ist eine gute Nachricht für die Beschäftigten und ein Bekenntnis für einen starken öf-fentlichen Dienst.

Wenn da nicht das Ja - Aber wäre: Denn gleichzeitig sollen wei-terhin jährlich 250 Stellen im öffentlichen Dienst abgebaut wer-den. Diese Last sollen vornehmlich die Bezirksämter tragen. Ich brauche einen neuen Personalausweis und war deswegen am Dienstag beim Kundenzentrum Mitte. Ich kann nur sagen: Hochachtung vor den Kolleginnen und Kollegen, die dort wei-terhin die Ruhe bewahren. Hier findet eine enorme Leistungs-verdichtung statt – bei gleichzeitiger massiver Einschränkung von Dienstleistungen für uns Bürger.
Das können und werden wir nicht zulassen!

Hamburg ist leider auch eine Stadt der Armut und der sozialen Spaltung. Laut Koalitionsvertrag soll es Ansätze zur Bekämpfung dieser Situation geben. Prinzipiell geht das in die richtige Richtung. Wir werden gemeinsam mit den Sozialverbänden sehr genau hinsehen, was aus den Absichtserklärungen wird. Die Armut von Kindern und Alten ist für eine reiche Stadt wie Hamburg untragbar. Es reicht nicht, nur regelmäßige Berichte zu verfassen: – die strukturellen Ursachen müssen bekämpft werden. Darauf werden wir in den kommenden fünf Jahren besonders achten – denn wir Gewerkschaften wollen eine soziale Stadt der guten Arbeit.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir haben heute Gäste aus Frankreich und Griechenland bei uns. Deshalb an dieser Stelle einige Worte zur aktuellen Situation in Europa:
Aus der Finanz- und Wirtschaftskrise ist längst eine soziale Krise geworden.
Löhne und Arbeitnehmerrechte wurden gekappt, so sind in Griechenland z.B. die Tarifverträge quasi abgeschafft.
Soziale Sicherungssysteme befinden sich im freien Fall; in vielen Ländern ist die Gesundheitsversorgung zusammengebrochen.
Arme und hilfsbedürftige Menschen werden alleingelassen.
Zerstört wurden auch Kaufkraft und lokale Märkte. Mit verhee-renden Folgen vor allem für die Jungen. In Griechenland sind 57 % der Jugendlichen arbeitslos.
Die Anti-Krisen-Politik hat versagt. Die Rettungspakete haben ausschließlich den Spekulanten geholfen und eben nicht den Menschen in Europa. Wir brauchen keine weiteren Sparmaßnahmen. Wir brauchen eine Investitionsoffensive damit diese Länder wieder auf die Beine kommen!

Die Reichen tragen durch ihre Spekulation viel zur Entstehung, aber wenig zur Bewältigung der Krise bei. Es muss ein Ende haben, dass die Reichen ihre Gewinne privatisieren, aber die Verluste verstaatlichen. Wir wollen ihre Zeche nicht mehr zah-len, wenn sie über den Durst getrunken haben!
Wir wollen ein soziales und demokratisches Europa, ein Europa der Solidarität!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
größere Solidarität ist nicht nur innerhalb Europas dringend geboten, sondern auch mit dem Rest der Welt. Jeder Mensch, der an Europas Grenzen stirbt, ist einer zu viel. Die Europäische Union ist humanitär dazu verpflichtet, das Leben der Menschen zu retten, die beim Versuch, Europa zu erreichen, in Lebensge-fahr geraten. - Die Tragödien im Mittelmeer, vor allem aber ihre Ursachen und der Umgang damit stellen uns auf die Probe. Wir alle stehen vor großen Herausforderungen, die wir nur gemeinsam lösen können.

Der DGB fordert den sofortigen Sprachunterricht bei Ankunft in Deutschland. Den erleichterten Zugang zu Arbeit und Berufsausbildung. Und jeder einzelne von uns kann sehr viel tun – und viele Hamburger tun dies bereits.

Ich bitte euch alle: behaltet Eure Solidarität und Euer großes Herz!
Wir wollen eine soziale Stadt.
Lasst uns gemeinsam dafür kämpfen,
dass niemand abgehängt wird.
dass unser Wohlstand gerecht verteilt wird.
dass wir gute Arbeitsbedingungen für alle durchsetzen.
Denn: „Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!“

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
es ist mir nun eine große Freude, Sophie Binet ans Mikrofon zu bitten. Sophie ist Stellvertretende Generalsekretärin der Ge-werkschaft der Ingenieure, Angestellten und Techniker, die zur Confédération générale du travail (CGT) gehört, für die sie heute zu uns spricht. Bitte schön Sophie.



Stefanie Holtz

Stefanie Holtz DGB HH

Die Rede von Stefanie Holtz:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Liebe Hamburger und Hamburgerinnen,
Liebe Gäste,

auch von mir noch mal ein herzliches Moin. Ich möchte mich zuerst mal rechtherzlich für die Einladung beim DGB Hamburg bedanken.
Der 1.Mai -­‐ das ist unser Tag an dem Arbeiterinnen und Arbeiter auf der ganzen Welt zusammenkommen, um über bereits Erreichtes und über aktuelle
Probleme zu sprechen und gemeinsam für eine neue, für eine bessere Zukunft zu kämpfen.

Und deshalb macht es mich wütend, dass wieder 100te von Neonazis in ganz Deutschland aufmarschieren, um unseren Tag für ihre Zwecke zu missbrauchen
und ihre menschenverachtenden Positionen in die Welt hinaus zu blasen. Ich möchte diese Rede nicht beginnen ohne von hier aus meine ausdrückliche
Solidarität all denjenigen entgegenzubringen, die sich heute wieder entschieden diesem braunen Mob entgegenstellen.
Lasst uns ihnen zeigen, dass es kein Platz gibt für sie in unserer Gesellschaft und das ihre Ideen auf Ewig unvereinbar sind mit dem 1.Mai und der
Geschichte der Arbeiterinnenbewegung.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
An vielen Orten der Welt herrscht Krieg. Millionen Menschen sind auf der Flucht vor Hunger, Verfolgung und Tod. Zehntausende starben bereits im Mittelmeer auf der Suche nach einem besseren Leben in Europa. In der vergangenen Woche vor der Küste Libyens ertrunken.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist eine unerträgliche Situation. Europa kann und muss die Geflüchteten aufnehmen und ihnen ein menschenwürdiges Leben
ermöglichen. Kein Mensch ist illegal.

Millionen Menschen haben keine Chance auf Leben in Freiheit, Sicherheit und ohne existenzielle Not. Von einer gerechten Welt sind wir wirklich noch Lichtjahre entfernt! Die Regierungen dieser Welt müssen verstehen: Eine neue, eine junge Generation stellt ihre Politik in Frage. Es ist für mich und viele andere unverständlich, dass die EU unter dem Druck der Öffentlichkeit zwar wieder „retten“ möchte aber gleichzeitig die Festung Europa weiter verstärkt. Liebe Kolleginnen und Kollegen so darf man nicht mit Menschen umgehen! Eine EU der Ausgrenzung, Abschiebung und mit offensichtlicher Fremdenfeindlichkeit hat keinen Friedensnobelpreis verdient!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Auch in vielen anderen Städten sprechen heute junge Kolleginnen und Kollegen, an diese möchte ich einen solidarischen Gruß senden.  Der 1.Mai ist der Kampftag der Arbeiterinnenbewegung und steht dieses Jahr für uns unter dem Motto „Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!“. Das dieses Motto besonders auf die junge Generation zugespitzt ist zeigt sich, wenn man diesen Spruch weiterdenkt und sagt „Die Zukunft der Arbeit das SIND wir!!“. Die derzeitige junge Generation bis 30 Jahre hat demografisch mit 15% den geringsten Anteil in der Gesamtbevölkerung. Damit unsere Interessen gehört werden, müssen wir uns einmischen, aber und da appelliere ich vor allem an unsere älteren Kolleginnen und Kollegen, sie müssen uns auch mitreden lassen. Auch in der parlamentarischen, politischen Landschaft sieht es nicht gut aus. Von 631 Bundestagsabgeordneten sind gerade einmal 31 jünger als 35 Jahre. Ich frage mich wie unsere Interessen dort ausreichend gehört werden können? Es müssen auch im politischen Bereich zukünftig noch viel mehr neue Wege gegangen werden um Veränderungen bewirken zu können. Online-­‐Petitionen beispielsweise müssen ernster genommen werden, liebe Kolleginnen und Kollegen. Wir sind politisch! Wir diskutieren über Facebook, Twitter und Co. und schaffen es so Meinungen nach außen zu tragen. In der Politik und auch im gewerkschaftlichen Umfeld werden diese jedoch häufig belächelt und nicht sehr ernst genommen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Die Zukunft der Arbeit gestalten wir! – Also lasst uns aktiv mitgestalten, auch wenn es um Themen „der Großen“ geht -­‐ wie es häufig so schön heißt. Themen der Arbeitszeitgestaltung, neue Arbeitsmodelle oder auch Fragen der betrieblichen Mitbestimmung betreffen auch uns in besonderem Maße! Die Jugend ist nicht mehr nur eine Randgruppe, die an den Institutionen und Organisationen kratzt. Unsere Junge Generation will gestalten und mitbestimmen und zwar bei allen Themen!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich möchte nun gerne auf das Thema Mitbestimmung und Jugend in Europa eingehen. Kommissionspräsident Juncker hat sich bei seinem Amtsantritt geäußert, dass er der Präsident sei mit der der europäische soziale Dialog wieder voran geführt wird. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich leider berichten, dass in dem ersten Jahr nach der Wahl des europäischen Parlamentes in 2014 noch nicht viel passiert ist auf diesem Gebiet.
Der Europäische Soziale Dialog ist ein zartes Pflänzchen für mehr Mitbestimmung der Sozialpartner in Europa. Auch wenn dies aus Sicht der Gewerkschaften eigentlich nicht ausreicht, ist es doch ein erster Schritt zu einem demokratischen Europa! Das dieses zarte Pflänzchen nun verkümmert, weil man es nicht hegt und pflegt ist ein Skandal und in keinster Weise zu akzeptieren liebe Kolleginnen und Kollegen!

Mitbestimmung und Demokratie dürfen nicht abgebaut sondern müssen ausgebaut werden. Im Betrieb, im Bund und vor allem in Europa! Juncker hat sich ebenfalls zur Jugend in Europa bekannt. Passiert ist bisher auch hier nicht viel. Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch im Jahre 2014 und im ersten Quartal 2015 ist die Jugendarbeitslosenquote in vielen Ländern Europas unerträglich hoch! Fast sechs Millionen junge Menschen in der EU, das ist beinahe ein Viertel aller Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren, sind noch immer arbeitslos. In Griechenland und Spanien sind nach wie vor knapp 60 Prozent der Jugendlichen ohne Arbeit.

Stellt euch das doch einmal in Deutschland vor. Ein Viertel der Erwachsenen und mehr als die Hälfte der Jugendlichen ohne Arbeit! So schrecklich wie das klingt, so ist es aber in den Ländern Südeuropas! Und es ist einfach unverständlich. Denn wer quasi über Nacht Bankenrettungsfonds in dreistelliger Milliardenhöhe mobilisieren kann, der muss doch auch in der Lage sein Europas Jugend zu retten. Leider ist davon nicht viel zu erkennen. Außer unzähligen Gipfeln und Konferenzen ist in den letzten Jahren nicht viel passiert. Auch die 2013 eingeführte Jugendgarantie hat keine deutliche Verbesserung gebracht. Die Jugendgarantie schreibt fest, dass jedem arbeitslosen Jugendlichen bis 25 Jahren innerhalb von vier Monaten ein qualitativ hochwertiges Angebot für einen Ausbildungs-­‐ oder Praktikumsplatz unterbreitet werden soll. Für die Jugendgarantie wurden am 01.01.2014 6 Mrd. € bereitgestellt, diese werden auf 2 Jahre verteilt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
6 Mrd. €? Ist das der Wert der europäischen Jugend für die Politik? Das sind für jeden arbeitslosen Jugendlichen in Europa nicht einmal 10 Euro pro Woche. Alleine die ILO rechnet mit mindestens 21 Mrd. die benötigt würden, um die Jugendgarantie umzusetzen. Das ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein zur Beruhigung der Massen und nicht mehr. Deshalb kann unsere Forderung nur heißen: Weniger Gipfel und Pressekonferenzen, dafür eine bessere Umsetzung der Jugendgarantie oder Alternativen und eine unbedingte Aufstockung der viel zu geringen finanziellen Mittel.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir müssen in dieser Frage gemeinsam den Druck erhöhen. Gemeinsam müssen wir uns in die Frage einmischen, damit keine Generation Hoffnungslosigkeit in Europa zu produziert wird. Dies ist aktuell die Gefahr, da sich die deutsche Politik weitesgehend heraushält. Und auch an dieser Stelle wieder der Appell – hört auf die Ideen und Vorschläge der europäischen Jugend! Redet endlich mit uns und nicht nur über uns! Hoffnungslosigkeit und damit verbunden soziale Probleme waren schon immer der Nährboden für all diejenigen, die die Demokratie und Menschenrechte verachten. Der Rechtsruck in Europa kommt doch nicht von Ungefähr! Wenn wir ein Soziales und friedliches Europa wollen, dann müssen wir uns einmischen und unsere Anstrengungen erhöhen!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
lasst mich zum Abschluss noch einen Punkt in eigener Sache anbringen: wir müssen uns viel mehr international engagieren! Der Grund warum wir heute hier stehen ist keiner, der sich nur auf Deutschland beschränkt. 1886 waren es Arbeiterinnen und Arbeiter, die in den USA auf die Straße gingen, um für einen 8 Stunden Tag zu kämpfen. Die teilweise blutigen Auseinandersetzungen mündeten in einen internationalen Protest-­‐ und Gedenktag, der seit dem weltweit am 01. Mai begangen wird. Schon damals war die Losung klar: der Kampf um bessere Arbeits-­‐ und Lebensbedingungen wird kein nationale sein!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
auch die Arbeit der Zukunft wird sich nicht nur national abspielen, sondern in einem noch nicht bekannten Ausmaß international gestaltet werden müssen. Wir müssen es als Chance verstehen uns als Gewerkschaften rechtzeitig mit einzubringen und zu gestalten! Schritt für Schritt muss nationale Politik zunächst mit europäischer Politik verbunden werden und diese europäische Politik mit einer globalisierten Politik. Auf diesem Weg werden wir mit großer Sicherheit herausfinden, dass uns – damit meine ich alle Arbeiterinnen und Arbeiter weltweit – weitaus mehr verbindet als den Interessensgegensatz zwischen Kapital und Arbeit. Wir werden erleben, dass ziemlich gleiche Vorstellungen von gutem Leben und guter Arbeit existieren und dass die Menschen nicht anders als wir über eine soziale und gerechte Welt nachdenken. Dafür lohnt es sich einzusetzen -­‐ und dafür lohnt es sich auch zu kämpfen Kolleginnen und Kollegen.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und werdet niemals müde zu kämpfen!

 

Sophie Binet am 1.Mai 2015 in Hamburg

Sophie Binet am 1.Mai 2015 in Hamburg DGB HH

Die Rede von Sophie Binet
(Übersetzt von Barbara Schantz-Derboven)

Genossen und Genossinnen,
im Namen der CGT möchte ich mich für die Einladung nach Hamburg bedanken und überbringe Euch die Grüße aller Mitglieder, die heute auf den 290 Demonstrationen dabei sind, die wir in Frankreich organisieren

Ich freue mich sehr, heute in Hamburg zu sein, und das hat drei Gründe:

1. Wir feiern zusammen den 1. Mai

Wir feiern zusammen die 125 Jahre des 1. Mai !
Aus dem 1. Mai haben wir in einem gemeinschaftlichen Beschluss den Internationalen Tag der Arbeit (in Frankreich ‚der Arbeiter‘) gemacht. Von Anfang an war uns klar, dass der Soziale Fortschritt eine universelle Dimension hat. Das beste Mittel, soziale Rechte in einem Land durchzusetzen ist, Konvergenzen mit allen anderen zu erreichen.

Diese internationale Dimension der Arbeiterbewegung ist heute wichtiger denn je: Die internationale Finanz nutzt die Globalisierung, um die arbeitende Bevölkerung überall auf der Welt in Konkurrenz zu setzen. Wir müssen umso dafür sorgen, dass die Strukturen unserer internationalen Zusammenarbeit verstärkt werden und sich in der Praxis verwurzeln. Ihr habt Das beste Beispiel  hier in Hamburg mit Airbus!

Als wir den 1. Mai am Ende des 19. Jhdts. Geschaffen haben, gab es nur eine Parole: den 8-Stunden-Tag! Dadurch wurde gemeinsamt in allen industrialisierten Ländern der Soziale Fortschritt eingeläutet, die Arbeitszeit wurde verkürzt, und damit begann die Emanzipation der arbeitenden Bevölkerung. Aus diesem Grund hat die CGT dieses Jahr in Frankreich eine Kampagne angestoßen zum Thema ‚Arbeitszeitverkürzung‘ mit dem Thema : „weniger lang arbeiten, damit alle arbeiten und besser arbeiten“ .
Weniger arbeiten ist ein wichtiger Hebel für die Gleichstellung zwischen Männern und Frauen, heißt im Klartext, meine Herren, wenn Sie verkürzte Arbeitszeiten haben, könnten Sie sich mehr um Haushalt und Kinder kümmern, und für Sie meine Damen, hieße das, dass Sie längere Arbeitszeiten hätten und endlich die beruflich mit den  männlichen Kollegen gleichziehen könnten.
Damit alle Arbeit haben, weil wir dieses Jahr den 1. Mai feiern und 25 Millionen Menschen in Europa arbeitslos sind, vor allem die Jugendlichen, die also überhaupt keine ‚Arbeitszeit‘ haben. Die Arbeitszeit reduzieren bedeutet Würde durch Arbeit und Vollbeschäftigung für alle.
Die Frage der Arbeitszeitverkürzung wollen wir in Eure Debatten einbringen.  Die Union der Angestellten innerhalb der CGT hat eine Kampagne gestartet zum Recht auf Beendigung der Datenübermittlung per email und stützte sich dabei auf Eure Erfolge bei einigen Großbetrieben der Metallbranche wie z.B. Volkswagen. Das wollen wir auf europäischer Ebene durchsetzen, um bei der Wiederaufnahme der Debatte über die Europäische Richtlinie zur  Arbeitszeit mitreden zu können und den sozialen Fortschritt nach vorne zu bringen.

2. Wir müssen gemeinsam über Europa sprechen.

Ich freue mich zweitens besonders über Eure Einladung, weil wir gemeinsam über Europa sprechen können.

Gerührt bin ich über die Tatsache, dass wir, die Vertreterinnen und Vertreter der Arbeiterschaft aus Frankreich und Deutschland, hier gemeinsam 70 Jahre Frieden feiern. Nach 2 schrecklichen Weltkriegen haben wir es geschafft, ein geeintes Europa zu bauen, das den Frieden dauerhaft garantiert. Aktuell sieht es leider so aus, dass das Versprechen der Gründerväter durch die originären Grundsätze der europäischen Konstruktion in Frage gestellt wird.

Die Finanzwelt hat Europa in Geiselhaft genommen. Leider wissen wir heute, dass die extreme Sparpolitik in die ökonomische Sackgasse führt, soziale Katastrophen heraufbeschwört und den Frieden an sich gefährdet. Europa wird von Teilen der Bevölkerung abgelehnt und in vielen Ländern erleben wir die beunruhigende Zunahme des Nationalismus. In Frankreich erreicht die Rechte Partei ‚Front National‘ Rekordzuwächse und träumt schon von der Regierungsmacht, ohne auch nur irgendwie auf ihre rassistische oder antisemitische Orientierung zu verzichten.

Wir erleben heute die geopolitischen Konsequenzen aus den Erfahrungen des 11. Septembers 2001 und dem sogenannten Schock der Zivilisationen. Was heute sowohl von Terroristen wie auch von Reaktionären angegriffen wird, ist die laizistische Gesellschaftsordnung, die Meinungsfreiheit und damit die soziale Vielfalt.. 4 Millionen Menschen haben sich in Frankreich am 11. Januar nach den Attentaten mobilisiert, um ihre Zugehörigkeit zur Republik zu demonstrieren. Doch auch hier ist der Geist von kurzer Dauer, denn die französische Regierung verabschiedet gerade ein Gesetz, das dem Patriots Act von Georges W. Bush auf s I-Tüpfelchen gleicht.

Die Troika verschreibt eine extreme Sparpolitik allen Ländern Europas, und zu allervorderst Griechenland. Hier ist die Position des DGB besonders wichtig, damit die Beschäftigten der Länder nicht gegeneinander aufgehetzt werden. Eure Stellungnahme hinsichtlich Griechenlands wurde sehr begrüßt. Hier müssen wir zusammenarbeiten, auch mit dem europäischen Gewerkschaftsbund, um die Initiativen zu dessen Rückendeckung zu verstärken.

Im Gegensatz zur eingleisigen Debatte der Liberalen und der Extremen Rechten über die Frage Für oder Gegen Europa, muss die Fragestellung  lauten, WELCHES Europa es denn sein soll. Nur durch die gemeinsame Aktion aller europäischen Gewerkschaftszentralen kann verhindert werden, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch Sozialdumping gegeneinander aufgewiegelt werden. In Frankreich haben sich die LKW-Fahrer fast einen Monat lang mobilisiert um eine Kabotage-Regelung zu erkämpfen. Dadurch haben sie erreicht, dass die ausländischen Fahrer den französischen Mindestlohn erhalten.

Wir müssen gemeinsam gegen Sozialdumping in Europa vorgehen. Wir müssen gemeinsame Aktionen starten, um das Europa der Völker, der sozialen Rechte und der Umwelt zu verteidigen. Wir brauchen den Mindestlohn flächendeckend in allen Ländern Europas, das sichert die gleichen Rechte der einheimischen wie der auswärtigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Wir brauchen auf europäischer Ebene konkrete Forderungen wie das Beispiel des europäischen Investitionsplans zeigt. Unser Investitionsplan ist nicht nur ein starker Hebel für ein Europa der Vollbeschäftigung sondern auch eine Antwort auf die Dramen, die sich wiederholt im Mittelmeer abspielen, bei denen Tausende von Migranten ums Leben kommen. Wir brauchen bei einem so großen Solidaritätsbedarf eine Kooperationspolitik von Europa mit Afrika und einen Investitionsplan, der den Zugang zu Gemeinschaftsgütern wie Wasser, Gesundheit und Energie sichert.

Unsere Regierungen machen sich die Forderungen der Unternehmen zu Eigen und drängen uns in die Wettbewerbslogik und machen aus der Senkung der Arbeitskosten eine Priorität. Dadurch treten wir alle in Konkurrenz und letztendlich führt das zum Verfall der Löhne und Gehälter in ganz Europa.

Die Gehälter  und Renten sind um 20 % bis 30 % gesunken in Griechenland, Spanien, Portugal, Rumänien, Ungarn und in den Baltischen Ländern. Insgesamt verringert sich die Zahl der Tarifverträge als soziale Sicherheit in Europa.

Damit in Frankreich die ‚Kosten‘ für die Arbeit gesenkt werden, macht die Regierung noch weitere Geschenke den Unternehmen, indem sie von Steuern und Sozialabgaben freigestellt werden. Dadurch fehlt das Geld für Versorgungseinrichtungen, Infrastruktur und Zukunftsprojekte. Hinzu kommt die Fiskalevasion, von der die Multinationalen Firmen und die Superreichen profitieren. Diese Steuerparadiese befinden sich nicht in exotischen Regionen des Globus
sondern mitten in Europa, auch in Luxemburg, wo der jetzige Präsident der EU-Kommission, Herr Junker vormals Regierungschef war. So wird der Reichtum, den wir durch unsere Arbeit erwirtschaften, von der Finanzwelt abgeschöpft.

Das Low Cost-Modell hat einen dramatischen Höhepunkt durch den Crash der German Wings Maschine gefunden. Jeder 6. Linienpilot in Europa ist heute Zeitarbeitskraft. Die Ausbildungsnormen und die Medizinischen Untersuchungen wurden gelockert. Dadurch konnte es zu diesem Drama kommen. Es ist ein Jammer, dass die Lufthansa-Piloten nicht früher gehört wurden ….

Wir kämpfen gegen dieses Low Cost Modell. Die allgemeine Mobilisierung, die Ihr erreicht habt zusammen mit der Durchsetzung des Mindestlohns,  sind für uns wichtige Grundlagen. Dadurch können wir beweisen, dass die Maßnahmen, die uns als Basis des Deutschen Modells gepriesen werden, nämlich die Hartz-Reformen den gegenteiligen Effekt hatten und dazu führten, dass Regelungen und soziale Vereinbarungen durchbrochen wurden, die in der Nachkriegszeit entstanden sind und das Deutsche Modell somit der Welt der Finanz geöffnet hat.

Es ist Fakt, dass Ihr allen europäischen Nachbarn bei der Durchsetzung ihrer Rechte helft, wenn Ihr in einem Bereich eine Lohn- und Gehaltserhöhung durchsetzen könnt. Wir müssen auf europäischer Ebene enger zusammenarbeiten und den EGB und die gewerkschaftliche Einheit verstärken.

3. Zusammen die Gewerkschaftsbewegung des 21. Jahrhunderts konstruieren

Aus einem dritten Grund freu ich mich, heute hier zu sein: ich glaube, unsere Demokratien sind an einem Punkt angelangt, wo die internationale Gewerkschaftsbewegung neu gedacht werden muss.

Wir brauchen Antworten auf die zunehmende Prekarität und ……………. , die gewollt sind, um die Arbeiterschaft zu spalten.

In unseren angestammten Bereichen, haben wir es geschafft, die Arbeitsplätze zu sichern und die Tarif-Verträge zu halten. Allerdings werden die Tarifverträge von außen angegriffen durch Sozialdumping, das wiederum auf allen Ebenen passiert, zwischen Auftraggebern und Zulieferern, Festangestellten und Aushilfen, einheimischen Arbeitenden und zugewanderten, usw.

Ihr mobilisiert Euch gegen Minijobs und Prekarität, die vor allem Frauen und Jugendliche betrifft. Wir haben die gleichen Sorgen. Wir Ihr mit dem Mindestlohn, müssen auch wir die Rechte im INTERPROFESSIONELLEN Bereich die verstärken. Die CGT will eine berufsbezogene Krankenkasse durchsetzen, sodass alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, ganz gleich wie ihre berufliche Situation aussieht, sozialen Schutz genießen, Anrecht auf berufliche Fortbildung haben und ein ihrer beruflichen Qualifikation angemessene Entlohnung erhalten.

Das nächste Thema wären Demokratie und Gegengewalt.

Unsere Demokratien bauten nach dem Krieg auf den Ruinen des Totalitarismus auf. Seit den 80er Jahren sind sie mehr denn je durch die Finanziarisierung der Wirtschaft und den Ausverkauf der Erde gefährdet. Noch nie waren Reichtum und Macht derart konzentriert vorgekommen: 1 % der Weltbevölkerung besitzt 50 % des gesamten Reichtums.

Die verstärken Ungleichheiten können passieren – und das ist der IWF, der das feststellt – weil die Gegengewalten geschwächt sind, damit sind vor allem die Gewerkschaften gemeint. In Frankreich, und ich denke, auch in vielen anderen Ländern Europas, ist die Gewerkschaftsbewegung eine enorme Baustelle. Alle gewerkschaftlichen Kräfte müssen jetzt in Zukunft gebündelt werden.

Wir sind der Hebel für den Widerstand gegen den Ausverkauf der Erde, wir sind somit der Kern des Kräftemessens – unsere Unabhängigkeit stört und wird frontal angegriffen. Das Europäische Parlament debattiert zur Zeit über eine sehr gefährliche Richtlinie, die das Geschäftsgeheimnis betrifft. Die Definition des Geschäftsgeheimnisses ist sehr vage, und daher kann es sich um jede Art von Verbot von Informierung handeln: z.B. könnten alle Informationen, die heute an Betriebsräte und Personalvertreter übermittelt werden; somit könnten wir diese nicht an die arbeitende Bevölkerung weitergeben. Das könnte die Herstellungsweise eines Medikaments oder eines Materials sein, somit unterblieben Warnungen der Hinweisgeber  oder Presseberichte über mögliche gesundheitsschädliche Skandale, denkt an die Asbest-Verseuchung.

Diese Richtlinie stellt die Pressefreiheit und die gewerkschaftliche Freiheit in Frage. Die Interessen der Multis werden wichtiger als das allgemeine Interesse. Deshalb haben wir einen Appel auf Europaebene lanciert, um die Bevölkerung zu informieren und zu mobilisieren. Der Präsident des Europ. Gewerkschaftsbund und 65 Gewerkschaften und NGO (NichtRegierungsOrganisationen) aus 10 Ländern haben unterzeichnet und wir hoffen, mit dem DGB in dieser Frage zusammen zu arbeiten, wie wir das auch im Bereich TTIP machen.

Sicherlich brauchen wir dabei einen klaren Blick auf die Logiken, die dahinterstecken, wir müssen aber uns auch über unsere Stärke im Klaren sein: die Oligarchen dieser Welt konzentrieren immer mehr Macht in ihren Händen, sind aber stark minoritär. Die Wir sind die 99 % !!

In Frankreich wird die kurzfristige Rentabilität der Arbeit immer wichtiger. Das ist von den Aktionären so gewollt. Die Arbeit ist sinnentleert, von den Arbeitnehmerinnen  und Arbeitnehmern wird erwartet, dass sie entgegen ihrer eigenen Berufsethik handeln. Abgesehen vom Schutz der Hinweisgeber, fordern wir ein Verweigerungs- und Alternativrecht. Hier steht die Möglichkeit für die arbeitende Bevölkerung auf dem Spiel, vom Arbeitsplatz aus die Macht wieder zu übernehmen?

Die Digitalisierung beschleunigt Transformationen. Was für das Kapital richtig ist, gilt auch für die Arbeit. Unsere gewerkschaftliche Verantwortung wird dadurch umso größer. Glücklicherweise sind wir auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene vernetzt. Wir sind ganz nah dran an unseren Leuten. Wir sind in der glücklichen Lage, 99 % der Beschäftigten eine Plattform zu bieten.

Es gibt keine kleinen Siege. Jeder Fortschritt in einem Bereich bedeutet für uns einen Anker.

Deshalb müssen wir der Finanzwelt die Macht abnehmen und endlich dafür sorgen, dass die Lehren aus der Krise gezogen werden.
Es ist an uns, den Kurs zu wechseln und zum sozialen Fortschritt zurückzufinden!

FINE


Auf Wunsch hier nun auch die Originalversion in französischer Sprache:

Chers camarades,

Je tiens, au nom de la CGT, à vous remercier de l'invitation et je vous transmets les salutations fraternelles de tous les militants qui manifesteront aujourd'hui dans les 290 défilés que nous organisons en France.

Je suis très contente d'être à Hambourg aujourd'hui pour trois raisons

1- Fêter ensemble le premier mai

D'abord parce que cela nous permet de fêter ensemble les 125 ans du 1er mai.
Quand nous avons créé ensemble le premier mai, nous en avons fait une journée internationale des travailleurs. Nous nous sommes dit dès l'origine que le progrès social avait une dimension universelle et que le meilleur moyen d'obtenir des droits sociaux dans un pays était de créer des convergences dans tous les autres.
Cette dimension internationale, qui est au fondement du mouvement ouvrier, est très importante aujourd'hui: alors que la finance utilise la globalisation pour mettre en concurrence les travailleurs du monde, nous avons besoin de renforcer nos structures de coopérations internationales, et de les ancrer au plus près du terrain. L'expérience que vous avez ici à Hambourg avec Airbus en est un exemple.

Quand nous avons initié le 1er mai, à la fin du 19ème siècle, nous nous étions mis d'accord sur un mot d'ordre commun: la journée des 8 heures. C'est ce qui a permis de façon coordonnée dans l'ensemble des pays industrialisés d'enclencher le processus du progrès social et de la réduction du temps de travail, de permettre aux travailleurs de s'émanciper. C'est la raison pour laquelle en France, la CGT a décidé cette année de relancer une campagne sur la réduction du temps de travail. L’enjeu, c’est de « travailler moins, travailler tous et travailler mieux ».

-    Travailler moins parce que c'est un levier majeur pour l'égalité entre les femmes et les hommes. Si vous travailliez moins messieurs, cela vous permettrait de vous occuper des enfants et des tâches ménagères, ce qui nous donnerait la possibilité mesdames de travailler plus et d'accéder enfin à l'égalité professionnelle.

-    Travailler tous parce que La fête du travail a lieu cette année alors que 25 millions de personnes en Europe, notamment des jeunes, sont au chômage, totalement privées de temps de travail. Réduire le temps de travail, c’est se donner comme objectif le plein emploi, c’est permettre à l’ensemble des travailleurs de retrouver leur dignité.

Nous souhaitons porter cette question de la réduction du temps de travail avec vous, à l'échelle européenne. C'est ce que nous avons fait lorsque la CGT des cadres a lancé sa campagne pour le droit à la déconnexion, s'appuyant sur les avancées que vous avez obtenues dans certaines grandes entreprises de la métallurgie comme Volkswagen par exemple.

2- Parler ensemble d’Europe

La deuxième raison pour laquelle je me réjouis de votre invitation, c'est parce que cela nous permet ensemble, de parler d’Europe.

Je suis très touchée que votre initiative nous permette, entre représentants des travailleurs français, allemands et grecs, avec la présence de Manolis Glezos, de fêter les 70 ans de la paix. Après l'horreur des deux guerres mondiales, l'Europe a été construite pour garantir la paix dans la durée. L'actualité nous démontre malheureusement que la promesse des « pères fondateurs » est  remise en cause par les modalités mêmes de la construction européenne.

La finance a fait un hold up sur l'Europe. Nous avons aujourd'hui malheureusement la preuve que l'austérité imposée nous enferme dans une impasse économique et conduit à des catastrophes sociales, mais aussi qu'elle menace directement la paix. Nous assistons à un rejet de l'Europe et à une montée du nationalisme très inquiétante dans de nombreux pays. En France, le Front National atteint des niveaux record, et rêve maintenant d'accéder au pouvoir, sans rien avoir perdu de ses orientations racistes et antisémites.

Nous faisons face aujourd'hui aux conséquences des choix géopolitiques engagés après le 11 septembre 2001 et du prétendu choc des civilisations. Ce qui est attaqué, par les terroristes comme par les réactionnaires, c'est la laïcité, la liberté d’expression et la diversité de nos sociétés. 4 millions de personnes se sont mobilisées en France le 11 janvier, après les attentats, pour refuser les amalgames et démontrer leur attachement à la République, mais cet état d'esprit est déjà fragilisé: le gouvernement français est en train de faire adopter une loi qui ressemble comme 2 gouttes d'eau au Patriot Act de Georges W Bush.

Alors que la Troika donne des leçons de rigueur à tous les peuples européens, et notamment aux grecs, la position du DGB est extrêmement importante pour empêcher que les salariés ne soient montés les uns contre les autres. Votre expression sur la Grèce a été très appréciée. Il nous faut travailler ensemble, avec la Confédération Européenne des Syndicat pour multiplier les initiatives de soutien aux grecs et obtenir que leur vote soit respecté.

Contrairement au débat binaire dans lequel veulent nous enfermer les libéraux et l'extrême droite, la question ce n'est pas pour ou contre l'Europe, c'est quelle Europe nous voulons. Seule l'action coordonnée de toutes les organisations syndicales européennes peut empêcher que l'on monte les travailleurs les uns contre les autres avec des politiques de dumping social. En France, les routiers se sont mobilisés pendant près d'un mois et ont obtenu une réglementation du "cabotage",  ils ont obtenu que les chauffeurs routiers étrangers, soient au moins payés au salaire minimum français. Il nous faut renforcer notre action commune contre l'Europe du dumping social. Il nous faut nous coordonner pour défendre une Europe des peuples, et des droits sociaux et environnementaux.  Pour obtenir un salaire minimum dans chaque pays européen, pour gagner l'égalité des droits des travailleurs nationaux et des travailleurs détachés...

Nous avons besoin au niveau européen de multiplier les revendications concrètes, à l’image de ce que nous avons fait sur le plan d’investissement européen. Notre plan d’investissement est non seulement un levier pour construire une Europe du plein emploi mais aussi une réponse au drame qui a lieu chaque jour en Méditerranée avec la mort de milliers de migrants. Il est temps de répondre à cet immense besoin de solidarité en mettant en place une politique de coopération Europe/Afrique et un plan d’investissement sur l’accès aux biens collectifs, comme l’eau, la santé ou encore l’énergie.

Les gouvernements, reprenant les revendications du patronat, nous enferment dans une logique de compétitivité coût en faisant de la baisse du "coût du travail" une priorité. Ceci conduit à nous mettre tous en concurrence et à tirer les salaires vers le bas partout en Europe.

Les salaires et retraites ont baissé dans des proportions variant entre 20 et 30% en Grèce, en Espagne, au Portugal et aussi en Roumanie, en Hongrie, dans les pays baltes. De façon générale, la couverture par convention collective ne cesse de diminuer en Europe.

En France, pour baisser le "cout" du travail, le gouvernement multiplie les exonérations d'impôts et de cotisations sociales pour les entreprises sans aucune évaluation ni condition de résultat. Du coup, il n'y a plus d'argent pour financer les services publics, les infrastructures ou des investissements d'avenir. A cela s'ajoute l'évasion fiscale, qui profite aux multinationales et aux ultra riches. Cette évasion fiscale n'est pas liée à des paradis fiscaux exotiques, elle est organisée au cœur de l'Europe, notamment par le Luxembourg, le pays dont M. junker, le président de la commission européenne, était premier ministre. Ainsi, les richesses que nous créons par notre travail sont captées par la finance.

L'impasse de ce modèle Low cost a été dramatiquement démontrée par l'accident de German wings. Alors qu'un pilote de ligne en Europe sur 6 est maintenant intérimaire, c'est l'affaiblissement des normes de formation et de suivi sanitaire qui ont contribué à ce drame. Dommage que les pilotes de la Luftansa n'aient pas été entendus plus tôt...

Alors que nous nous battons contre ce modèle low cost, les mobilisations salariales que vous avez initiées et le salaire minimum que vous venez d'obtenir sont pour nous très importants. Ils nous permettent de démontrer que ce que l'on présente comme étant à l'origine du modèle allemand, les réformes Hartz, sont au contraire ce qui a cassé les régulations et les compromis sociaux construits après guerre et ce qui a ouvert le modèle allemand à la financiarisation. Dites vous bien que quand vous réussissez à gagner une augmentation de salaire dans un secteur, c'est l'ensemble des travailleurs européens que vous aidez à défendre leurs droits. Il nous faut renforcer notre coopération a l'échelle européenne, renforcer la Confédération Européenne des Syndicats  et l’unité syndicale en Europe.


3- Construire ensemble le syndicalisme du 21e siècle

La 3ème raison pour laquelle je suis contente d'être parmi vous aujourd'hui, c'est parce que je crois que nos démocraties sont à un tournant qui exige de nouvelles réponses du syndicalisme international.

D’abord il nous faut trouver les réponses à la montée de la précarité et à la dualité du salariat qui est organisée pour opposer et diviser les salariés.

Dans nos secteurs d’implantation historique,  nous avons réussi à protéger l’emploi stable et les statuts. Sauf que ces statuts sont attaqués de l’extérieur, par le dumping social qui est organisé à tous les niveaux, entre donneur d’ordre et sous-traitants, salariés titulaires et intérimaires, salariés nationaux et travailleurs détachés…

Vous vous mobilisez contre les minijobs et la précarité, qui touche notamment les femmes et les jeunes. Nous avons les mêmes préoccupations. Il nous faut, comme vous l’avez fait avec le salaire minimum, renforcer les droits au niveau interprofessionnel. La CGT porte un projet de sécurité sociale professionnelle, de façon à ce que l'ensemble des actifs, quelque soit leur situation, bénéficient d'une protection sociale, d'un accès à la formation professionnelle, d'un salaire en fonction du niveau de qualification…De même, il faut refonder l’entreprise, faire primer le collectif de travail sur les actionnaires, créer des liens de solidarité et de responsabilité commune entre donneur d’ordre et sous-traitant... L’enjeu est donc de renforcer nos capacités d’action au niveau interprofessionnel et notre faculté à rassembler les salariés avec de nouvelles solidarités.

Le 2e enjeu, c’est la question de la démocratie et du renforcement du syndicalisme.

Nos démocraties, construites après-guerre sur les cendres des totalitarismes, sont fragilisées comme jamais par le mouvement de financiarisation de l'économie et de marchandisation du monde engagé depuis les années 80. Jamais les richesses et les pouvoirs n'ont été aussi concentrés: 1% de la population possède 50% des richesses mondiales.

Ce creusement des inégalités se fait parce que les contre-pouvoirs sont affaiblis, notamment les organisations syndicales. Nous avons en France, et je crois que c’est le cas dans de nombreux pays d’Europe, un énorme chantier de reconstruction et de rassemblement des organisations syndicales.

Nous sommes les leviers de résistance à cette logique de marchandisation du monde, nous sommes donc au cœur du rapport de force, notre indépendance dérange et est attaquée frontalement. Le parlement européen commence à débattre d'un projet de directive très dangereuse, sur le secret des affaires. La définition très floue du secret des affaires fait que cela peut concerner tout type d'information:  Toutes les informations qui sont aujourd'hui transmises aux représentants des travailleurs, ce qui nous empêchera de les transmettre aux salariés et à la presse. Les procédés de fabrication d'un médicament ou d'un matériaux, ce qui empêchera les lanceurs d'alerte et la presse de dénoncer un scandale sanitaire, comme l'amiante par exemple.

Cette directive remet en cause la liberté de la presse et la liberté syndicale, elle fait primer l'intérêt des multinationales sur l'intérêt général. Nous avons donc lancé un appel européen pour informer et mobiliser les citoyens. L'appel est signé par le président de la CES et 65 organisations syndicales et ONG de 10 pays différents, nous espérons pouvoir travailler avec le DGB sur cette question, comme nous le faisons sur le TAFTA.

S'il nous faut être lucides sur les logiques à l'œuvre, il nous aussi faut être conscients de notre force. L'oligarchie mondiale concentre toujours plus de pouvoirs mais est très minoritaire, nous sommes les 99%.

Du fait de la financiarisation de l'entreprise, les salariés ne sont plus associés aux choix stratégiques. Nous sommes malheureusement précurseurs en France, car le lobby bancaire pèse très lourd, et que les syndicats ont peu de possibilités d'intervention sur le fonctionnement de l'entreprise. Votre modèle est fragilisé, mais grâce aux droits d'intervention dont vous disposez, vous pouvez encore imposer des logiques de long terme, privilégier l'investissement au lieu des dividendes. Chez nous c'est difficile.
En France, le travail est de plus en plus soumis à des objectifs de rentabilité de court terme dictés par les actionnaires. Le travail est vidé de son sens, on demande aux salariés d'agir à l'opposé de leur éthique professionnelle. Au delà du statut que nous revendiquons pour les lanceurs d'alerte, nous voulons permettre aux salariés de disposer d'un droit de refus et d'alternative. L'enjeu c'est de permettre aux salariés de reprendre le pouvoir à partir de leur travail.

Du fait de la révolution numérique, les transformations s'accélèrent, mais ce qui est vrai pour le capital l'est aussi pour le travail. Notre responsabilité syndicale n'en est que renforcée. Nous avons la chance d'être organisés à l'échelle nationale, européenne et mondiale. Nous avons la chance de pouvoir toucher et organiser les salariés au plus près. Nous avons la chance de pouvoir rassembler tous les salariés pour offrir un cadre d'action aux 99%. Il n'y a pas de petite victoire. Chaque avancée que nous obtenons dans un secteur est un point d'appui pour tous. A nous de reprendre le pouvoir face à la finance et d'imposer que les leçons de la crise soient enfin tirées. A nous d'inverser le court des choses pour renouer avec le progrès social!


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