Deutscher Gewerkschaftsbund

22.09.2011

Veranstaltungsrückblick: „Wer wird Germanys next Top-Model“?

Girls´Day Arbeitskreis HH

Girls´Day Arbeitskreis HH

Um den Einfluss  von medialen Rollenbildern auf die Lebens – und Berufswegplanung von jungen Frauen ging es in der Veranstaltung „Wer wird Germanys next Top-Model“? veranstaltet vom  Girlsday Arbeitskreis Hamburg unter Beteiligung des DGB am 20. September 2011.

Nach wie vor wählen Mädchen aus nur 10 verschiedenen Berufsbildern aus und orientieren sich dabei vorwiegend im pflegerischen oder Dienstleistungsbereich. Berufe, im „MINT“- Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik), die in der Regel mit einer guten Bezahlung einhergehen, werden nur selten von Mädchen gewählt. Das führt dann im späteren Berufsleben von Frauen oftmals zu einer Einkommensabhängigkeit  vom Partner und in der Folge auch zu Einbußen in der Rente.

Männer entscheiden meist über den Blickwinkel

Die Referentin, Frau Dr. Maya Götz, zeigte in einem lebhaften und sehr anschaulichen Vortrag, welche Rolle das Fernsehen bei der Vermittlung von Rollenbildern spielt. Einerseits ist Mädchen sein nicht mehr mit der Defizitperspektive belegt. Mädchen sind im frühen Alter leistungsstark und selbstbewusst. Im Verlauf ihrer Entwicklung, u.a. auch durch den Konsum von visuellen Bildern in Medien, TV und Werbung, ändert sich deren Selbstwahrnehmung dann jedoch meist unbewusst.

Die Welt der Medien ist überwiegend durch den Blickwinkel männlicher Regisseure und Produzenten geprägt und durch deren entsprechende Betrachtungsweise, Bilder und Phantasien. Selbstlose Mädchen, die heiraten und begeistert liebevolle pflegerische Aufgaben wahrnehmen, werden kombiniert mit hypersexualisierten Frauenkörpern dargestellt. So entstehen weibliche Figuren, die  nicht erreichbare Vorbilder für die Mädchen repräsentieren und  damit  das Defiziterleben der Mädchen verstärken. Veraltete Rollen-Zuschreibungen von sogenannten „frauentypischen Tugenden“, die meist auf Zurückhaltung und Anpassung basieren,  unterstützen diesen Effekt.

Scheinbar sind die Mädchen stark und alles ist möglich, aber eben nur scheinbar, denn der gesellschaftliche immer noch männlich dominierte Gesamtkontext wird nicht hinterfragt, insbesondere nicht in den Medien.

Was kann die Alternative zu Castingshows sein?

70 % der Mädchen schauen mit Begeisterung Castingshows. Die Jugendforschung sieht dies  begründet in einer starken Verunsicherung und durch die Zukunftsängste der jungen Menschen. Die Shows geben scheinbar Antworten, wie man sich durchsetzen kann und was zur Selbstinszenierung erforderlich ist.  - Ein Entlarven dieser inszenierten Realität ist zwingend erforderlich, um den Mädchen Alternativen aufzuzeigen und ein Gefühl von Erfolg und Selbstvertrauen aus einer wertschätzenden Perspektive heraus zu ermöglichen.

Ergebnis, bzw. ein Weg aus dieser kritischen Auseinandersetzung mit den vorhandenen Rollenbildern aus dem Fernsehen könnte deshalb die Schaffung von geeigneten Rollenvorbildern und -alternativen für Mädchen sein. Junge Frauen, die begeistert und ganz selbstverständlich in technischen Berufen arbeiten, können positive Gegenbeispiele sein.

Hier geht es zu den Internetseiten des Girls Day 2012 in Hamburg


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