Deutscher Gewerkschaftsbund

09.11.2017

Bergedorf: Ein neues Haus für alle

Mit dem neugegründeten Kulturzentrum „SerrahnEINS“ arbeitet der DGB Bergedorf noch enger mit Initiativen und Organisationen im Bezirk zusammen. Schwerpunkt sind interkulturelle Angebote. Interview mit Bergedorfs DGB-Vorsitzendem Ernst Heilmann.

 

Ernie, bei Euch in Bergedorf ist viel los!

Ernst Heilmann: Das kann man wohl sagen. Das letzte Jahr haben wir damit verbracht, mit vielen anderen Initiativen und Organisationen das Kulturzentrum „SerrahnEINS“ neu zu gründen, in dem auch wir Gewerkschafter weiter unseren Sitz haben. Das war ein ganz schönes Stück Arbeit.

Mit der ihr aber jetzt am Ziel seid.

Genau. Im Sommer haben wir unser erstes Hausfest gefeiert. Das war toll! Es sind so viele Menschen gekommen, dass sich lange Schlangen vor der Tür gebildet haben. Drinnen haben Menschen aus aller Welt zusammen gefeiert. Das hat für alle Mühsal der vergangenen Monate entschädigt.

Das Haus ist das gleiche, in dem ihr die vergangenen 15 Jahre euer Gewerkschaftszentrum hattet. Was hat sich also geändert?

Neu ist, dass wir im Zusammenschluss mit vielen anderen Gruppen und Organisationen aus dem Stadtteil ein vielfältiges Kultur-, Beratungs-, und Hilfsangebot entwickeln. Das reicht von der Sozialberatung des SOVD über den Mieterverein bis zum DGB und der Ausbildungsplatzinitiative Bergedorf, die sich um das Thema Integration in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt kümmern. Dabei werden wir zukünftig auch mit der Einrichtung W.I.R. kooperieren. Das ist gelebte Solidarität im Stadtteil und läuft unter dem Titel „Haus für alle“. Wir betreiben zum Beispiel ein Begegnungscafé und bieten Sprachkurse für Migranten und Geflüchtete an. Wir verstärken unsere interkulturelle Arbeit. Aber natürlich bleibt unser klassisches, gewerkschaftliches Angebot genauso bestehen.

Vorbildlich ist dabei euer Engagement in der Ausbildungsplatzinitiative Bergedorf mit der ihr einmal im Jahr einen Lehrstellenatlas herausbringt.

Das ist eine klasse Sache, bei der alle Akteure rund um das Thema Ausbildung zusammenarbeiten: WSB, Handwerkskammer, Bezirksamt, Parteien, aber auch Schulen. Wir organisieren einen Berufsorientierungstag für Schulabgangsklassen und sorgen dafür, dass der Atlas Bestandteil des Unterrichts an den Schulen ist.

Und was waren Themen, die Dir als Gewerkschafter in Bergedorf zuletzt eher Kopfzerbrechen bereitet haben?

Bei einigen Betrieben rumort es ganz schön; zum Beispiel Federal Mogul. Nach einem Besitzerwechsel gab es da immer wieder Drohungen, Arbeitsplätze und Mitbestimmungsstrukturen abzubauen. Oder Karstadt. Da machen wir uns seit Jahren Sorgen um eine Schließung des Standorts und die Arbeitsplätze. Dann die Bergedorfer Zeitung: Nach der Übernahme durch die Funke Mediengruppe sollten hier massiv Leute entlassen werden. Das Unternehmen wollte aus der Tarifbindung flüchten. Zum Glück konnte nach viel öffentlichem Druck noch ein Sozialplan mit Funke vereinbart werden. Generell unterstützen wir immer wieder Kolleg/-innen, die sich vor Ort im Streik befinden, so wie zuletzt im öffentlichen Dienst, den Kitas oder im Handel.

Wo siehst Du Schwerpunkte eurer Arbeit in den kommenden Jahren?

Wir werden uns weiterhin sehr aktiv im Bezirk gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus engagieren. Zum Beispiel innerhalb der „Woche des Gedenkens“ oder bei der Ausbildung von „Stammtischkämpfern gegen Rassismus.“ Wir wollen uns aber auch gemeinsam mit anderen Initiativen für eine grundsätzliche Veränderung von Wirtschafts- und Sozialpolitik einsetzen. Umverteilung ist für uns ein Schlüsselthema für eine grundlegende gesellschaftliche Veränderung. Dazu kommt der Kampf für eine bessere Rentenpolitik. In Gesprächen mit vielen Menschen merken wir: Das ist ein wichtiges Thema. Da wollen wir dranbleiben.


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