Deutscher Gewerkschaftsbund

01.12.2015

Rückblick: Tagung "Fachkraft Flüchtling!?"

Tagungsteilnehmer/innen

Tagungsteilnehmer/innen DGB HH

Die Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen, der Integration von Flüchtlingen durch Arbeit war das Thema der Tagung „Fachkraft Flüchtling?!“ am ersten Dezember 2015. Wie bekommen Flüchtlinge Arbeit und Bildung? Wie können ihre Qualifikationen (an)erkannt werden? Welche Integrationsprojekte gibt es bereits? Was können Vertrauensleute, Betriebs- und Personalräte von Projekten aus ihren Unternehmen berichten? Wir dokumentieren an dieser Stelle alle Präsentationen und geben Hinweise auf weiterführende Internetseiten der teilnehmenden Organisationen.

Katja Karger: Keine Absenkung von Standards, keine Bestenauslese

In ihrem Einführungsvortrag hat Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger davor gewarnt, die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt mit der Absenkung von Standards zu verbinden. „Ja, wir brauchen möglichst schnell und möglichst viele Angebote für Schutzsuchende auf dem Arbeitsmarkt. Aber wir dürfen auch nicht unüberlegt handeln. Schmalspurausbildungen, Dauerpraktika oder Jobs mit schlechten Arbeitsbedingungen oder zu Mini-Löhnen fördern nicht die Integration, sondern schwächen sie sogar.“

Katja Karger

Katja Karger DGB HH

Gleichzeitig warnte sie davor, eine Bestenlese zu betreiben: „Es muss darum gehen, die Fachkräfte schnell zu finden und sie in passende Jobs zu bringen. Gleichzeitig müssen wir aber auch Potenziale bei denjenigen entwickeln, die als Ungelernte zu uns kommen.“ Karger hob hervor, dass den Betriebs- und Personalräten bei der Integration in den Unternehmen eine wichtige Rolle zukäme: „Sie können bei den Arbeitgebern für Arbeits- und Ausbildungsplätze für Flüchtlinge werben, bei der Integration in die Belegschaft helfen und vor Ausbeutung schützen.“ Die Gewerkschaften in Hamburg würden deswegen verstärkt Weiterbildungsmaßnahmen und Schulungen anbieten, z.B. zum Thema Arbeitsrecht oder der Umsetzung von Mentoring-Programmen.

Die DGB-Forderungen für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt:
- keine Absenkung des Mindestlohns, sondern Ausbau durch weniger Ausnahmen
- mehr Geld für die Integration, z.B. für Sprachkurse und die Anerkennung von Abschlüssen
- öffentlichen Dienst stärken, Beschäftigte vor Überlastung schützen
- mehr Mittel für den Hartz IV-Bereich, um Erwerbslose und Flüchtlinge gleichermaßen zu fördern
- keine Teilqualifizierungen, sondern einheitliche Standards für alle
- unkomplizierte Lösungen zur Integration in den Betrieb, ohne überhastete Lösungen zu fördern
- eine Anlaufstelle gegen Ausbeutung, um Flüchtlinge vor Dumpinglöhnen und miesen Arbeitsbedingungen zu schützen


Die Vorträge der verschiedenen Referent/innen

 

Franziska Voges

Franziska Voges DGB HH

Franziska Voges: Chancen am Fluchtort Hamburg

Chancen am FLUCHTort Hamburg richtet sich an jugendliche und erwachsene Flüchtlinge mit ungesichertem Aufenthalt (z.B. Duldung, Aufenthaltsgestattung) und/oder vorübergehendem Bleiberecht. Das Projekt hat zum Ziel, die Chancen von Flüchtlingen auf eine berufliche Integration in den Arbeitsmarkt zu verbessern durch ein breites Angebot an Beratung, Coaching, berufsbezogener Qualifizierung sowie Vermittlung in Weiterbildung, Ausbildung und Arbeit.
Hier geht es zur Internetseite.

Der Vortrag zum Download:

 

 

Petra Lotzkat, Basfi

Petra Lotzkat, Basfi DGB HH

Birte Steller, W.I.R.

Birte Steller, W.I.R. DGB HH

Petra Lotzkat/Birte Steller, Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration/ "work and integration for refugees" (W.I.R.)

Die Anlaufstelle „W.I.R bietet für Flüchtlinge eine umfangreiche Beratung, Betreuung und Unterstützung mit dem Ziel an, sie möglichst schnell in Ausbildung, Studium und Beschäftigung zu integrieren. Das Angebot richtet sich an alle erwerbsfähigen Flüchtlinge in Hamburg mit guter Bleibeperspektive, die noch keine Leistungen des Jobcenter team.arbeit.hamburg beziehen.

Die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, die Agentur für Arbeit und Jobcenter team.arbeit.hamburg bieten mit Hamburger Trägern der Flüchtlingshilfe sowie Hamburger Kammern und Verbänden der Wirtschaft gemeinsam Beratungs- und Vermittlungsangebote sowie Integrationsleistungen an.
Terminvereinbarung erforderlich

Wichtig: Für alle Beratungen bei W.I.R ist eine vorherige Terminvereinbarung erforderlich. Flüchtlinge, die ohne Termin erscheinen, können aus Kapazitätsgründen nicht beraten werden.

Hier geht es zur Internetseite

Die Vorträge zum Download:

Gesine Keßler-Mohr, Handwerkskammer

Gesine Keßler-Mohr, Handwerkskammer DGB HH

Gesine Keßler-Mohr: Kompetenzfeststellung und Anerkennung: Die Methode der Handwerkskammer

Über die Rechtslage und die Arbeit der Handwerkskammer in diesem Bereich gibt es
Informationen auf der Internetseite.

Hier der Vortag zum Download:

 

 

Michaela Bagger, Operative Geschäftsführerin in der Agentur für Arbeit Hamburg

Michaela Bagger, Operative Geschäftsführerin in der Agentur für Arbeit Hamburg DGB HH

Michaele Bagger, Agentur für Arbeit: Vermittlung von Flüchtlingen in Arbeit

Die Agentur für Arbeit engagiert sich u.a. mit dem Projekt W.I.R. (siehe oben)

Hier gibt es die Präsentation zum Download:

 

 

Andrea Niethammer, Flüchtlingszentrum Hamburg

Andrea Niethammer, Flüchtlingszentrum Hamburg DGB HH

Andrea Niethammer, Flüchtlingszentrum Hamburg: Perspektiven im Einwanderungsland: Erfahrungen aus der Beratungsarbeit für Flüchtlinge

Die Zentrale Information und Beratung für Flüchtlinge gGmbH  ist eine gemeinnützige Gesellschaft der Arbeiterwohlfahrt, des Caritas-Verbandes und des Deutschen Roten Kreuzes.

Hier geht es zur Internetseite des Flüchtlingszentrums.

Der Vortrag zum Download:

 

Eine Zusammenfassung des Abschlussgesprächs über Erfahrungen von Gewerkschafter/innen und Beschäftigten bei der Arbeit mit Flüchtlingen folgt zu einem späteren Zeitpunkt.

 

Hier gibt es einen Bericht über die Tagung aufd en Seiten des Europäischen Sozialfonds.


Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Artikel
Ausbildung zum/zur betrieblichen Flüchtlingslotsen/-in
Die Fachstelle Migration und Vielfalt bei Arbeit und Leben Hamburg bietet an: "Aus unserer Beratungspraxis wissen wir, dass sich die Integration in die Betriebe oft schwierig gestalten kann. Um diese Herausforderungen meistern zu können, laden wir Sie herzlich zu unserer Ausbildungsreihe betrieblicher Flüchtlingslotsen ein." weiterlesen …
Pressemeldung
Alarm! Bewerberhöchststand - aber Betriebe bieten weniger Ausbildungsplätze an
Die Unternehmen in Hamburg haben im Zeitraum Oktober 2016 bis April 2017 weniger Ausbildungsplätze angeboten, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dabei suchen immer mehr junge Leute einen Ausbildungsplatz: Die Anzahl der Bewerber/-innen stieg um elf Prozent - die höchste Zahl an Bewerber/-innen seit der Jahrtausendwende. Zur Pressemeldung
Pressemeldung
Sackgasse Minijob: Reform ist dringend nötig
Ausstellung im Foyer des Gewerkschaftshauses: „Der Minijob – eine Erfolgsgeschichte?“. Die Wanderausstellung ist ein Projekt von der Bundesagentur für Arbeit, erläutert die Auswirkungen von Minijobs auf die Beschäftigen und den Arbeitsmarkt und benennt Lösungsvorschläge aus Sicht des DGB. Sie ist von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr ganztägig geöffnet. Der Eintritt ist frei. Sie ist bis zum 1. März zu sehen. Zur Pressemeldung