Deutscher Gewerkschaftsbund

12.05.2015
Rede von Katja Karger zu einem Hafenfrühstück für Arbeitsjubilare des Hamburger Hafens und Hafenbetriebsräte

Wandel in der Hafenarbeit erfordert hohe Qualifikation der Beschäftigten

Containerschiff auf der Elbe

Containerschiff auf der Elbe DGB HH

Sehr geehrter Herr Senator Horch,
sehr geehrte Jubilare,
liebe Betriebs- und Personalräte,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

herzlichen Dank für die Einladung; ich freue mich, heute bei dem Hafenfrühstück dabei zu sein.
Das Jubilieren haben andere übernommen. Mir fällt die Rolle zu, einige inhaltliche Anmerkungen zu machen.
Allerdings möchte ich nicht beginnen, ohne auch von Seiten der Gewerkschaften den Jubilaren alles Gute zu wünschen.

„Struktureller Wandel und nachhaltige Modernisierung“. Das ist der Titel einer Studie, die der DGB Nord im vergangenen Herbst veröffentlicht hat. Das Forschungsprojekt der Hans-Böckler-Stiftung hat die Perspektiven der Industriepolitik in Norddeutschland untersucht. Daraus haben wir Ideen und Handlungsempfehlungen entwickelt, die ich kurz vorstellen möchte. Wer es nachlesen will: Ich habe ein paar Broschüren mitgebracht.

Die große Hafendichte in der europäischen Nordrange zieht einen verstärkten Wettbewerb zwischen den Häfen nach sich. Auf der einen Seite führt das zu einem hohen Pro-duktivitätsniveau und zu technischen Innovationen, - andererseits besteht die Gefahr, dass die Häfen gegeneinander ausgespielt werden. - Wir Gewerkschaften wollen Koope-ration statt Konkurrenz.

Die Zusammenarbeit der norddeutschen Häfen und ihrer Unternehmen sichert Arbeitsplätze und Wettbewerbsvorteile. In Kooperation lassen sich gemeinsame Interessen gegenüber einem konzentrierten und globalisierten Markt besser durchsetzen. Außerdem stärkt eine Kooperation von Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven das Auftreten gegenüber dem Bund. Wenn die Häfen stärker miteinander agieren, können sie z. B. unterschiedliche Auslastung besser abfedern.

Ein Bereich, in dem die Zusammenarbeit absolut notwendig ist, ist die Offshore-Windenergie. Da werden von Häfen große Investitionen geplant – nur ohne Abstimmung miteinander. Aber wenn alle das Gleiche tun, bleibt weniger für den einzelnen. Das ergibt weder ökonomisch noch politisch Sinn. Hier wäre zu prüfen, ob innerhalb eines Gesprächsforums aus Bund, Ländern und Wirtschaft die Ausbaupläne der Häfen gemein-sam abgestimmt werden können. - Dabei könnte z. B. ein Hafenentwicklungsplan für den Offshore-Bereich entstehen.
Die gemeinsame Qualifizierungseinrichtung ma-co – das maritimes competenzzentrum - ist im Übrigen ein gelungenes Beispiel erfolgreicher Kooperation - einerseits häfenüber-greifend und andererseits zwischen ver.di und den Unternehmensverbänden.

Der Wandel in der Hafenarbeit erfordert nämlich zwingend eine entsprechend hohe Qualifikation der Beschäftigten.
Ein wachsender Automatisierungsgrad, striktere Umweltvorschriften, komplexe weltweite Logistikketten, die Internationalisierung von Schiffsbetrieben und Crews sowie Aufgaben in der Passagierschifffahrt - das alles stellt hohe Ansprüche an das technische Verständ-nis und die soziale Kompetenz der Hafenarbeiter.

Die Arbeitsbedingungen wurden in den vergangenen Jahren durch den technologischen Fortschritt und die geänderten Umschlagverfahren nachhaltig beeinflusst. So hat sich beispielsweise der Einsatz neuer Technologien in vielen Bereichen positiv auf den Ge-sundheitsschutz ausgewirkt. - Starke Schwankungen beim Arbeitsaufwand wiederum stellen heute mehr denn je hohe Anforderungen an die Flexibilität der Mitarbeiter/innen. So ist die Arbeit in vielen Hafenbetrieben mit einer hohen Überstundenbelastung und Mehrarbeitsquote verbunden.

Die hohe Qualifikation, die wir bei den Hafenarbeitern erreicht haben, muss nicht nur erhalten bleiben, sondern Voraussetzung für den Zugang zur Hafenarbeit sein – und das gilt als Forderung für alle europäischen Häfen.

Von der Qualifikation zur Infrastruktur: Da liegt die größte Herausforderung vor uns: Überlasteter Hinterlandverkehr und die marode Verkehrsinfrastruktur… - Der Hamburger Hafen als Raum für Logistik und Umschlag, aber auch als Fläche der Industrie muss als Standort und Drehscheibe weiterhin in Stand gehalten werden!
Ob Fahrrinnenanpassung, Modernisierung des Nord-Ostsee-Kanals oder die Y-Trasse – hier muss ganz schnell was passieren. Da werden wir auch weiterhin die Politik an ihre Aufgaben erinnern! Das bedeutet auch, die Arbeit und die Finanzierung der HPA, als wichtigster Hafendienst-leister, zu sichern.

Als ein Weg, um diese Probleme nicht nur zu lösen, sondern auch noch finanziert zu bekommen, wird Olympia in Hamburg gehandelt. Die Hoffnungen und Versprechen, die damit verbunden werden, sind groß. Der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht grundsätzlich die Chancen, die in der Durchfüh-rung der Olympischen Spiele bestehen: Belebung der Konjunktur und die Stärkung der Infrastruktur in der Metropolregion. - Die Idee des friedlichen und fairen Zusammenlebens der Völker passt gut in eine Stadt, die solidarisch und weltoffen ist.

Doch die Durchführung von Olympischen Spielen birgt auch erhebliche Risiken ökonomi-scher, sozialer und ökologischer Art. Olympia wird umfassende Auswirkungen auf die Stadt haben. Diese Auswirkungen müssen positiv beeinflusst werden, denn diejenigen, die von Veränderungen betroffen sind, dürfen nicht zu Verlierern der Spiele werden.
Grundlegende Voraussetzungen für die Bewerbung und Durchführung der Spiele sind aus Sicht des DGB:

1.    Transparenz. Ein solides und transparentes Finanzierungskonzept, das die Kosten so umfassend wie möglich offenlegt. Die Spiele dürfen nicht zu einer Ein-schränkung der öffentlichen Dienstleistungen führen.
2.    Gute Arbeit. Gute Arbeitsbedingungen müssen Leitmotiv der Olympischen Spiele; ihrer Vorbereitung, Planung und Durchführung werden. Veränderungen wegen Olympia dürfen keine Arbeitsplätze kosten.
3.    Infrastruktur. Olympia in Hamburg muss mit einer Stärkung der öffentlichen sowie sozialen Infrastruktur einhergehen. Und selbstverständlich darf die Bau-phase den Hafenbetrieb weder zusätzlich belasten noch einschränken.

Wir wollen diese Rahmenbedingungen zwischen den Gewerkschaften, dem Nationalen Olympischen und Paralympischen Komitee, dem Deutschen Sportbund sowie den Minis-terpräsidenten der Länder bzw. Bürgermeister festschreiben.

Und eins noch: Zum Hamburger Hafen gehört auch die Kreuzfahrt. Ihre Bedeutung für Hamburg wächst enorm. Und das ist gut so. Nicht gut wäre allerdings, wenn dort die Arbeitsbedingungen nicht stimmen. Schließlich werden hier öffentliche Mittel zur Herstel-lung eines Angebots verwendet, von dem nicht nur die Eigner und Kreuzfahrtbetreiber etwas haben sollen, sondern ebenso die Beschäftigten drumherum. Deswegen sagen wir Gewerkschaften: Die Organisation, die Abfertigung und der Betrieb der Kreuzfahrtterminals sind Hafenarbeit.

Und diese Arbeit hat unter den Kriterien und Anforderungen des DGB Index Gute Arbeit statt zu finden. - Alle Arbeit, die rund um das neue Terminal mitten im Hafengebiet an-fällt, ist Hafenarbeit und gehört tarifvertraglich geregelt. Dafür werden wir Gewerkschaf-ten in den kommenden Woche verstärkt kämpfen: Wir können keine Insel des Outsour-cings und Lohndumpings im Hafen gebrauchen.

Nicht gebrauchen können wir auch die Frechheit der Reeder, sich über die tariflichen Vereinbarungen hinweg zu setzen und Hafenarbeit von Seeleuten machen zu lassen. Hierzu plant die ITF im Frühsommer entsprechende Aktionen. Nur so viel sei an dieser Stelle betont: das schließt auch Boykottmaßnahmen nicht aus, sofern die Reeder nicht einlenken.
Damit sind nun alle vorgewarnt und vorbereitet. Und mir bleibt nur noch zu sagen:

Hauptgänge haben es in sich – Ich wünsche nun Euch allen guten Appetit beim Nachtisch und ein gelungenes Hafenfest.


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