Deutscher Gewerkschaftsbund

Passt auf euch auf! Übergriffe auf Beschäftigte

14.11.2018
Erste Hilfe bei traumatischen Erlebnissen am Arbeitsplatz

Das Notfalltelefon der EVG

Ruf Robin

Ruf Robin EVG

Den ersten Anruf erhielt ‚Ruf Robin‘, das Notfalltelefon der Eisenbahngewerkschaft EVG, schon einen Tag vor seinem offiziellen Start. Ein Azubi der Deutschen Bahn wurde auf dem Heimweg an einem Bahnhof niedergestochen – sein Arbeitgeber sah allerdings keine Notwendigkeit zum Handeln.

Er argumentierte, dass der Vorfall nicht innerhalb der Arbeitszeiten passiert sei. Eine andere Kollegin wurde während der Arbeitszeit mit einer Schusswaffe bedroht.  Auch in diesem diesem Fall sah der Arbeitgeber keinen Grund der Betroffenen Hilfe anzubieten.

Mit Geschichten wie diesen sind die Kolleg/ -innen beim Notfalltelefon der EVG täglich konfrontiert. Dass die Arbeitgeber kaum Hilfeleistungen für Beschäftigte anbieten, die im Dienst mit Gewalt konfrontiert wurden, ist der Grund warum ‚Ruf Robin‘ ins Leben gerufen wurde.

Laut den offiziellen Zahlen der Deutschen Bahn AG ist die Zahl der Körperverletzungen gegen Mitarbeiter/ -innen der Deutschen Bahn von 966 im Jahr 2012 auf 2.550 im Jahr 2017 gestiegen. Das sind fast sieben Körperverletzungen pro Tag. Neben der DB Sicherheit trifft es dabei besonders oft Beschäftigte der DB Regio.

Die Dunkelziffer der Übergriffe auf Mitarbeiter/innen dürfte deutlich höher liegen

Marco Rafolt, Sicherheitsbeauftragter der EVG dazu: „Auffällig ist, dass die Zahl der Übergriffe zwischen 12 und 18 Uhr merklich ansteigt. Unserer Einschätzung nach liegt das daran, dass die Menschen in unserer Gesellschaft immer stärker unter Stress stehen. Wenn dann zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit der Zug Verspätung hat, reagieren Kunden schneller gewalttätig.

Gleichzeitig beobachten wir eine gesellschaftliche Legitimierung von Gewalt gegen unsere Kollege/ -innen. Die Geschichten die wir täglich hören, machen ebenfalls deutlich, dass es sich bei den Angreifer/ -innen nicht um eine bestimmte soziale Gruppe handelt. Es sind Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen dabei.“

Die Dunkelziffer der Übergriffe auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürfte deutlich höher liegen, denn viele Kolleginnen und Kollegen haben das Vertrauen zum Arbeitgeber verloren und fühlen sich von ihm nicht unterstützt. Es sind aber nicht nur die Arbeitnehmer der DB AG betroffen, sondern auch die Kolleginnen und Kollegen der Privatunternehmen.

Das Notfalltelefon ‚Ruf Robin‘ wurde im September 2017 eingerichtet und bietet betroffenen Kolleginnen und Kollegen Hilfen nach traumatischen Erlebnissen im Beruf. Beim ersten Anruf werden die Erlebnisse der Betroffenen von erfahrenen und speziell geschulten Mitarbeitern protokolliert und danach in Absprache mit den Betroffenen an Gewerkschaftssekretär/ -innen der EVG weitervermittelt. Diese vermitteln dann je nach Wunsch an eine juristische Erstberatung oder eine Sozialberatung, informieren über Ansprüche und suchen gemeinsam mit den Betroffenen nach individuellen Lösungen.

Eigentlich ist der Arbeitgeber in der Pflicht

Wie diese aussehen, ist dabei sehr unterschiedlich und hängt auch von der Schwere des Vorfalles ab. „Besonders wichtig ist es, dass die betroffenen Kollegen und Kolleginnen sich ernst genommen fühlen. Denn die Arbeitgeber versäumen es leider immer noch, angemessene Angebote zur Verarbeitung bedrohlicher Situationen am Arbeitsplatz anzubieten. Dabei ist nicht nur die Prävention wichtig! Die Erzählungen der Kolleg/ -innen, die bei uns anrufen, zeigen, dass sich viele mit ihren Erlebnissen alleine gelassen fühlen.“, erzählt Marco Rafolt.

Die EVG sieht ihr Notfalltelefon aber nur als Notmaßnahme. Denn eigentlich seien hier die Arbeitgeber in der Pflicht. „Wenn die Beschäftigte im Zusammenhang mit der Arbeit Gewalt ausgesetzt sind oder andersartig traumatische Erlebnisse haben, ist  es die Pflicht jeden Arbeitgebers, ausreichende Hilfsmaßnahmen zur Verfügung zu stellen.

Ein Anfang ist die Dokumentationsstelle der DB Regio NRW, die einzig dazu da ist Fälle von verbaler oder körperlicher Gewalt gegen Mitarbeiter der DB Regio NRW zu dokumentieren. Aber es braucht mehr. Wenn die Arbeitgeber ihrer Fürsorgepflicht nachkommen würden, hätten wir „Ruf Robin“ nie ins Leben gerufen.“, erklärt Marco Rafolt.

Unter diesem Link geht es zur Seite der EVG mit noch mehr Informationen und einem Video über "ruf Robin"


Nach oben