Deutscher Gewerkschaftsbund

25.03.2019

Harburg: Mitgliederversammlung wählt neuen Vorsitz

DGB Harburg

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Harburgs Gewerkschafter*innen haben viel vor in den kommenden Monaten. Mit ordentlich Rückenwind aus der Mitgliederversammlung am 23. März im Bürgerzentrum Feuervogel wollen sie ihr Engagement im Stadtteil weiter verstärken. Die 32 anwesenden Mitglieder wählten zudem einen neuen Vorsitz: Susanne Labusch als erste Vorsitzende und Wolfgang Brandt als ihr Stellvertreter erhielten ein einstimmiges Ergebnis.

 

"Ihr leistet wertvolle Arbeit, euer Engagement ist große Klasse"

Zu Beginn begrüßten Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger und der bislang kommissarische Vorsitzende Christian Kroencke als hauptamtlicher Vertreter des DGB Hamburg die Anwesenden und bedankten sich für das Engagement der aktiven Mitglieder der Ortsgruppe: „Ihr leistet wertvolle Arbeit vor Ort, die gar nicht hoch genug einzuschätzen ist. Was hier in den letzten Jahren wieder neu entstanden, ist absolut klasse.“

Es folgte ein trauriger Moment: Die Anwesenden gedachten dem im vergangenen Jahr verstorbenen Manfred Meyer, der lange Zeit für den DGB aktiv in Harburg war.

 


Susanne Labusch gab dann einen Rückblick auf die Aktivitäten der vergangenen Zeit: Die Organisation des 1. Mai in Harburg, eine Barkassenfahrt zur Kundgebung am Hamburger Fischmarkt vor zwei Jahren, die Durchführung einer Ausstellung „Vom Wert der Mitbestimmung“, eine Renten-Aktion auf der Straße und anderes.

Deutlich wurde: Die Gruppe ist schon jetzt sehr aktiv im Stadtteil und will dieses Engagement sogar noch ausbauen. „Wir wollen auch mehr junge Leute ins Boot holen und für die Gewerkschaften begeistern“, so die neue Vorsitzende Susanne Labusch.

Verstärkt sollen lokalpolitische Themen bearbeiten und mit eigener Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden. Die Vernetzung mit anderen Initiativen soll intensiviert werden. Die Themen Prekäre Beschäftigung, Wohnen und Mobilität werden dabei im Mittelpunkt stehen.

Konkret wird gerade gemeinsam mit dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA) eine Veranstaltungsreihe zu „Arbeitsrecht im Betrieb“ vorbereitet. Auftakt ist am 23. Mai. Dazu steht natürlich die Demonstration und Kundgebung am 1. Mai im Mittelpunkt. Start wird um 10 Uhr auf dem Herbert-Wehner-Platz sein. Um 11 Uhr beginnt die Kundgebung im Rieckhof mit Jessica Reisner vom Verein arbeitsunrecht e.V.

Susanne Labusch und Wolfgang Brandt als Vorsitzende gewählt

Es folgten die Wahlen von Susanne Labusch und Wolfgang Brandt.

Susanne Labusch ist 54 Jahre alt und in Wilhelmsburg geboren. Die gelernte Speditionskauffrau ist Betriebsrätin, Mitglied bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und arbeitet seit 22 Jahren bei einem Paketdienst. „Gewerkschaft“, sagt sie, „heißt, nicht allein sein und gemeinsam etwas bewegen.“

Wolfgang Brandt, 70 Jahre alt, ist pensionierter Lehrer und hat 39 Jahre am Gymnasium Süderelbe gearbeitet. Er ist Mitglied in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), wo er Schulungen für Personalräte durchführt. „Gewerkschaften als Lobbyorganisation der Arbeitnehmer*innen müssen sich dem Turbokapitalismus entgegen stemmen“, fordert er.

Politiktalk

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Zum Schluss der Versammlung gab es einen Talk von Bezirkspolitiker*innen, die mit den Kolleg*innen dann in die Diskussion einstiegen.

Gekommen waren Jürgen Marek (DIE GRÜNEN), Frank Richter und Klaus Fehling (SPD), Jörn Lohmann (DIE LINKE) sowie Kay Wolkau (Neue Liberale).

Es ging unter anderem um die Themen Prekäre Arbeit (Arbeiterstrich in Wilhelmsburg), öffentliche Auftragsvergabe, Mindestlohn, die Gesundheitsversorgung im Stadtteil und Wohnen.

"Bei Mindestlohn-Verstößen gibt es ein Vollzugsdefizit"

Der Mindestlohn, da waren sich die meisten Parteivertreter einig, muss steigen. 12 Euro sei ein guter Richtwert. Jörn Lohmann (DIE LINKE) nahm zu fairen Auftragskriterien im Bezirk Stellung und versprach: „Bei der Vergabe können wir was tun und das nehmen wir auch mit.“

Kay Wolkau (Neue Liberale) stellte fest: „Für die Kontrollen gegen Verstöße ist einfach zu wenig Personal da. Da gibt es Gesetze, aber die müssen auch eingehalten werden. Da gibt es ein Vollzugsdefizit.“

Was Verstöße gegen faire Arbeitsbedingungen angeht wies Jürgen Marek (DIE GRÜNEN) darauf hin, dass Bezirkspolitiker initiativ werden könnten, wenn sie Informationen bekommen: „Überlastungsanzeigen im sozialen Bereich zum Beispiel. Dann bitten wir Betriebsräte oder andere Arbeitnehmervertreter*innen in unseren Ausschuss, um uns das schildern zu lassen.“

Höhere Quote von Sozialwohnungen gefordert

Was die Wohnsituation im Stadtteil angeht, machte Richter deutlich, dass hier über das Baurecht Einfluss genommen und der soziale Wohnungsbau vorangetrieben werde. Die Zahlen stiegen. Lohmann war das noch nicht genug und forderte eine höhere Quote beim sozialen Wohnungsbau von 50 – 100 Prozent. Es müssten auch neue Wege gegangen werden, zum Beispiel mit einer neuen städtischen Gesellschaft. Marek setzt sich dafür ein, die Bindungsfristen zu verlängern. Es müsse auch ökologisch gebaut werden. „Das sind wir auch den nachkommenden Generationen schuldig.“

Der Tag endete mit vielen spannenden Gesprächen und Diskussionen beim Büffet in lockerer Runde, zu dem auch die Politiker*innen blieben.

Auch das zeigte: Harburgs DGB ist im Stadtteil längst ein gut vernetzter und respektierter Ansprechpartner. Für die kommenden Aufgaben ist die Gruppe bestens gerüstet.


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