Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 27.02.2006

Sogar Fachkräfte erhalten in Hamburg Niedriglöhne unter sieben Euro

DGB Hamburg Mindestlohn muss kommen - aber nicht unter 7,50 Euro/Stunde

Der DGB Hamburg spricht sich für die rasche Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Höhe von mindestens 7,50 Euro aus. Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg: „Dort, wo keine besseren Tarife durchgesetzt werden können, muss es eine untere Reißleine gegen Armutslöhne geben. Gerade in einer teuren Großstadt wie Hamburg kann man sein Leben nicht von 6,50 Stundenlohn bestreiten.“
Niedriglöhne erhielten keineswegs mehr nur un- und angelernte Hilfsarbeiter, sondern auch vollzeitbeschäftigte Fachkräfte mit abgeschlossener Ausbildung, so Erhard Pumm. „Das Tarifniveau mancher Zweige – etwa Friseurhandwerk, Garten/Landschaftsbau oder Bewachungsgewerbe – ist so niedrig, dass man sogar von Niedriglohnbranchen reden kann. Diese Beschäftigten brauchen einen Schutz vor den Fall in die Armut. Mini-Vergütungen drücken zudem auf das gesamte Tarifgefüge und haben damit Auswirkungen auf alle Beschäftigten. Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden.“
Wenn Senator Uldall auf den Niedriglohnsektor (z.B. mittels des Kombilohns) als Sprungbrett für Langzeitarbeitslose in den Ersten Arbeitsmarkt setzt, ignoriere er einige Tatsachen, so Hamburgs DGB-Vorsitzender: „Wenn sogar gut ausgebildete Beschäftigte ohne Vermittlungshandicap in vielen Branchen kaum mehr als einen Niedriglohn erhalten, wie sollen da wohl die Chancen für Menschen aussehen, die dem Arbeitsmarkt lange fern waren?“
Zum anderen belege eine Langzeit-Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB), dass über zwei Drittel der Niedriglöhner auch nach fünf Jahren nach wie vor zu den Geringverdienern zählen, ihnen der Übergang auf besser dotierte Stellen also verwehrt blieb. Das Fazit der IAB-Studie: „Die Aufstiegsmobilität von Niedriglohnbeschäftigten ist in Deutschland im Lauf der letzten zwei Jahrzehnte deutlich zurückgegangen. ...Wenn der beobachtete Trend anhält, dass immer mehr Beschäftigte in der Niedriglohnfalle festsitzen, steht zu befürchten, dass auch ihr Armutsrisiko dauerhaft steigt.“
Die Armutslohnschwelle liegt in Deutschland bei 8,90 Euro pro Stunde oder 1500 Euro Monats-Bruttolohn - das entspricht 50 Prozent des westdeutschen Durchschnittslohns, so das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI).
Einige Hamburger Beispiele für unterste Tarifvergütung (jeweils pro Stunde in Euro)*
Friseurhandwerk: 5,11
Floristik: 5,94
Garten-/Landschafts-/Sportplatzbau: 5,59
Bewachungsgewerbe: 6,10
Feinkeramische Industrie: 6,88
Privates Transport- und Verkehrsgewerbe (Spedition): 6,49
Sanitär-, Heizung, Klimatechnik (unter 19 Jahre): 6,87
Bekleidungsindustrie: 7,38
Brot- und Backwarenindustrie, Verkauf: 7,44
Zeitarbeit (iGZ): 7,00
* Quelle: WSI-Tarifarchiv, Böckler-Stiftung

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