Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 26.09.2006

DGB Hamburg begrüßt Aktion Jobs für Einwandererkinder

Unternehmen in die Verantwortung nehmen!
Der DGB Hamburg begrüßt die Gemeinschaftsaktion „Jobs für Einwandererkinder“
von Abendblatt, HamburgJournal und 90, 3 als einen Weg, auf die verheerende Situation junger Migrant/innen auf dem Ausbildungsmarkt aufmerksam zu machen.
„Es ist gut und wichtig, dass Medien die Ausbildungsplatzmisere und Arbeitslosigkeit Jugendlicher mit Migrationshintergrund in den Focus nehmen“, sagt Hüseyin Yilmaz, Migrationsexperte des DGB Hamburg, Mitglied des Integrationsbeirats und Ausbildungsberater. „Während Zeitung, TV und Radio die Öffentlichkeit dafür sensibilisieren, wie schwer es gerade Hauptschüler bei der Ausbildungsplatzsuche haben, gehen wir Gewerkschaften - beteiligt am 1000-Plätze-Aktionsplan - direkt an die Unternehmen heran und werben dort für mehr Ausbildungsplätze.“
Mit vereinten Kräften könne es vielleicht gelingen, der bisher benachteiligten Zielgruppe* Perspektiven auf dem Ausbildungsmarkt zu verschaffen, so Hamburgs DGB-Migrationsexperte.
Jobs für Ungelernte gibt es immer weniger, und nur ein Bruchteil der Migrantenkinder schafft es an die Uni. Die duale Ausbildung ist deshalb die entscheidende Voraussetzung für spätere Beschäftigung der Menschen mit Migrationshintergrund – doch nur 16 Prozent der Hamburger Unternehmen bilden aus, und nur rund 40 Prozent sind ausbildungsberechtigt. „Diese Zahl gilt es - etwa über Verbundlösungen - deutlich zu erhöhen. Die Betriebe dürfen nicht aus der Verantwortung entlassen werden, sie haben eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, so Hüseyin Yilmaz.
Yilmaz, der seit vielen Jahren auch jugendliche Migrant/innen berät, beobachtet alarmierende Veränderungen: Gingen früher vor allem Jugendliche ohne Schulabschluss und Hauptschulabgänger leer aus bei der Lehrstellensuche, seien es heute zunehmend auch Realschüler.
„Viele junge Leute haben die Schule schon lange verlassen, fanden keinen Ausbildungsplatz und jobben irgendwo, um über die Runden zu kommen. Sie sind oft noch nicht einmal bei der Arbeitsagentur registriert, weil sie resigniert haben. Aber selbst wenn sie dort gemeldet sind, werden sie häufig nicht als Bewerber anerkannt.** Insofern bilden die Statistiken längst nicht das ganze Ausmaß der Ausbildungsnot ab, die Dunkelziffer ist enorm“, berichtet Hüseyin Yilmaz.
„Die berufliche Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist die Zukunftsfrage für Metropolen des 21. Jahrhunderts“, sagte Ole von Beust bereits 2004 in einem Interview.
– Dieser Äußerung kann der DGB Hamburg ausdrücklich zustimmen und hofft, dass Taten folgen.
* Zusammensetzung der Hamburger Schulabgänger mit Migrationshintergrund nach Abschlüssen:
Rund 20 Prozent haben keinen Schulabschluss
Rund 40 Prozent haben einen Hauptschulabschluss
Rund 30 Prozent haben einen Realschulabschluss
Rund 10 Prozent haben Abitur
** So wurden im laufenden Jahr (Stand August 06) von 9286 ratsuchenden Hauptschülern lediglich 2365 als Bewerber anerkannt und zur Vermittlung in die Statistik aufgenommen, unter den Realschülern waren es von 9117 nur 3810.

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