Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 06.05.2003

Am 2. Mai 1933 stürmten SA und SS das Hamburger Gewerkschaftshaus

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Der DGB Hamburg erinnert mit einer Gedenktafel an die furchtbaren Geschehnisse vor 70 Jahren.
An die Fassade des Gewerkschaftshauses Besenbinderhof 60 wurde eine Gedenktafel angebracht mit folgendemText: Vor 70 Jahren am 2. Mai 1933 stürmten SA-,SS- und NSDAP-Mitglieder das Hamburger Gewerkschaftshaus und verhafteten die Vorstandsmitglieder des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB). Durch den Torbogen wurden sie abgeführt. In ganz Deutschland wurden Gewerkschaftsmitglieder verhaftet, verhört, gefoltert und zu Tode geprügelt. Für viele Gewerkschafter begann an diesem Tag ein langer Leidensweg, der durch Gefängnisse und Konzentrationslager führte.
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Ein Augenzeuge über die Besetzung des Gewerkschaftshauses am Besenbinderhof
In einem Interview berichtete Adolf Kummernuss, der 1. Vorsitzende des DGB-Ortsausschusses nach dem 2. Weltkrieg in Hamburg und spätere Bundesvorsitzende der Gewerkschafts Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr: „Das Hamburger Gewerkschaftshaus wurde am 2. Mai 1933 gegen 9 Uhr von SA und SS sowie Pgs (Parteigenossen der NSDAP) in Zivil heimgesucht. Sie fuhren auf mehreren Lastwagen vor. Sämtliche Räume wurden besetzt. Jeder von uns bekam einen Pg als Ablöser. An jedem Fenster stand ein SA-Mann mit entsicherter Pistole in der Hand. Ungefähr nach eineinhalb Stunden mussten alle Gewerkschafts-Angestellten in den großen Saal kommen. Dort sprach der Gauobmann Rudolf Habedank. Er machte in Wohlwollen. Niemand sollte entlassen werden usw. Wir waren, bis auf wenige, ohne jede Illusion. Nach einer knappen Stunde gingen wir wieder in unsere Büros. Niemand durfte das Haus ohne Passierschein verlassen. Revolverbewaffnete SA-Männer hatten sämtliche Türen besetzt.
Inzwischen hatte man alle Vorstandsmitglieder des ADGB Gau Hamburg und Nordwest in Schutzhaft genommen. Ob jung oder alt, sie wurden nach NS-Manier behandelt. Einige wurden zusammengeschlagen, andere mussten mit der Zahnbürste die Treppen des Gewerkschaftshauses sauber machen. Einige mussten etliche Nächte im Gewerkschaftshaus bleiben. Über Misshandlungen und Schikanen unserer Freunde auch in Genossenschaftsbetrieben, wie Alte Volksfürsorge u.a. könnte man Bücher schreiben. Alle unsere Kolleginnen und Kollegen erhielten abends spät Ausweise zum Betreten und Verlassen des Hauses. Bis auf ganz wenige Ausnahmen waren wir alle, einschließlich unserer Kolleginnen Reinmachefrauen, entlassen, und zwar innerhalb von drei bis vier Wochen. Wir mussten zum Stempeln gehen, erhielten Arbeitslosenunterstützung, aber keine Stellenvermittlung. Kurz: Die braunen Machthaber besetzten brutal die Gewerkschaftshäuser, und derjenige, der sich weigerte, mit ihnen zu paktieren, wurde zunächst – bevor Schlimmeres erfolgte – einmal arbeitslos. So auch ich.“


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