Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 24.10.2006

Immer mehr Kinder von Hartz IV betroffen - Dunkelziffer hoch

Zahl der Hamburger Hartz IV-Empfänger stieg im letzten Jahr um 5 432 Personen (+ 2,8 %)
Nach Berechnungen des DGB Hamburg haben in Hamburg im vergangenen Jahr Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften mit Kindern unter 15 Jahren überproportional zugenommen.
Während die Zahl der Bedarfsgemeinschaften in Hamburg insgesamt von 112 440 im September 05 auf 111 239 im September 06 zurückging (-1,1 Prozent)*, gab es im gleichen Zeitraum 3,7 Prozent oder 1157 mehr Bedarfsgemeinschaften mit Kindern unter 15 Jahren (32 403).
Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl aller Personen, die in Hamburg Leistungen nach Hartz IV beziehen, um 5 432 Personen (+ 2,8 Prozent) auf 200 044 an. Damit sind von den rund 1,7 Mio. Einwohnern Hamburgs rund 11,8 Prozent abhängig von dieser staatlichen Transferleistung.
„Es ist erschütternd, sagt Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg, dass ausgerechnet die Jüngsten der Gesellschaft in die Armut hineinwachsen und ihnen damit von vornherein der ,Benachteiligten-Stempel’ aufgedrückt wird. Kinder aus Hartz IV-Familien sind häufig von Möglichkeiten abgeschnitten, die Heranwachsende aus finanziell besser abgesicherten Familien nutzen können – sei es in der Bildung oder der Freizeitgestaltung. Ob man es nun ,Unterschicht’, Prekariat oder sozial benachteiligt nennen will – Tatsache ist, dass immer mehr Menschen von ,vererbter Armut’ betroffen sind, von der sie sich auch bei bestem Bemühen kaum befreien können.“
Und selbst die offiziellen BA-Zahlen decken nicht das ganze Ausmaß der Bedürftigkeit auf: Nach einer aktuellen Studie der Armutsforscherin Irene Becker im Auftrag der Böckler-Stiftung leben bundesweit rund 2,7 Mio. Menschen in verdeckter Armut, nehmen also nicht die ihnen zustehenden Leistungen in Anspruch.
Statt der 7,4 Millionen Menschen, die derzeit Leistungen beziehen, hätten 26,7 Prozent mehr, nämlich 10,1 Millionen ein Recht darauf. Für Hamburg hieße das, dass nicht 200 044 Personen
Hartz IV-bezugsberechtigt sind, sondern sogar 253 455.
Es sind vor allem Geringverdiener und ihre Familien, die ihren Anspruch auf aufstockende staatliche Leistungen nicht wahrnehmen – zum Teil auch aus Unkenntnis. Betroffen sind vor allem gering Qualifizierte, Teilzeitbeschäftigte, die keine volle Stelle finden sowie Familien mit drei oder mehr Kindern. Aber selbst Vollzeiteinkommen schützen nicht immer vor Bedürftigkeit, so die Studie (komplett unter www.dgb-hamburg.de, Rubrik Infomaterial und Tipps).
Die Finanz-, Struktur- und Arbeitsmarktpolitik der vergangenen Jahre habe das Auseinanderdriften von „wenigen oben und immer mehr unten“ verfestigt, so Hamburgs DGB-Vorsitzender. So sei es kein Zufall, dass die Lohneinkommen einen immer geringeren Anteil an den gesamtwirtschaftlichen Einkommenssteigerungen haben, die Gewinneinkommen aber einen immer größeren (Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung).
„Statt des zynischen Geredes über Missbrauch und mangelnde Arbeitsanreize brauchen wir mehr vernünftig entlohnte Beschäftigung und eine Sozial- und Bildungspolitik für mehr ,Schichten-Durchlässigkeit’ “, fordert Erhard Pumm.

* Quelle: Statistiken der Bundesagentur für Arbeit

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