Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 05/24 - 19.02.2024

DGB-Ausbildungsreport 2024 - Moderne Ausbildung & Teilzeit-Ausbildung

Fachkräfte fallen nicht vom Himmel, sondern müssen gut ausgebildet werden. Für den DGB und die DGB-Jugend Hamburg hat die duale Berufsausbildung in unserer Stadt eine hohe Bedeutung.

„Eine qualitativ hochwertige betriebliche Ausbildung ist die wichtigste Grundlage junger Menschen für einen guten Start in das Berufsleben. Die Hamburger Wirtschaft meldet einen erhöhten Fachkräftebedarf und kann auf gut ausgebildete Jugendliche heute wie in Zukunft nicht verzichten. Der diesjährige DGB-Ausbildungsreport zeigt: Die Arbeitgeber*innen müssen wieder mehr ausbilden. Und der Staat muss dort gute Rahmenbedingungen schaffen, wo der Markt versagt“, sagt Tanja Chawla, Vorsitzende des DGB Hamburg.

 „Um dem Fachkräftebedarf etwas entgegenzusetzen, geht es nicht nur um Masse, sondern um Klasse – wir brauchen in Hamburg eine qualitativ gute Ausbildung und klare Übernahmeperspektiven. In Bezug auf die Qualität der Ausbildung stellen wir im Vergleich zu den letzten Erhebungen Verbesserungen fest. Es mangelt aber immer noch daran, den Auszubildenden eine Sicherheit auf einen Arbeitsplatz zu geben. Viele Auszubildende berichten bis ins dritte Ausbildungsjahr von fehlenden Übernahmezusagen – das passt nicht zum Wehklagen der Hamburger Betriebe. Wer Fachkräfte braucht, muss sie gut ausbilden und dann auch eine Perspektive bieten“, so Chawla.

 Der DGB-Ausbildungsreport 2024 basiert auf einer Befragung von insgesamt 1.053 Auszubildenden, die zwischen September 2022 und Juli 2023 stattfand. Seit über zehn Jahren werden im Rahmen des Ausbildungsreports der DGB-Jugend regelmäßig Hamburger Auszubildende befragt. Diese Studie ist einzigartig, da sie den Blick der Jugendlichen auf ihre Ausbildungsbedingungen in den Fokus nimmt.

Wir haben die sieben wichtigsten Fakten des diesjährigen DGB-Ausbildungsreports für Sie zusammengefasst.

Fakt Nr. 1: Fast 15 Prozent der Auszubildenden müssen »immer« oder »häufig« ausbildungsfremde Tätigkeiten ausüben. Bei nur einem Drittel ist das »nie« der Fall.

„Ausbildungsfremde Tätigkeiten stehen dem Lernerfolg der Auszubildenden entgegen und gefährden nicht nur ihren Abschluss, sondern belasten viele Auszubildende und stehen dem qualitativen Ziel, Fachkräfte auszubilden, entgegen. Das Ziel müssen gute Ausbildungsbedingungen mit modernster Ausstattung für alle sein. Eine qualitativ hochwertige Ausbildung bindet die Fachkräfte von morgen – es wird höchste Zeit, dass die Hamburger Betriebe sich das zu Eigen machen“, fordert Wiebke Oetken von der DGB-Jugend Nord.

 

Fakt Nr. 2: Verstöße gegen Berufsbildungsgesetz – Mehr als ein Drittel der Befragten (34,7 Prozent) muss regelmäßig Überstunden machen.

„Mehr als ein Drittel der Auszubildenden, muss regelmäßig Überstunden machen. 19 Prozent der betroffenen Auszubildenden müssen dabei sogar mehr als fünf Stunden pro Woche zusätzlich leisten. Im Durchschnitt leisten Auszubildende vier Überstunden in der Woche. Knapp jede*r Zehnte (9 Prozent) erhält keine Gegenleistung (finanziell oder in Freizeit) für geleistete Überstunden. Wer Azubis Überstunden aufbrummt, verhält sich unverantwortlich. Das sind keine Kavaliersdelikte, sondern Verstöße gegen das Berufsbildungsgesetz und gefährdet die Gesundheit der jungen Generation!“

Fakt Nr. 3: Perspektiven schaffen Sicherheit und binden Fachkräfte

Weit über die Hälfte der Auszubildenden wusste zum Zeitpunkt der Befragung nicht, ob sie im Anschluss an ihre Ausbildung von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen werden. Selbst im dritten Ausbildungsjahr hatten fast die Hälfte der Befragten (45 Prozent) der befragten Auszubildenden keine Information darüber, ob sie in ihrem Betrieb weiterbeschäftigt werden.

Wiebke Oetken von der DGB-Jugend Nord: „Eine gute duale Berufsausbildung schafft eine enge Verbindung zwischen Arbeitsmarkt und Bildungssystem. Sie ist ein Garant für die im europäischen Vergleich niedrige Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland. Doch trotz guter Zahlen im europäischen Vergleich: Der Start in das Arbeitsleben ist für die angehenden Fachkräfte kein Selbstläufer. Viele Auszubildende haben Schwierigkeiten, in den Arbeitsmarkt zu starten. Auszubildende mit Übernahmezusage werden zu 24,6 Prozent nur befristet eingestellt - zumeist auf höchstens ein Jahr. Wir fordern eine unbefristete Übernahme aller Auszubildenden!“

 

Fakt Nr. 4: Mehr als jede*r Vierte (26,7 Prozent) bewertet die Vorbereitung auf die Digitalisierung durch den Betrieb nur mit »ausreichend« oder sogar »mangelhaft«.

Nur gut vier von zehn (42,1 Prozent) der Auszubildenden sieht sich durch den eigenen Ausbildungsbetrieb »sehr gut« oder »gut« auf die Anforderungen der Digitalisierung im künftigen Beruf vorbereitet. Mehr als jede*r Vierte (26,7 Prozent) bewertet die Vorbereitung auf die Digitalisierung durch den Betrieb nur mit »ausreichend« oder sogar »mangelhaft«.

„Eine gute Vorbereitung auf die Anforderungen der Digitalisierung gehört zu einer qualitativ hochwertigen fachlichen Ausbildung im Betrieb. Wenn technische Geräte wie beispielsweise Laptops von Ausbildungsbetrieben einfach vorausgesetzt werden, sehen wir ein großes Einfallstor für soziale Ungleichheit im Zugang zu einer modernen und digitalen Ausbildung. Leider bekommen nur 37 Prozent der Auszubildenden »immer« oder »häufig« die benötigten technischen Geräte für eine digitale Ausbildung zur Verfügung gestellt. Etwas mehr ein Viertel der Auszubildenden (28,6 Prozent) gibt sogar an, die benötigten Geräte »nie« zu erhalten“, erklärt Oetken.

 

Fakt Nr. 5: Nur 1,3 Prozent der befragten Auszubildenden absolvieren eine Teilzeit-Ausbildung in Hamburg.

„Zwar gaben ein Drittel (33,6 Prozent) aller Befragten an, dass sie ihre Ausbildung gerne in Teilzeit durchführen würden, allerdings war nur drei von zehn Auszubildenden überhaupt bekannt, dass die Möglichkeit eine Ausbildung in Teilzeit zu machen überhaupt besteht. Die Teilzeitausbildung bietet sowohl jungen Menschen als auch Unternehmen ein flexibles Instrument, um Ausbildung bedarfsgerecht an der Lebensrealität der Auszubildenden, beispielsweise bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ausrichten zu können. Hier besteht also erheblicher Nachholbedarf sowohl bei den Unterstützungsangeboten selbst als auch in der Öffentlichkeitsarbeit, um das Fachkräftepotenzial in unserer Stadt zu heben“, so Oetken.

 

Fakt Nr. 6: Nur noch 15,5 Prozent der Hamburger Betriebe bilden aus. Hamburg ist damit Schlusslicht der westdeutschen Bundesländer.

„Nachdem im Ausbildungsjahr 2019/20 der stärkste Rückgang der Ausbildungszahlen in Hamburg seit mindestens Anfang der 1990er Jahre verzeichnet werden musste, steigt die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Jahr 2023 mit 11.918 Ausbildungsverträgen erstmals wieder an. Dies kann jedoch nicht über den negativen Langzeittrend hinwegtäuschen: Vergleicht man die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge des Jahres 2022 mit der des Jahres 2008, so zeigt sich ein Rückgang um fast 25 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Ausbildungsbetriebsquote der Hamburger Betriebe. Hamburg weist seit Jahren eine rückläufige Ausbildungsbeteiligung der Betriebe auf und bleibt mit einer Ausbildungsbetriebsquote von 15,5 im Jahr 2021 Schlusslicht der westdeutschen Bundesländer“, sagt Wiebke Oetken von der DGB-Jugend Nord.

Fakt Nr. 7: Der Staat muss da eingreifen, wo der Markt versagt – Es braucht einen umlagefinanzierten Zukunftsfonds!

„Die Hamburger Wirtschaft zeigt seit Jahren, dass sie ihrer Verantwortung und ihrem Versprechen, ausreichend Fachkräfte auszubilden, ohne den nötigen politischen Druck nicht nachkommt. Deshalb fordern wir einen umlagefinanzierten Zukunftsfonds, der die Ausbildungskosten endlich gerechter auf alle Betriebe verteilt und eine moderne Infrastruktur für die Ausbildung schafft. So kann die Trendwende gelingen“, so Oetken.

Beispiel: Bauhauptgewerbe. (https://wap.igmetall.de/umlagefinanzierung-in-der-bauwirtschaft-erweitert-11068.htm)

 

 

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