Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 16.09.2005

Lebenslanges Lernen darf keine Floskel bleiben

Abschlusskonferenz des DGB-Projektes LeA (Leben und Arbeiten)

Der DGB-Bundesvorstand hat deshalb mit dem Projekt LeA Unternehmen und Arbeitnehmern das Angebot gemacht, gemeinsam neue Wege der weiterbildungsbezogenen Zusammenarbeit zu gehen.
Heute wurden in Hamburg auf der Abschluss-Tagung die Ergebnisse aus den drei Projektjahren anhand konkreter Praxisbeispiele verdeutlicht. Hamburg bildete mit der Beteiligung von zehn Betrieben (fünf aus dem Bereich Gesundheit/Pflege, fünf aus der Metallbranche) die Schwerpunktregion des bundesweiten Projekts.
Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg: „Die Notwendigkeit, sich beruflich weiterzubilden, nimmt für Arbeitnehmer/-innen aller Qualifikationsniveaus zu. Von ihnen wird immer stärker verlangt, dass sie sowohl die ,richtigen’ Fachqualifikationen als auch neue Kompetenzen wie Selbstmanagement und Selbstorganisation erwerben sollen. Ein Ansatz, der sich ausschließlich auf das Kompensieren aktueller Qualifikationsdefizite konzentrieren würde, ginge an den Anforderungen einer dynamischen Arbeitswelt vorbei.“ Bildungscoaching hat den Anspruch, die Fähigkeit zum Lebenslangen Lernen zu unterstützen und die Beschäftigungsperspektiven bis zur Rente zu verbessern.
Die Auswertung des Projekts LeA zeigt es: Firmen, die an dem Projekt teilgenommen haben, wissen das Bildungscoaching von außen zu schätzen. Es ist für Mitarbeiter und Betrieb gleichermaßen nützlich: Kompetenzen, Motivation und Selbstvertrauen der Beschäftigten werden gesteigert, Arbeitsabläufe und -ergebnisse optimiert. Das funktioniert sowohl in Betrieben mit An- und Ungelernten als auch in Firmen mit Hochqualifizierten, in großen wie in kleinen Unternehmen.
Dr. Georg Thiessen, Vorstandsmitglied bei der Medizintechnik-Firma MABAG (acht feste, sechs freie Mitarbeiter) über seine Erfahrungen mit LEA: Niemand kann alles wissen. Wir haben Techniker und Ingenieure beschäftigt, die fachlich sehr gut sind, aber während ihrer Ausbildung nicht viel von Marketing und Kundenumgang vermittelt bekamen. Diese Fähigkeiten sind bei uns zunehmend gefragt, wir brauchen verstärkt das Wissen in der Breite. Nur: Wie kommt es an, wenn ein Chef seinen Mitarbeiter auf Defizite hinweist? Bei der jetzigen Arbeitsmarktlage fürchtet der Arbeitnehmer sofort, dass sein Job in Gefahr ist, weil er offenbar Defizite hat. Wird aber der Weiterbildungsbedarf in der Gruppe, in der Gemeinschaft der Kollegen mit Hilfe eines Unabhängigen von außen erkannt und in konkrete Zielvereinbarungen umgesetzt, sind alle motiviert - ohne die Angst um Konkurrenz oder Versagen. Und genau das ist bei uns geschehen. Nach der Stärke/Schwäche-Analyse in Gruppen und Einzelgesprächen wurde herausgefunden, welche Weiterbildung für wen geeignet ist. Und die haben wir dann zügig umgesetzt, wobei wir als Firma die Kosten übernahmen und ihn zum Teil freigestellt haben. Allerdings mussten die Mitarbeiter auch etwas ,investieren’: Für die Hälfte der Weiterbildung setzten sie Urlaubstage ein. So haben sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer etwas zu dem Projekt ,Lebenslanges Lernen’ beigetragen. Die Resultate sind überzeugend und wir werden diesen Prozess weiterführen.“
In der Firma Dolmar (hier werden Motorsägen hergestellt, über 400 Mitarbeiter) wurde LEA über den Betriebsrat in das Unternehmen gebracht. Nach anfänglicher Skepsis waren schließlich alle Mitarbeiter zur Teilnahme bereit. Betriebsratsvorsitzender Hans-Joachim Platt über seine Erfahrungen: „Am Anfang stand die Botschaft: Um am Markt weiterhin bestehen zu können, brauchen wir Produkte guter Qualität und optimierte Arbeitsprozesse. Früher gab es bei uns die sog. Einstückarbeit, was der Tätigkeit von einer Minute am Band entsprach. Doch die Arbeitsvorgänge sind komplexer geworden, so dass jeder Mitarbeiter inzwischen an einem Teil 15 bis 20 Minuten arbeitet. Dafür sind aber auch vertiefte Kenntnisse erforderlich. Zunächst wurde den Mitarbeitern verdeutlicht, wie heute das Anforderungsprofil für ihren Arbeitsplatz aussieht, um es dann abzugleichen: Wo liegen die Defizite bei jedem einzelnen? Wie kann man sie abdecken? Nach sieben Meetings in Kleingruppen wurde dann ein Schulungsbedarfsplan erstellt, der in Kürze abgearbeitet wird. In diesem Unternehmen wurde extra eine Planstelle geschaffen für Qualifizierung und Prozessbegleitung. Damit ist sicher gestellt, dass die Kenntnisse dem Unternehmen erhalten bleiben, auch wenn es mal einen Wechsel in der Belegschaft gibt. Verlässt jemand die Firma, kann er dem Nachfolger bestenfalls sein Wissen übermitteln. Das führt häufig zu Übertragungsverlusten. Nun fragen wir: Was muss der Mitarbeiter an jedem Arbeitsplatz wissen? Das wird strukturiert festgehalten und der Neue darin geschult. Das ist eine Daueraufgabe.“
„Berufliche Weiterbildung wird zwar verlangt, aber Arbeitgeber fördern sie zu selten“, so Hamburgs DGB-Vorsitzender, „hier muss ein Umdenken im eigenen Interesse stattfinden.“ 2003 nahmen lediglich 26 Prozent aller Deutschen zwischen 19 und 64 Jahren an Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung teil. 1997 waren es noch 30 Prozent.
Pumm: „Das Schlagwort ,Lebenslanges Lernen’ darf keine hohle Floskel bleiben. Positive Beispiele zur konkreten Verankerung des Rechts auf Weiterbildung in den Betrieben sind Tarifverträge, wie sie die IGBCE und die IG Metall schon vereinzelt abgeschlossen haben.“
Das Angebot Bildungscoaching hilft auf der betrieblichen Ebene dabei, individuell passgenaue Strategien des Kompetenz- und Qualifikationserwerbs zu entwickeln und umzusetzen“, erlaäutert Erhard Pumm.
Die Qualifizierung „Bildungscoaching“ wird u.a. in Hamburg vom Berufsfortbildungswerk/maxQ angeboten. Zielgruppe sind Berater, Ausbilder und Personaler, aber auch Betriebsräte. In ihrer Tätigkeit sind Sie am häufigsten mit Problemen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes (74 %) und Fragen der Weiterbildung (66 %) beschäftigt, ergab die Betriebsrätebefragung 2004/2005 des WSI.

Das Projekt LeA hat der DGB-Bundesvorstand in Kooperation mit dem Berufsfortbildungswerk Hamburg (bfw) und dem Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation durchgeführt. Gefördert wurde LeA vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Weitere Informationen unter www.dgb-lea.de

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