Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 03.03.2006

Einstiegsqualifizierungen für Jugendliche ohne Lehrstellen:

Nur 280 von 562 Plätzen besetzt – vor allem im Dienstleistungsbereich
Das sog. Einstiegsqualifizierungsjahr, das als Maßnahme im Rahmen des nationalen Ausbildungspaktes im Sommer 2004 die Trendumkehr auf dem Ausbildungsstellenmarkt herbeiführen sollte, wird in Hamburg wenig genutzt, kommt ausgerechnet schwächeren Schulabgängern nicht zu Gute und wird vor allem im Bereich Dienstleistungen eingesetzt, teilt der DGB Hamburg mit.
Derzeit gibt es nach Informationen des DGB Hamburg 562 Einstiegsqualifikations-Plätze im Bereich der Handwerks- und Handelskammer, davon sind jedoch nur 280 Plätze besetzt.
„Nachdem die Kammern die EQJ als Instrument bejubelt haben, leer ausgegangenen Ausbildungsplatzbewerbern einen Einstieg in den Beruf zu bieten, ist es schon erstaunlich, dass bisher nicht einmal die Hälfte der vorhandenen Plätze besetzt wurde“, so Olaf Schwede, Vorsitzender der DGB-Jugend Hamburg. Zudem lasse die auffällige Häufung der Plätze im personalintensiven und schlecht bezahlten Dienstleistungsbereich wie Gastronomie darauf schließen, dass Jugendliche vielfach als billige Arbeitskräfte ausgenutzt werden.
Olaf Schwede: „Wir befürchten, dass diese aus Steuergeldern und Sozialversicherungsbeiträgen finanzierten Maßnahmen sogar betriebliche Ausbildungsplätze verdrängen könnten, weil die Unternehmen lieber auf die konkurrenzlos günstigen EQJ zurückgreifen, anstatt reguläre Lehrstellen zu schaffen.“
Nach Auswertungen der Bundesagentur für Arbeit sind Gewinner des Pakt-Programms eher auf der Seite Arbeitgeber zu finden, denen keinerlei direkte Kosten für die EQJ entstehen und die auf diese Weise einen potenziellen Azubi länger „prüfen“ und als Arbeitskraft nutzen können, ohne dass die Teilnehmer einen ausbildungsadäquaten Status hätten.
Zudem geht die Maßnahme an der Zielsetzung vorbei, besonders schwachen Schulabgängern einen Weg in die betriebliche Ausbildung zu ebnen: Ausgerechnet die jungen Leute ohne Schulabschluss sind in dem EQJ-Programm nur mit einem Prozent der Teilnehmer vertreten (im Jahr 04/05). Laut Bundesagentur für Arbeit haben 47 Prozent der Teilnehmer einen Hauptschulabschluss, 45 Prozent einen Realschulabschluss und sieben Prozent sogar die Hochschulreife.
Olaf Schwede. „EQJ dienen weniger der Vermittlung von Einstiegsqualifikationen, die dann in die Ausbildungsreife münden, sondern sind eher staatlich finanzierten Praktika-Programme. Sie sind ein weiterer Baustein im Maßnahmendschungel, das kein Mittel zur Verkürzung der sog. Warteschleifen darstellt. Entsprechend groß ist die Zahl der ,Altbewerber`, die nach Ende der Maßnahme mit ,frischen` Schulabgängern um eine Ausbildung konkurrieren.“

Der DGB Hamburg fordert, dass sich die Hamburger Bildungssenatorin Dinges-Dierig endlich ernste Gedanken macht über sinnvolle regionale Angebote, um schwachen Schülern eine vollwertige betriebliche Ausbildung zu ermöglichen. Gleichzeitig appelliert der DGB Hamburg an die Unternehmen, nicht auf Mitnahmeeffekte zu setzen, sondern aus eigener Verantwortung und Kraft in Ausbildung und damit in die Zukunft zu investieren.

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