Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 02.11.2004

Hintergrundinfos Thema ZEIT zur DGB-Rathausmarkt-Aktion

Ach Du liebe Zeit
Wo ist bloß die Zeit geblieben?
 Männer verbringen 33 % der Tagesstunden im Beruf, nehmen sich 16 % der Tagesstunden Zeit für die Partnerschaft, 15 % für Familie und Kinder, 14 % für Hobby 13 % für die Hausarbeit und haben 9 % der Tagesstunden Zeit für sich. 7,3 Stunden schlafen die Männer im Durchschnitt.
 Frauen bringen 31 % der Tagesstunden für die Familie und die Kinder auf, jeweils 19 % für Hausarbeit und Beruf, jeweils 11 % für den Partner und sich selbst sowie 9 % für ihr Hobby. Frauen schlafen rund 7,9 Stunden.
 - 11 Prozent der Frauen und Männer nehmen Zeitabläufe als etwas ?Schicksalhaftes? hin, haben also eine passive Haltung zur Zeit
 zwei Drittel der Befragten haben eine positive Einstellung zur Zeit
(Quelle: Umfrage Gesundheitsamt Saarbrücken)
Wir brauchen eine Zeitenwende!
Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg:
?Die Menschen sollten sich wieder mehr Zeit nehmen für ihre Kinder, ihren Partner, ihre Großeltern, fürs Ehrenamt, für Nachbarschaftshilfe ... lautet allerorten der Appell. Das klingt gut und wäre auch wünschenswert. Doch in Zeiten von Arbeitsverdichtung, Ausdehnung der Arbeitszeit, Zunahme von (unbezahlten) Überstunden stehen diese Wünsche oft im Kontrast zum Machbaren. Wie sollen stabile Beziehungen zu Freunden und Familie aufrecht erhalten oder gar verstärkt werden, wenn Arbeitnehmer unter dem Stichwort Flexibilisierung und Mobilität aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen werden, nicht selten wie moderne Nomaden von einem Job zum nächsten, von einer Stadt in die nächste ziehen müssen? Wenn sie gezwungen werden, immer häufiger auch am Wochenende oder bis spät in die Nacht hinein zu arbeiten, weil es moderne Arbeitsgesellschaften im Zeitalter der Globalisierung, Arbeitsabläufe und Auftragslage nun mal erfordern, wie Arbeitgeber gerne behaupten? ? Wir Gewerkschaften wollen eine ?Zeitenwende?. Lebensqualität hat direkt mit Zeit zu tun. Zeitwohlstand ist erreicht, wenn wir über die eigene Zeit selbst bestimmen können, wenn wir Zeit haben für uns und andere Menschen, für Beziehungen und Bindungen.
Nehmen wir uns die Zeit, über die Bedeutung der Zeit nachzudenken!?
Man braucht Zeit für seine Kinder!
 52 % der Befragten einer Studie des WSI zum Thema Familienfreundliche Betriebe sagen, dass Sonntagsarbeit nicht gut vereinbar mit Familie und Freizeit sind (Quelle: AN-Befragung ?Familienfreundlicher Betrieb? 2003 WSI)
 Skandinavische Männer verbringen mehr Zeit mit ihren Kindern. 50 % von ihnen nehmen Erziehungsurlaub. Zeitschrift Führung und Organisation, Heft 03, Jahrgang 2004)
 Nur 40 % aller deutschen Eltern nehmen sich die Zeit mit ihren Kindern über deren schulischen Leistungen zu reden. In Italien sind dass immerhin 60 %! (Pisa Studie 2003)
 -Väter sprechen täglich durchschnittlich 20 Minuten mit ihren Kindern, Mütter 48 Minuten (Quelle: Umfrage Gesundheitsamt Saarbrücken)
 Schon im Kindergarten gelten 25% der Kleinkinder als auffällig. Dies wird laut der PISA-Studie auf einen Mangel an intensiven persönlichen Gesprächen zwischen Eltern und Kindern zurückgeführt
Wir brauchen alle Zeit zur Erholung!
 Jeder dritte Bundesbürger hat weniger als 3 Stunden täglich freie Zeit zur Verfügung (laut B.A.T. Freizeitforschungsinstitut 2004)
 für mehr als die Hälfte der Frauen und Männer beginnt der Feierabend frühestens um 19:00h Uhr (laut B.A.T. Freizeitforschungsinstitut 2004)
 Insgesamt nutzen Männer Urlaub eher dazu, einen Aktivurlaub zu machen und körperlich in Form zu bleiben, während Frauen Dinge tun, für die sie im Alltag keine Zeit aufbringen können. Ruhe und Entspannung oder Urlaub zum Relaxen bevorzugte nur jede zwölfte Frau. Interessanterweise steht die Familie im Urlaub erst an sechster Stelle. Urlaub wird danach mehr zur persönlichen Bedürfnisbefriedigung genutzt.
Ausschlaggebend für die Urlaubsplanung ist der Familienstand, wobei es hier Unterschiede in den Geschlechtergruppen gab. Während zwei Drittel der verheirateten Männer am liebsten verreisten, gab dies jedoch nur ein Drittel der verheirateten Frauen an. Der Freundeskreis wiederum war bei den ledigen Männern genauso wichtig wie die Familie. Geschiedene Personen machten fast dreimal so häufig keinen Urlaub wie ledige Und doppelt so viel Männer wie Frauen verbrachten den Urlaub zu Hause.
Man braucht Zeit, um miteinander zu reden
 die ?Kommunikationszeit? der Befragten verteilt sich so: Auf den Partner entfallen 34 % , Kinder 13 %, Eltern 9 %, Verwandte 8 %, Freunde 18 %, Bekannte 10 %
 Frauen haben ein größeres ?Kommunikationsbedürfnis? als Männer: Sie reden täglich im Schnitt 5,1 Stunden, Männer nur 3,84 Stunden.
Man braucht heute immer mehr Zeit, um den Alltag zu organisieren
 58 % der Frauen klagen über Zeitnot; insbesondere beim Einkaufen wirkt sich das aus: Es wird vermehrt auf Vorrat eingekauft oder es landen Fertiggerichte im Einkaufswagen. (Marktforschungsinstitut GfK, veröffentlicht Badische Zeitung 09.07.2004)
Arbeit kostet Zeit
 Die Deutschen verbringen durchschnittlich 17 Stunden pro Woche mit bezahlter Arbeit, 25 Stunden mit unbezahlter Arbeit, dabei ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern erheblich: Während Frauen 31 Stunden wöchentlich unbezahlt arbeiten, sind es bei den Männern nur 19,5 (bezahlte Arbeit: 12 Stunden Frauen, 22,5 Stunden Männer). Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden, 2003
Zeit ist Geld?
 Eine eher materielle Haltung äußern 10% der Befragten, wobei es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Nur jede 14te Frau gewinnt der Zeit eine materielle Bedeutung ab, aber jeder 6te Mann. Einerseits spiegelt sich hier auch die unterschiedliche metaphysische Beziehung zur Zeit wieder. Andererseits wirkt sich auch die Rollenverteilung deutlich aus. Männer sehen in der Zeit eher einen geldwerten Vorteil. Die Losung ?Zeit ist Geld? ist danach eine männliche Konnotation.

Zeitnot macht krank
 - 37,6 Prozent der weiblichen und 44,4 Prozent der männlichen Befragten leiden unter Zeitnot.
 85 % der Frauen und 83 % der Männer reagieren darauf mit Unruhe und Nervosität
 - jeweils ein Drittel der Befragten wird dadurch aggressiv
(Quelle: Umfrage Gesundheitsamt Saarbrücken)


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