Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 25.06.2006

DGB Hamburg zur Einführung der Studiengebühren:


Heißt es für Arbeiterkinder künftig an den Unis: „Wir müssen draußen bleiben“?
Mit der 2. Lesung am 28. Juni will die CDU-Regierung die Einführung von Studiengebühren für Hamburg endgültig beschließen. Diese massive Verteuerung der Hochschulausbildung wird zu einem weiteren Rückgang Studierender aus sozial schwächeren Familien führen, kritisiert der DGB Hamburg appelliert an den Senat, wenigstens für eine ausreichende soziale Abfederung zu sorgen.
Schon heute hängt es stärker vom Bildungsgrad und der sozialen Situation der Eltern als von den Noten ab, ob sich ein Abiturient an der Hochschule einschreibt oder nicht, belegt die Pilotstudie des Hochschul-Informationssystems*. So waren mindestens 86 Prozent der Studienberechtigten aus dem Jahr 2005 geneigt, ein Studium aufzunehmen, von denen ein Elternteil einen Uni-Abschluss hat, aber nur 67 Prozent der Abiturienten, deren Eltern eine Lehre gemacht haben.
Die 17. Erhebung des Deutschen Studentenwerks zeigt, dass die Anzahl der Studierenden aus bildungsfernen Schichten seit den 80ern kontinuierlich sinkt. So betrug der Anteil der Studierenden geringer sozialer Herkunft 1982 noch 23 Prozent, während er bis zum Jahr 2003 auf 12 Prozent sank. Im gleichen Zeitraum nahmen die Studierenden aus der Oberschicht von 17 Prozent auf 37 Prozent zu.
„Diese Entwicklung wird durch ein Bezahlstudium weiter verschärft, Studiengebühren sind deshalb abzulehnen, wenn man nicht weite Teile der Gesellschaft von der Teilhabe an Bildung ausschließen will“, erklärt Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg. „Rund 80 Prozent der Studierenden jobben – gerade diejenigen, die keine Unterstützung von der Familie erhalten, arbeiten für die blanke Existenzsicherung. Doch neben dem Lebensunterhalt nun auch noch die jährlich rund 1500 Euro für ein Studium zu erwirtschaften, ist fast unmöglich. Besonders die neuen Master/Bachelor-Studiengänge sind stark komprimiert und lassen wenig Zeit für Jobs nebenher.“
Auch die Abschaffung des Kindergeldes für über 25jährige Kinder in der Ausbildung bedeute eine zusätzliche finanzielle Belastung, die besonders Kinder aus ärmeren Familien vom Studium abschrecken könnte, kritisiert Hamburgs DGB-Vorsitzender. Zwischen 25 bis 27 Jahren befinden sich die Studierenden in der Examensphase. Gerade dann ist ein Studi-Job nebenher kaum zu schaffen, und die Finanzierungslücke kann zu einer Verlängerung des Studiums führen.
Erhard Pumm: „Vor diesem Hintergrund ist der CDU-Senat in der Verantwortung, die sozialen Schieflagen nicht noch zu befördern. Wir erwarten, dass mindestens Bafög-Empfänger, chronisch kranke und finanziell bedürftige ausländische Studierende von den Gebühren befreit werden und auch die ehrenamtliche Tätigkeit Studierender berücksichtigt wird.“
*Pilotstudie: Studierbereitschaft, Berufsausbildung und Bedeutung der Hochschulreife
Ergebnisse der ersten Befragung der Studienberechtigten 2005 ein halbes Jahr vor Schulabgang

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