Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 17.02.2003

Zahl der unbezahlten Überstunden nimmt zu!

„Zahl der Überstunden fällt auf Rekordtief“ – so titelte die WELT am 17. Februar und erweckt damit den Anschein, als wäre die (Arbeits-) Welt in Ordnung. Doch das ist sie keineswegs.
Rund 13 Prozent der abhängig Beschäftigten leisten bezahlte Überstunden, Männer mehr als Frauen, höher Qualifizierte mehr als Geringqualifizierte, Beschäftigte in den neuen Bundesländern mehr als in den alten. So die Statistik.
„Es mag zwar stimmmen, dass die bezahlten Überstunden zurückgegangen sind, doch das ist nur die halbe Wahheit“, sagt Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg. „Denn in fast allen Branchen ist unbezahlte Mehrarbeit an der Tagesordnung. Da jedoch nur die bezahlten Überstunden registriert werden, gibt diese Darstellung ein verzerrtes Bild von der Wirklichkeit wider.“
Flexible Arbeitszeiten sind inzwischen sehr verbreitet, so dass die offiziellen Überstundenzahlen zurückgehen. Mit dem Instrument der „Arbeitszeitkonten“ etwa können Firmen sofort auf schwankende Auftragslagen reagieren. 29 Prozent aller Unternehmen in Deutschland und sogar 82 Prozent aller Großbetriebe führen Arbeitszeitkonten für ihre Beschäftigten. Sie sind Bestandteil betrieblicher Vereinbarungen, die mit Betriebsräten abgeschlossen werden. Doch in kleineren Firmen gibt es häufig keine Betriebsräte, die auf die Einhaltung der Regeln achten, so dass dort angesparte Zeitguthaben häufig verfallen und damit zu unbezahlten Überstunden werden.
„In vielen Unternehmen aus dem Bereich ,neue Medien‘ sind unbezahlte Überstunden usus. Und sie werden von den Beschäftigten häufig stillschweigend akzeptiert“, sagt Erhard Pumm. In einem großen Hamburger Betrieb etwa wurde das Zeiterfassungssystem (Karte stempeln) durch die sogenannte „Vertrauensarbeitszeit“ ersetzt. Doch die vermeintliche Freiheit der Arbeitszeitgestaltung erweist sich häufig als Bumerang: Die Beschäftigten bekommen einen knappen Zeitrahmen für einen Auftrag gesetzt – wie sie bis zum Abgabetermin die Arbeit schaffen, ist ihr Problem und in der Regel mit unbezahlten Überstunden verbunden.
Dass aus dieser permanenten Dauerbelastung physische und psychische Krankheiten resultieren, haben Arbeitsmediziner längst belegt, doch konkrete Zahlen dazu sind Mangelware. Denn die Betroffenen selbst mögen – oft aus Angst vor Jobverlust – ihre Krankheiten nicht auf die Arbeitsbedingungen zurückführen oder sich gar beim Arbeitgeber beschweren.
„Statistiken über zurückgehende Überstundenzahlen sind also nicht aussagekräftig“, betont Erhard Pumm, „die neuen Arbeitszeitformen verursachen jede Menge versteckter Mehrarbeit.“

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