Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 07.03.2006

Bezahl-Studium ist Gift für Chancengleichheit in der Bildung

Der heute vom Senat beschlossene Entwurf zum Studienfinanzierungsgesetz zur Einführung von Studiengebühren wird den Zugang zur Hochschulbildung für sozial Schwächere noch weiter verschlechtern, kritisiert der DGB Hamburg.
„Studiengebühren sind zusätzliches Gift für die Chancengleichheit in der Bildung, auf die dieser Senat angefangen bei der KITA offenbar durchgängig durch alle Altersstufen keinen Wert legt“, sagt Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg.
80 Prozent der Hamburger Uni-Gänger müssen heute bereits neben dem Studium arbeiten, um finanziell über die Runden zu kommen. Um demnächst für die Studiengebühr, den (noch nicht mal erlassenen) Verwaltungskosten- und den Semesterbeitrag aufkommen zu können, drohe der Job zur Hauptbeschäftigung zu werden, das Studium nur noch nebenbei stattzufinden.
„Da ist auch das Darlehen kein Trost“, so Erhard Pumm. „Hier verdienen Kreditinstitute - abgesichert gegen möglichen Rückzahlungsausfall - an den jungen Menschen, die sich Wissen für ihr Berufsleben aneignen wollen. Bis zu fünf Prozent Verzinsung sind nicht wenig!“
Die Einkommensgrenze für die Stundung der Darlehensrückzahlungen ist zu niedrig angesetzt, kritisiert der DGB Hamburg. Wer etwa im Anschluss an das Studium einen Teilzeitjob als Sozialpädagoge bekommt, liegt u.U. nur knapp über der Grenze von rund 12720 Euro und muss davon dann nicht nur seinen Unterhalt, sondern auch die Rückzahlungen finanzieren.
Noch mehr Schulabgänger aus einkommensärmeren und bildungsfernen Familien werden sich künftig gegen eine akademische Laufbahn entscheiden, befürchtet der DGB Hamburg. Viele wollen sich nicht mit einem Schuldenberg auf einen mittlerweile auch für Uni-Absolventen unsicheren Arbeitsmarkt stürzen. Und in der Regel sind Eltern mit geringerer Bildung finanziell schneller abgepolstert und können ihrem Nachwuchs kaum unter die Arme greifen.
Nach einer Pilotstudie des Hochschulinformationssystems* hängt es mehr vom Bildungsgrad der Eltern als von den Noten ab, ob sich ein Abiturient an der Hochschule einschreibt oder nicht.
So waren mindestens 86 Prozent der Studienberechtigten aus dem Jahr 2005 geneigt, ein Studium aufzunehmen, von denen ein Elternteil einen Uni-Abschluss hat, aber nur 67 Prozent der Abiturienten, deren Eltern eine Lehre gemacht haben. Auf ein Studium verzichten wollten 19 Prozent der Studienberechtigten, deren Eltern eine Lehre absolviert haben, aber nur acht Prozent der Kinder mit hochschulgebildeten Eltern.
31 Prozent der Studienberechtigten in Hamburg wollten sich 2005 auf keinen Fall bei Uni einschreiben, so die Studie. Damit gehört die Hansestadt zum oberen Drittel der Bundesländer mit der höchsten Studien-Verzicht-Quote. In Bremen wollten etwa nur 19 Prozent der Studienberechtigten kein Studium antreten.
Erhard Pumm: „Diese Studien-Zurückhaltung könnte dem von Wissenschaftssenator Dräger besonders vorangetriebenen Vorstoß zur Einführung von Studiengebühren geschuldet sein. Doch wir brauchen künftig immer mehr gut ausgebildete Arbeitnehmer. Ein Bezahl-Studium steht dem entgegen.“
*Information des Hochschulinformationssystems HIS November 2005, A16/2005
Studienberechtigte 2005
Pilotstudie: Studierbereitschaft, Berufsausbildung und Bedeutung der Hochschulreife
Ergebnisse der ersten Befragung der Studienberechtigten 2005 ein halbes Jahr vor Schulabgang

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