Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 28.06.2006

Betriebliche Ausbildung nur noch für eine Minderheit


- Fast 55 Prozent der Azubis in "Warteschleifen"
Die duale Ausbildung (also reguläre Ausbildungsplätze in Betrieben) steht in
Hamburg seit Jahren nur noch für eine Minderheit der Jugendlichen zur
Verfügung, kritisiert die DGB Jugend Hamburg und fordert den Senat angesichts
der strukturell schwierigen Lage auf, diesem Trend zügig entgegen zu wirken.
Die DGB-Jugend Hamburg erstellte auf Basis der Schülerzahlen der beruflichen
Schulen eine Berechnung über das Verhältnis Ausbildungsplätze im dualen
System - Plätze in Warteschleifen.
Das Ergebnis: Der Anteil der Azubis, die im Schuljahr 2005/2006
im dualen System eine Lehre begannen sank auf nur noch 46,8 Prozent.
53,2 Prozent gingen im selben Jahr in ein Angebot der Berufsfachschulen oder Berufsvorbereitung.
So standen 10 813 Auszubildende in regulären Lehrstellen 12.278 Jugendlichen in
schulischen Überbrückungsangeboten gegenüber. Im Schuljahr 2004/2005 lag der
Anteil der Jugendlichen in der dualen Ausbildung noch bei 47,8%.
Olaf Schwede, Vorsitzender der DGB-Jugend Hamburg: "Diese Zahlen belegen,
dass immer weniger Jugendlichen eine Chance in der dualen Ausbildung eröffnet
wird. Seit mehreren Jahren kommen in Hamburg pro Jahrgang mehr Jugendliche in
Warteschleifen als auf einen regulären Ausbildungsplatz. Nach spätestens ein
oder zwei Jahren stehen die Jugendlichen ohne ,echte' Lehre jedoch wieder
ausbildungsplatz-suchend auf der Straße. Das Problem wird also permanent
verschoben - auf Kosten der Jugendlichen, denen der Einstieg ins Berufsleben
massiv erschwert wird und der Steuerzahler, die diese Warteschleifen
bezahlen."
Für 2006/2007 sei nicht zu erwarten, dass sich der Trend umkehren werde,
so Olaf Schwede. Wie in den vergangenen Jahren würden zu viele Jugendliche
mit den Warteschleifen vertröstet.
Die Situation ist nach Angaben der Agentur für Arbeit weiter schwierig;
die Ausbildungsplätze reichen insgesamt nur für einen kleinen Teil der
potentiell Interessierten.
Aber die Jugendlichen finden sich nicht einfach ab mit der Lehre "zweiter
Klasse" - 77 Prozent der Jugendlichen in den Warteschleifen haben ein hohes Interesse
an einer dualen Ausbildung. Das geht aus einer frisch veröffentlichten, 2005
im Auftrag des Bundesinstitutes für Berufsbildung bundesweit durchgeführten
repräsentativen Forsa-Umfrage hervor. Ungefähr 50 Prozent aller Jugendlichen
ohne einen dualen Ausbildungsplatz haben währenddessen auf der Suche nach
einer Ausbildung mehr als 20 Bewerbungen verschickt. "Dieses Ergebnis macht
klar: Die verdeckte Nachfrage ist deutlich höher als dies in den Statistiken
deutlich wird", betont Olaf Schwede. "Die Lage vieler Jugendlicher ist
verzweifelt."
Angesichts dieser schwierigen Situation fordert die DGB-Jugend die Politik
zum Handeln auf. Olaf Schwede: "Die Zeit der Alibiaktionen muss endlich ein
Ende haben. Strukturelle Maßnahmen wie die Einführung einer Ausbildungsumlage
zur Entlastung insbesondere kleinerer Ausbildungsbetriebe sind unbedingt
erforderlich."


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