Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 18.08.2006

DGB Hamburg begrüßt Programm für mehr Ausbildungsplätze

– Endlich gesteht der Senat Lehrstellenmangel und Scheitern des Ausbildungskonsenses ein!
Der DGB Hamburg begrüßt das Sofortprogramm Ausbildung 2006 als erste Maßnahme zur Bekämpfung der Lehrstellenmisere in Hamburg und wertet es auch als Erfolg der Gewerkschaften, die kontinuierlich den Finger in die Wunde gelegt und Gegenmaßnahmen eingefordert hatten. Erst jüngst hatte sich der DGB für ein kurzfristig wirkendes Sofortprogramm für qualitativ hochwertige außerbetriebliche Ausbildungsplätze ausgesprochen.
„Mit diesem Programm gesteht der Senat endlich das Ausbildungsplatzproblem in Hamburg und damit die Erfolglosigkeit des 2004 mit den Kammern geschlossenen Ausbildungskonsenses ein“, sagt Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg. „Die Unternehmen haben wider die Vereinbarung nicht jedem ausbildungsfähigen und -willigen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zur Verfügung gestellt, der Senat jedoch erfüllte einseitig sein Versprechen und gestaltete die Berufsschulreform zu Gunsten der Arbeitgeber. Nun ,brennt die Hütte’ und es wird aus Steuermitteln ein Programm aufgelegt. Das ist zwar besser als nichts, löst jedoch das strukturelle Problem nicht, das sich durch die Untätigkeit des Senats weiter verschärft hat. In den vergangenen zwölf Jahren ist die Zahl der gemeldeten Berufsausbildungsstellen in Hamburg um rund 25 Prozent eingebrochen. Weil die Unternehmen nicht bereit sind, ihrer Ausbildungs-Verantwortung nachzukommen, geraten wir zunehmend in eine Verstaatlichung der Ausbildung – Ausbildung wird immer stärker durch Steuer- und Beitragszahler finanziert.“
So sank der Anteil der Azubis, die im Schuljahr 2005/2006 im dualen System eine Lehre begannen sank auf nur noch 46,8 Prozent. 53,2 Prozent gingen im selben Jahr in ein Angebot der Berufsfachschulen oder Berufsvorbereitung. Im Schuljahr 2004/2005 lag der Anteil der Jugendlichen in der dualen Ausbildung noch
bei 47,8%.
Ein weiteres Problem ist die Diskrepanz zwischen der realistischen Zahl unversorgter Lehrstellenbewerber und derjenigen, die als Bewerber anerkannt werden und überhaupt in die Statistik gelangen: Mehrere Tausend Jugendliche fallen so komplett durchs Rost!
27 419 Jugendliche (plus 13,6 Prozent verglichen mit dem Vorjahr) wandten sich seit Oktober 2005 bis Sommer 06 ratsuchend an die Arbeitsagentur – doch nur
7 187 von ihnen (minus vier Prozent) wurden nach der Selektion durch die Agentur für Arbeit als Bewerber anerkannt.
Erhard Pumm:„Ausbildungsplatznot und Jugend-Arbeitslosigkeit sind viel zu ernste Themen, als dass man sie durch Aussortieren, Rosafärben der Statistik und Schönreden wegdefinieren darf. Ausbildung ist und bleibt Sache und Verpflichtung der Unternehmen. Wir halten deshalb weiter an einer bundesweiten Ausbildungsplatzumlage fest, wollen zunächst aber für Hamburg eine Kammerumlage im Rahmen einer landesrechtlichen Lösung erreichen.“

Nach oben
Suchbegriff eingeben
Datum eingrenzen
seit bis

Kontakt Pressestelle

Felix Hoffmann

Felix Hoffmann (Foto:Peter Bisping)

Pressearbeit

Felix Hoffmann

Tel: 040/60 77 66 112
Fax: 040/60 77 66 141
Mobil: 0175/72 22 415

Pressefoto Katja Karger

 

 

Katja Karger

Katja Karger (Foto: Peter Bisping)