Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 02.08.2005

Arbeitszeiten werden immer weiter ausgedehnt

400 000 Hamburger Beschäftigte arbeiten an Wochenenden, Feiertagen, abends oder nachts
Mehr als die Hälfte aller abhängig Beschäftigten erledigt ihre Arbeit inzwischen (auch) am Wochenende, an Feiertagen, abends oder nachts. In Hamburg sind das – nur bezogen auf die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten - knapp 400 000 Menschen.* Wenn die Steuervorteile für Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschläge abgeschafft würden, wäre etwa jeder vierte Beschäftigte betroffen.
„Samstags gehört Vati mir“ warb ein Gewerkschaftsplakat in den 60ern für den freien Tag. Heute gehören viele Eltern dem Chef: 40,5 Prozent der Beschäftigten müssen heute auch an Sonnabenden zur Arbeit (Männer: 47 Prozent, Frauen: 40 Prozent). Vor vierzehn Jahren (1991) war es noch nicht mal ein Drittel.
So hat etwa Airbus abweichend vom Flächentarifvertrag für den Standort Hamburg den Sonnabend als Betriebsnutzungstag unter Beibehaltung der 35-Stunden-Woche vereinbart: Man will die Produktionsanlagen besser ausnutzen.
Ebenfalls deutlich haben Arbeiten am Sonntag zugenommen. Mehr als jeder Fünfte muss heute auch am klassischen Ruhetag „schaffen gehen“, Anfang der 90er-Jahre waren das nur 17 Prozent.
Bei der besonders belastenden Nachtarbeit ist die Steigerung zwar eher gering – doch immerhin 14 Prozent aller Beschäftigten machen zu der Bio-Rhythmus- feindlichen Tageszeit ständig oder regelmäßig ihren Job.
Das sind etwa 103 600 Hamburger/innen.
Erhard Pumm: „Es gibt offensichtlich einen Trend zur ,Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft’ mit absehbar schlimmen Folgen für Familie, Freundschaften und Gesundheit: Partner und Freunde arbeiten zu versetzten Arbeitszeiten, sehen sich kaum und entfremden sich, Kinder kennen kaum noch gemeinsame Familienausflüge, erleben Eltern als dauerverfügbare Arbeitnehmer. Und viele leiden auf Grund von Wechsel- oder Nachtschichten unter Schlafstörungen etc.“. Diese Gesellschaft müsse sich grundsätzlich überlegen, ob sie wirklich alles dem Primat der Produktivität und der Gewinne unterwerfen will. „Ein lebenswertes Leben mit stabilen sozialen Beziehungen muss Vorrang haben – außerdem: Nur zufriedene Arbeitnehmer sind auch motivierte Mitarbeiter.“
CDU und CSU haben in ihrem Bundestagswahlprogramm angekündigt, innerhalb von sechs Jahren die Steuerbefreiung für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit aufzuheben. Erhard Pumm: „Das würde vor allem Geringverdiener überproportional belasten. Wegen der geringen Lohnsteigerungen in den vergangenen Jahren kalkulieren Arbeitnehmer fest mit diesen Beträgen, sie sind darauf angewiesen.“
Die Hauptgründe für die Rund-um-die Uhr-Gesellschaft:
- Die Unternehmen versuchen, steigenden Kapitalkosten durch längere Betriebsnutzungszeiten entgegen zu wirken. Je geringer der Zeitanteil ist, an dem Maschinen und Gebäude ungenutzt bleiben, desto niedriger fallen die Kapitalstückkosten aus.
- Personale Dienstleistungen werden vielfach unabhängig von der Uhrzeit angeboten und nachgefragt. Gesundheits- und Pflegeleistungen, Verkehrs-, Unterhaltungs- und Sicherheitsdienstleistungen werden nicht nur zu den „klassischen Arbeitszeiten“, sondern oft kontinuierlich verlangt. Die Alterung der Gesellschaft wird diesen Trend noch verstärken.
- Die Globalisierung mit der wachsenden internationalen Arbeitsteilung und der Vernetzung Kontinente übergreifender Wirtschaftsbeziehungen führt dazu, dass Informationen zu allen Tageszeiten über die Zeitzonen hinweg ausgetauscht werden.
* Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus

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