Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 29.04.2009

Die Wirtschaft in den Dienst der Menschen stellen


Die Mitglieder des Sozialethischen Arbeitskreises Kirche und Gewerkschaften setzen sich für eine sozialethische Neubesinnung ein, weil die Finanz- und Wirtschaftskrise auch Ausdruck einer tief gehenden moralischen Krise unserer Gesellschaft sei. Ziel einer umfassenden Debatte müsse sein schuldhaftes Handeln und Verantwortlichkeiten für Fehlentwicklungen klar zu benennen, die Wirtschaft neu in den Dienst zu nehmen für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen, die Verringerung der Unterschiede in den Lebenslagen wieder zur Grundlage der Debatte um soziale Gerechtigkeit zu machen, die Bemessung der Einkommen an den Erfordernissen eines menschenwürdigen Lebens und echter kultureller Teilhabe auszurichten, den demokratischen Staat zu stärken und ihm die Regulierung sozialer Risiken und die Durchsetzung des öffentlichen Interesses neu zu übertragen.
Die Erklärung im Wortlaut: Finanz- und Wirtschaftskrise sind Ergebnis und gleichzeitig Ausdruck einer tief gehenden moralischen Krise in Wirtschaft und Gesellschaft. Im Laufe der letzten drei Jahrzehnte hat sich die Debatte um Gerechtigkeit immer weiter von den Gleichheitsvorstellungen entfernt, mit denen sie vorher eng verbunden war. Gleichheit wurde auf eine rudimentäre Idee von Chancengleichheit reduziert. Während die Vergrößerung der Unterschiede zum leistungsfördernden Prinzip erklärt wurde, öffnete grenzenlose Deregulierung das Spielfeld für die Entstehung von Niedrig- und Armutslöhnen auf der einen Seite und einer geradezu obszönen Bereicherung an der Spitze der Einkommenspyramide auf der anderen. Diese Entwicklung, die in den USA begann, wurde in den europäischen und vielen außereuropäischen Ländern mit vollzogen. Sie führte zu einer beispiellosen, von der persönlichen Leistung abgekoppelten Polarisierung von Einkommen und Lebenslagen. Wachsende Gier nach immer höherer Rendite, vermengt mit Arroganz, Inkompetenz und krimineller Energie, und der aus heutiger Sicht unbegreifbare Verzicht auf öffentliche Regulierung waren maßgebliche Ursachen für die tiefgreifende Krise der Finanzwirtschaft. Deren wahres Ausmaß ist bis heute nicht erkennbar. Offensichtlich ist aber, dass ihre verstärkende Wirkung auf die ohnehin vorhandenen Abschwungtendenzen Millionen von Menschen bedrängt und in ihrer Existenz bedroht. Schon heute sind dadurch in Deutschland Hunderttausende von Arbeitslosigkeit betroffen. Wir, die Mitglieder des Sozialethischen Arbeitskreises Kirche – Gewerkschaften in Hamburg, sprechen uns für eine umfassende ethische Debatte aus, deren Ziel sein muss: · schuldhaftes Handeln und Verantwortlichkeiten für Fehlentwicklungen klar zu benennen,· die Wirtschaft neu in den Dienst zu nehmen für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen,· die Verringerung der Unterschiede in den Lebenslagen wieder zur Grundlage der Debatte um soziale Gerechtigkeit zu machen,· die Bemessung der Einkommen an den Erfordernissen eines menschenwürdigen Lebens und echter kultureller Teilhabe auszurichten, · den demokratischen Staat zu stärken und ihm die Regulierung sozialer Risiken und die Durchsetzung des öffentlichen Interesses neu zu übertragen. Die Deregulierung der vergangenen Jahrzehnte hat den finanzwirtschaftlichen Zusammenbruch mit herbeigeführt und damit die Wirtschaftskrise massiv verstärkt. Sie hat gleichzeitig zur Erosion ethischer Maßstäbe in der Wirtschaft entscheidend beigetragen. Wir brauchen eine sozialethische Neubesinnung. Wir treten dafür ein, dass der soziale Rechtsstaat durch regulierende Maßnahmen eine Wirtschaft im Dienst am Menschen schafft. April/Mai 2009 Für den Sozialethischen Arbeitskreis Kirche - Gewerkschaften: Prof. em. Dr. Hans-Jürgen Benedict, Ev. Hochschule für Soziale Arbeit und Diakonie, HamburgPropst Matthias Bohl, Ev.-Luth. Kirchenkreis Hamburg-OstPropst Jürgen Bollmann, Ev.-Luth. Kirchenkreis Harburg Dr. Susanne Brunk, Regionalausschuss Hamburg KDAWolf-Rüdiger Felsch, ehem. Bereichsleiter Grundsatzpolitik, betr. Mitbest., verdi HamburgAngelika Kähler, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der NEKElisabeth Lingner, Nordelbische Ev.-Luth. Kirche, Mitglied der Kirchenleitung Dr. Klaus Mehrens, ehem. Bezirksleiter der IG MetallUlrich Meinecke, verdi Hamburg, Fachbereich HandelErik Merks, Betriebsratsvorsitzender SAM ElectronicsErhard Pumm, Vorsitzender DGB HamburgWolfgang Rose, verdi - Landesbezirksleiter, HamburgAlfred Schmidt, Mitglied des Kirchenvorstandes St. Katharinen, HamburgPastor Oliver Stabenow, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der NEKFrank Teichmüller, ehem. Bezirksleiter der IG Metall

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