Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 03.11.2003

Erster Bürgermeister fliegt in die Türkei - Abgeordnete des türkischen Parlaments besuchen den DGB Hamburg

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DGB und türkische Delegation sind sich einig:
Für bessere Integration der Menschen mit türkischer Herkunft
Drei türkische Delegationen sind in EU-Länder ausgereist, um über Probleme und Möglichkeiten der im Ausland lebenden Türken zu berichten und zu diskutieren. Eine Gesandtschaft, der u.a. die Abgeordneten Avni Dogan und Muharrem Candan sowie der stellvertretende Generalkonsul des Generalkonsulats der Republik Türkei, Erdogan Odabas angehören, trafen sich mit Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg sowie Hüseyin Yilmaz, Berater der DGB-Abteilung Arbeitsmarktpolitische Integration junger Migrantinnen und Migranten.
Beide Seiten waren sich in der Einschätzung einig, dass in dieser Stadt mehr für die Integration Menschen türkischer Herkunft getan werden muss. So sei es für den Spracherwerb und die kulturelle Begegnung wichtig, dass Kinder türkischer Herkunft ab dem 3. Lebensjahr einen KITA-Platz erhalten. „Denn nur wer die deutsche Sprache richtig beherrscht, dem gelingt ein reibungsloser Einstieg in die Schulausbildung, die wiederum Grundlage ist für das spätere Berufsleben“, sagt Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg, „gerade vor dem Hintergrund, dass bis zu 20 Prozent der Migrantenkinder die Schule ohne Abschluss verlassen, ist der Senat in der Pflicht, bessere Grundlagen zu schaffen und mehr in die Bildung zu investieren.“
Der DGB stelle seit Jahren fest, dass zwar die Integration der Menschen mit Migrationshintergrund innerhalb der Arbeitswelt gelungen sei – so werden etwa auch türkische Kollegen häufig als Betriebsräte oder Betriebsratvorsitzende gewählt – in anderen Bereichen der Gesellschaft hapere es jedoch an der gegenseitigen Akzeptanz. So wird es Ausländern immer noch schwer gemacht, überhaupt eine Ausbildungsstelle oder eine Arbeit zu finden – mit einer Arbeitslosenquote von 20,6 Prozent in Hamburg (Stand September 03) ist dieser Personenkreis deutlich stärker von Erwerbslosigkeit betroffen als Deutsche. „Besonders schlimm ist die Jugendarbeitslosigkeit unter Migranten mit ebenfalls rund 20 Prozent“, sagt Hüseyin Yilmaz, der Betriebs- und Personalräte in den Unternehmen in Fragen der Ausbildung jugendlicher Migrant/innen berät und bei Konfliktsituationen während der Ausbildung vermittelt.
Die türkischen Abgeordneten wiesen auch darauf hin, dass die Zahl der Deutschen, die in der Türkei leben, mittlerweile rasant zunehme. Allein in Alanya bei Antalya seien es mittlerweile 10 000 deutsche Staatsbürger, die überwiegend vom Im- und Export lebten. „Auch hier gab es zunächst Integrationsprobleme“, so Avni Dogan, „doch wir haben schnell gegen gesteuert und sind erfolgreich gewesen, was bei der vergleichsweise geringen Zahl sicher auch einfacher ist als in Deutschland.“

Für eine gelungene Eingliederung der Türken in Deutschland, auch darüber waren sich der DGB Hamburg und die türkische Delegation einig, sei das Ziel der doppelten Staatsbürgerschaft. „Türken, die in diesem Land leben und arbeiten, müssen richtig deutsch sprechen können,“ sagte Erhard Pumm,
„aber ebenso wichtig ist es, dass sie auch weiterhin die türkische Sprache beherrschen und ihre Kultur pflegen können, damit sie sich hier wie dort zu Hause fühlen.“ Damit verbesserten sich zudem ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Ein offener Punkt sei auch das kommunale Wahlrecht, das Nicht-EU-Bürgern nach wie vor verwehrt wird und dringend eingeführt werden müsse. Schließlich leben in Hamburg neben 24 000 Menschen türkischer Herkunft mit deutschem Pass auch 64 000 Bürger mit türkischem Pass.
Als Ziel oberster Priorität nannte die türkische Delegation die Verhandlungen für einen möglichen EU-Beitritt der Türkei – sie müssten nun zügig in 2004 beginnen. Schließlich sei die Türkei das einzig demokratisch islamische Land der Welt und ein großer Teil der türkischen Bevölkerung orientiere sich mit großen Hoffnungen Richtung Westen. Diese Hoffnungen dürften nicht enttäuscht werden.
Erhard Pumm: „Der DGB Hamburg erwartet von dem Hamburger Ersten Bürgermeister Ole von Beust, dass er bei seiner Türkei-Reise nicht nur den Ansatz verfolgt, wirtschaftliche Beziehungen auszubauen, sondern dass er sich auch stärker für die Integration türkischer Bürger in der Hansestadt einsetzt.“


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