Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 17.04.2003

Offener Brief des DGB an den Hamburger Senat

Der DGB appelliert an den Hamburger Senat, in Hamburg genügend Lehrerstellen zu schaffen anstatt die Arbeitszeit der Lehrerschaft noch weiter zu verlängern und die Schulen einer erneuten Kürzungsrunde auszusetzen.
Insgesamt fehlen etwa 1000 Lehrerstellen, bedingt durch steigende Schülerzahlen, Einführung einer dritten Sportstunde, Verlängerung der Unterrichtszeiten durch Abitur in 12 Jahren, mehr Ganztagsschulen. Das führt zu unhaltbaren Zuständen in den Schulen:
 mehr Unterrichtsausfall
 übergroße Klassen
 Streichung von Förder- und Teilungsstunden
 Verschlechterung der Lern- und Arbeitsbedingungen.
Auf diese Missstände haben 45 000 Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt in einer Volkspetition hingewiesen und Schritte zur Verbesserung der Bildungsqualität angemahnt. Dass endlich mehr in Bildung investiert werden muss, ist auch eine Konsequenz aus der PISA-Untersuchung.
In diesem Sinne halten wir es für unverantwortlich und kontraproduktiv, wenn die nötige Zeit für eine gute pädagogische Arbeit verweigert und der Arbeitsdruck in den Schulen weiter erhöht wird.
Die Zahlen zum Gesundheitszustand der Lehrer und Lehrerinnen sind alarmierend. Lehrerarbeit ist kein Halbtagsjob und der gesundheitliche Verschleiß enorm. Über 90% scheiden aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Schuldienst aus - ein trauriger Spitzenwert unter den Beschäftigten. Diese Befunde sprechen eindeutig dagegen, dass die Arbeitszeiten noch weiter angehoben werden. Schon jetzt hat die Arbeitszeit im Lehrerberuf einen Stand wie zu Kaiser Wilhelms Zeiten. Es ist unsinnig, die Verlängerung der Lehrerarbeitszeit (Arbeitszeitmodell) mit der Einführung der 40-Stunden-Woche für Beamte begründen zu wollen. Denn die Lehrer waren nie an der Arbeitszeitverkürzung im Öffentlichen Dienst hin zu einer 38,5-Stunden-Woche beteiligt. Im Gegenteil: In den 90er Jahren wurden die Pflichtstunden sogar erhöht. Schon die erste Arbeitszeitkommission stellte in ihrem Bericht von 1999 fest, dass die Arbeitszeit der Lehrer über einer 40-Stunden-Woche lag.
Der Senat wird daher dringlichst aufgefordert, von der geplanten Arbeitszeitverlängerung für Lehrer und der flächendeckenden Einführung des Arbeitszeitmodells zum 1.8.2003 Abstand zu nehmen.
Vielmehr ist es geboten, umgehend den im Koalitionsprogramm angekündigten Zuwachs von 400 Stellen zu realisieren. 2001 waren in den Hamburger Schulen Lehrer/innen im Umfang von 14 083 Stellen beschäftigt. Zum Schuljahr 2002/2003 wurden diese auf 13 600 reduziert und sollen bis 2005 bei 13 900 Stellen liegen. Dieser eindeutige Abbau der Stellen verstärkt den Lehrermangel in den Schulen. Gleichzeitig werden viele der in Hamburg ausgebildeten Referendare nicht eingestellt. Die jungen Lehrer bleiben ohne Arbeit oder wandern in andere Bundesländer ab. Sie gehen Hamburg trotz hoher Investitionen in ihre Ausbildung verloren, während eine überalterte Lehrerschaft zu einer noch nie da gewesenen Mehrarbeit verpflichtet werden soll.
Geben Sie den jungen Lehrern eine Chance! Zollen Sie der Arbeit der Lehrer die Anerkennung, die sie verdient. Dazu gehört, dass sie die nötige Zeit für die Betreuung der Schüler, für einen guten Unterricht erhalten. Investitionen in die Bildung sind Zukunftsinvestitionen!

Der Vorstand des DGB Hamburg Hamburg, 15. April 2003

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