Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 01.09.2005

Hauptschulabgänger kaum noch Chancen bei der Lehrstellensuche

DGB Hamburg:
Vorzeigeprojekte wie ANSCHUB ändern nichts an der strukturellen Ausbildungsnot
Jugendliche ohne Schulabschluss oder mit Hauptschulabschluss haben in Hamburg immer geringere Aussichten auf einen Ausbildungsplatz. 477 offiziell registrierte Bewerber mit Hauptschulabschluss gingen in diesem Jahr leer aus. Geht man jedoch von der Gesamtzahl aller Hauptschüler aus, die sich in diesem Jahr bei der Arbeitsagentur gemeldet haben, so erhielten 5 684 Hauptschüler und 2 841 Schulabgänger ohne Abschluss keinen betrieblichen Ausbildungsplatz.
„So hilfreich das Projekt ,ANSCHUB’ sein mag, bei dem Hauptschüler schon während ihrer letzten Schuljahre Praxis-Erfahrungen in den Betrieben sammeln können, es bleibt mit vier beteiligten Schulen doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. An der strukturellen Ausbildungsnot für gering qualifizierte Schüler ändert das nichts," kritisiert Olaf Schwede, Sprecher der DGB Jugend Hamburg. „Der Senat sollte das Problem der fehlenden Ausbildungsplätze gezielt angehen und als Gesamtaufgabe verstehen. Stattdessen glänzt er durch weitgehende Untätigkeit, initiiert allenfalls einzelne Vorzeigeprojekte und sucht das Problem vor allem bei den Jugendlichen."
„Die Zeit der Appelle ist vorbei, jetzt ist Zeit zum Handeln!" sagt Erhard
Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg und fordert die Unternehmen auf, noch freie Stellen nachzubesetzen: „Es kann nicht sein, dass zum Ausbildungsbeginn am 01.08. und 01.09. noch so viele Jugendliche ohne Lehrstelle sind."
Lediglich 16 Prozent der Betriebe in Hamburg bilden aus; die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze ging im Vorjahresvergleich um 7,4 Prozent zurück. Nicht einmal ein Drittel der bei der Arbeitsagentur Ratsuchenden mündet noch in eine Berufsausbildung im dualen System. Mehr als die Hälfte (ca. 11 000) aller ausbildungswilligen Jugendlichen landen in vollzeitschulischen Angeboten der Beruflichen Schulen (Berufsvorbereitungsschulen, Berufsfachschulen etc.) „Die Wirtschaft wird ihrer Verantwortung für die Sicherung eines qualifizierten Fachkräftenachwuchses immer weniger gerecht“, konstatiert Erhard Pumm.
Der DGB plädiert für tarifvertragliche Branchen-Lösungen, eine gesetzliche Ausbildungsplatzumlage, ein staatlich gefördertes externes Ausbildungsplatzmanagement und mehr Ausbildungsverbünde zur Mobilisierung zusätzlicher Ausbildungsbetriebe, mehr Ganztagsschulen und Fördermaßnahmen für schwächere Jugendliche. Arbeitgeberforderungen nach perspektivlosen Kurzausbildungen, einer Senkung der Ausbildungsvergütungen oder Rücknahme tariflicher Vereinbarungen zur Übernahme sind dagegen keine Lösung.
Hamburgs DGB-Vorsitzender warnt davor, die Situation nach Beginn des Ausbildungsjahres „schön zu rechnen". Viele unversorgte Jugendliche kämen entweder gar nicht erst in die Statistik, weil sie als ausbildungsunfähig oder -unwillig deklariert werden, oder sie verschwinden aus der Statistik der Arbeitsagenturen, weil sie in „Warteschleifen" geparkt werden. Dann werde wieder die Erfolgsmeldung verbreitet, alle ausbildungsgeeigneten Jugendlichen seien versorgt. Erhard Pumm: „Das jährlich wiederkehrende unwürdige Zahlen-Spiel auf dem Rücken der unversorgten Bewerber muss aufhören!"
Der DGB Hamburg weist darauf hin, dass der Mangel an Lehrstellen auch Auswirkungen auf die öffentlichen Haushalte hat. Denn die Länder müssten für die Kosten der Berufsvorbereitung und der vollzeitschulischen Angebote an den Berufsschulen aufkommen. Der DGB Hamburg wirft Industrie und Handwerk vor, die Kosten der Ausbildung zunehmend auf die Steuerzahler zu verlagern mit der Konsequenz, dass das Ausbildungssystem schleichend verstaatlicht.

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