Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 27.09.2005

Einzelprojekte ändern nichts an der strukturell schlechten Situation von Migrantinnen

Kurz nach dem bundesweiten Tag der Integration am 25. September widmet sich heute der Hamburger Senat dem Thema Migration: So werden Stipendien an elf Zuwandererkinder vergeben und der Integrationspreis für Sprachförder-Projekte verliehen.
„Wir begrüßen dieses Engagement und freuen uns für die Stipendiaten sowie die Preisträger“, sagt Hüseyin Yilmaz, der den DGB Hamburg im Integrationsbeirat vertritt. „Dennoch können diese Einzelaktionen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es der Hamburger Senat an einer Politik fehlen lässt, die strukturell die Situation von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund verbessert.“
Die Einführung von Vorschulgebühren etwa habe zur Folge – wie jüngst aus einer Anfrage der SPD hervorging - dass in Vorschulen nun 20 Prozent weniger Kinder mit Migrationshintergrund anzutreffen seien. „Statt wie angestrebt den Anteil dieser Kinder in vorschulischen Einrichtungen zu erhöhen, ist sogar das Gegenteil eingetreten“, so Yilmaz. „Hier muss dringend umgesteuert werden, denn Chancengleichheit und Integration beginnen im Kindesalter. Gerade die Vorschule ist wichtig für den Spracherwerb und das kulturell-soziale Lernen.“
Die Benachteiligung von Kindern ausländischer Herkunft setzt sich in der Schule fort: Die Studie Deutsches Pisa-Konsortium (2001) belegt, dass Jugendliche, die aus einem Elternhaus stammen, in dem beide Eltern in Deutschland geboren wurden, im Vergleich zu ihren Altersgleichen aus reinen Zuwandererfamilien eine 4,4 fach höhere Chance haben, ein Gymnasium zu besuchen.
Rund 20 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Hamburg verlassen die Schule sogar ohne Abschluss - etwa doppelt so viele wie deutsche Schulabgänger. „Die Chancen Jugendlicher ausländischer Herkunft auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt sind damit denkbar schlecht“, weiß Hüseyin Yilmaz aus vielen Gesprächen. Die hohe Migranten-Arbeitslosigkeit spreche ebenfalls eine eindeutige Sprache: In der Hansestadt sind 22,8 Prozent der Arbeitslosen Ausländer; arbeitslose Menschen mit Migrationshintergrund (aber deutschem Pass) sind dabei noch nicht einmal erfasst.
Der DGB Hamburg fordert den Senat auf, bei den Unternehmen verstärkt für die Bereitschaft zu werben, die sprachlich-kulturellen Kompetenzen Jugendlicher mit Migrationshintergrund zu würdigen und ihnen eine Chance auf Ausbildung einzuräumen. Auch die Zielgruppe Arbeitslose mit Migrationshintergrund sollte besonders gefördert werden. Erfolg versprechend sind Beispiele aus anderen Städten, wo die ARGE mit Kooperationspartnern Lehrgänge zur Eingliederung von türkischen Arbeitskräften anbietet. Hier werden die mitgebrachten Fähigkeiten wie Zweisprachigkeit, Bikulturalität, Migrationserfahrung und Mobilität um Kenntnisse etwa im kaufmännischen Bereich ergänzt. Hüseyin Yilmaz, der in Hamburger Firmen Betriebsräte und Ausbilder berät, hält das für nachahmenswert: „Gerade Firmen mit bilateralem Handel oder bikulturellem Kundenprofil könnten Interesse an diesen qualifizierten Arbeitskräften haben.“
Rund 25 Prozent aller in Hamburg lebenden Menschen haben einen Migrationshintergrund. „Das ist keine Randgruppe, wir leben mit und zwischen ihnen. Das muss sich auch in den Behörden, Schulen und Betrieben widerspiegeln“, fordert Yilmaz. „Und die Rahmenbedingungen dafür kann eine migrantenfreundlichere Politik schaffen.“

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