Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 17.09.2006

DGB Jugend Hamburg: Einstiegsqualifizierungsjahr erreicht nicht die wirklich benachteiligten Jugendlichen

Das sog. Einstiegsqualifizierungsjahr (EQJ), das als Maßnahme im Rahmen des nationalen Ausbildungspaktes im Sommer 2004 die Trendumkehr auf dem Ausbildungsstellenmarkt herbeiführen sollte, hilft ausgerechnet schwächeren Schulabgängern nicht, kritisiert der DGB Hamburg mit Blick auf die aktuellen Zahlen für Hamburg.
Im Bereich der Handelskammer Hamburg wurden 2006 bisher 174 EQJ-Verträge abgeschlossen. 2005 waren es insgesamt nur 58 Verträge. Nach Schulabschlüssen aufgegliedert wurden 36,9% aller Verträge mit Hauptschulabsolventen geschlossen, 42% mit Realschülern, 7% sogar mit Abiturienten! 9,6 Prozent hatten sonstige Abschlüsse (z.B. Handelsschule), bei 4,5% fehlen die Angaben. Die Vermittlungsquote in eine sich anschließende duale Ausbildung für die EQJler aus dem Bereich der Handelskammer beträgt 78,2%. (86 von 110).
„So, wie sie hier genutzt wird, erreicht die bis zu 12monatige Maßnahme nur das ,obere Drittel’ der Bewerber und geht an der Zielsetzung vorbei, besonders schwachen Schulabgängern einen Weg in die betriebliche Ausbildung zu ebnen“, sagt Olaf Schwede, Vorsitzender der DGB Jugend Hamburg. „Ausgerechnet die jungen Leute ohne Schulabschluss sind in dem EQJ-Programm so gut wie gar nicht vertreten. Insofern überrascht auch die hohe Vermittlungsquote in eine sich anschließende Ausbildung nicht.“
Bei den gerade gestarteten Nachvermittlungsaktionen der Arbeitsagentur Hamburg werden EQJs ebenfalls nur Jugendlichen angeboten, die zuvor als ausbildungsreif eingestuft wurden, also durchaus auch eine „echte“ Ausbildung durchlaufen könnten. - „Jugendliche, die vorher bereits aussortiert wurden und nicht als Bewerber zur Vermittlung aufgenommen wurden, gehen auch hier leer aus.“
Zusammenfassend könne man sagen, dass die Gewinner des Pakt-Programms eher auf der Seite Arbeitgeber zu finden sind, denen keinerlei direkte Kosten für die EQJ entstehen und die auf diese Weise einen potenziellen Azubi länger „prüfen“ und als Arbeitskraft nutzen können, ohne dass die Teilnehmer einen ausbildungsadäquaten Status hätten, so Olaf Schwede. „Wir befürchten, dass diese aus Steuergeldern finanzierten Maßnahmen sogar betriebliche Ausbildungsplätze verdrängen könnten, weil die Unternehmen lieber auf die konkurrenzlos günstigen EQJ zurückgreifen, anstatt reguläre Lehrstellen zu schaffen. EQJ dienen weniger der Vermittlung von Einstiegsqualifikationen, die dann in die Ausbildungsreife münden, sondern sind eher staatlich finanzierte Praktika-Programme.“

Hintergrund Einstiegsqualifizierungsjahr (EQJ):
- Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland vom 16. 06. 04 beinhaltet, dass jährlich 25.000 betriebliche Einstiegsqualifizierungen für Jugendliche unter 25 Jahren bereitgestellt werden, die am 30. 09. des laufenden Jahres noch keine Lehrstelle gefunden haben
- Jugendliche sollen die Möglichkeit erhalten, einen Ausbildungsberuf, einen Betrieb sowie das Berufsleben kennen zu lernen
- Inhalte und Tätigkeiten sind eng an die staatlichen Ausbildungsberufe geknüpft und werden in Form von Qualifizierungsbausteinen absolviert - die Laufzeit beträgt zwischen 6 und 12 Monaten - es können verschiedene Qualifizierungsbausteine miteinander kombiniert werden
- Auf Antrag des Betriebes(!) kann die Qualifizierung auf eine nachfolgende Ausbildung angerechnet werden
- das EQJ wird durch einen betrieblichen Praxistest abgeschlossen und durch ein Zeugnis des Betriebs sowie der Kammer zertifiziert

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