Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 10.11.2005

Neue Zahlen zum ALG II

60 Prozent der ALG II –Empfänger haben weniger als vor Hartz IV
Verlierer sind besonders die über 30jährigen
Die meisten Langzeitarbeitslosen stehen finanziell heute schlechter da als vor der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, also der Einführung von Hartz IV, teilt der DGB Hamburg mit.
Mit dem Alter steigt die Zahl der HartzIV-Verlierer. Bei den über 30jährigen liegt sie sogar durchgängig über derjenigen, die die durch Hartz IV einen finanziellen Vorteil haben (Quelle: Kurzbericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Oktober 05). Ursache: Bei älteren Arbeitslosen ist das Arbeitslosengeld II auch bei langer Berufstätigkeit geringer als die frühere Arbeitslosenhilfe. Jüngere profitieren dagegen von der Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe, ergänzender Sozialhilfe und Wohngeld zum ALG II, wenn sie den ihnen vor der Reform bestehenden Rechtsanspruch auf ergänzende Sozialleistungen nicht wahrgenommen genommen haben.
Laut einer Umfrage von FINANZTEST (Heft 5/11) unter 4400 Arbeitslosen haben 60 Prozent seit der Einführung von Hartz IV weniger Geld im Portemonnaie als vorher, nur 13 Prozent gaben an, mehr zu haben.
Die Leute erhalten tendenziell weniger Geld – so sank die durchschnittliche pro Bedarfsgemeinschaft in Hamburg gewährte Leistung verglichen mit März 05 um 7 Euro - und dennoch steigen die Kosten für Hartz IV. „Die Ursache liegt im undurchdachten System, an der überstürzten und fehlerbehafteten Einführung und nicht im Missbrauch durch die Leistungsempfänger oder etwa an umfangreichen Fördermaßnahmen“, sagt Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg. „Nun auch noch über eine Kürzung über des ALG II-Regelsatzes und weitere Verschärfungen nachzudenken, bestraft diejenigen einmal mehr, die sowieso schon am Existenzminimum leben und unter der Erwerbslosigkeit leiden.“ Von den 4400 FINANZTEST-Umfrageteilnehmern bekamen nur 783 Maßnahmen zur Qualifizierung oder Beschäftigung angeboten, und zwar überwiegend Ein-Euro-Jobs, die laut SGB II als Mittel der letzten Wahl gelten sollten.
FINANZTEST (Stiftung Warentest) befragte auch die ARGEN und Sozialbehörden aus 21 Städten zur Umsetzung von Hartz IV – doch nur acht antworteten, 13 verweigerten sich ganz. Darunter war auch Hamburg. „Offensichtlich hat man hier etwas zu verbergen“, so Erhard Pumm, „es kann nicht sein, dass eine Behörde, die mit Geldern von Steuerzahlern arbeitet, Informationen für sich behält und solche Anfragen abblockt.“

Hamburger Zahlen zu ALG II
– durchschnittlich gewährte Leistungen gehen zurück
In Hamburg gab es im Oktober 101 021 Bedarfsgemeinschaften*. Die durchschnittlich gewährte Leistung pro Bedarfsgemeinschaft betrug in diesem Monat insgesamt 893 Euro und sank damit um durchschnittlich 7 Euro gegenüber März 05. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus ALG II- Regelsatz (339 Euro), Sozialgeld (14 Euro), Leistungen für Unterkunft und Heizung (332 Euro), Sozialversicherungsbeiträge (204) und sonstige Leistungen (3,3). Damit liegt Hamburg in der Höhe der durchschnittlichen Leistungen im Bundesvergleich an zweiter Stelle, was u.a. mit den hohen Mieten zusammenhängt.
Die Bedarfsgemeinschaften (BG) in Hamburg verteilten sich im Oktober 05 wie folgt:
BG mit alleinstehenden Personen: 67 812, durchschnittliche Leistung in Euro je BG: 270 Euro
BG mit zwei Personen: 19 119, durchschnittliche Leistung in Euro je BG: 365 Euro
BG mit drei Personen: 11 655, durchschnittliche Leistung in Euro je BG: 417 Euro
BG mit vier Personen: 6 870, durchschnittliche Leistung in Euro je BG: 479 Euro
BG mit fünf und mehr Personen: 3 803, durchschnittliche Leistung in Euro je BG: 559 Euro
In 10 146 Hamburger Bedarfsgemeinschaften wurden den Langzeitarbeitslosen ein Zuschlag zum ALG II in Höhe von durchschnittlich 99 Euro monatlich gewährt. Er wird für max. zwei Jahre beim Übergang vom Arbeitslosengeld zum Arbeitslosengeld II gezahlt und beträgt 2/3 der Differenz zwischen dem zuletzt bezogenen ALG und dem hierbei ggf. erhaltenen Wohngeld einerseits und dem nun an die Bedarfsgemeinschaft zu zahlendem ALG II/ Sozialgeld.
* Quelle für alle Zahlen in diesem Abschnitt: Bundesagentur für Arbeit

Nach oben
Suchbegriff eingeben
Datum eingrenzen
seit bis

Kontakt Pressestelle

Felix Hoffmann

Felix Hoffmann (Foto:Peter Bisping)

Pressearbeit

Felix Hoffmann

Tel: 040/60 77 66 112
Fax: 040/60 77 66 141
Mobil: 0175/72 22 415

Pressefoto Katja Karger

 

 

Katja Karger

Katja Karger (Foto: Peter Bisping)