Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 21.10.2008

Ausbildungsmarkt: Blick hinter die Kulissen trübt die gute Stimmung


Der Jubel über die gute Lage auf dem Hamburger Ausbildungsmarkt ist nach Auffassung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) verfrüht und unangemessen. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt nach den Worten des Sprechers der DGB-Jugend, Olaf Schwede, dass das Ausbildungsproblem für Hamburg nach wie vor nicht gelöst ist.
„Die in diesem Jahr gemeldeten rund 10.000 Ausbildungsstellen liegen noch unter dem Niveau des Jahres 2002 (10.545). Im Vergleich zum Vorjahr beträgt der Zuwachs der gemeldeten Stellen nur 0,9 Prozent von 9.917 auf 10.004 Plätze.“ Die Anzahl der bei der Arbeitsagentur registrierten betrieblichen Stellen sei sogar um 2,5 Prozent zurückgegangen, nämlich von 9.158 auf nur noch 8.928 betriebliche Ausbildungsplätze. „Immer weniger Unternehmen melden offensichtlich ihre freien Stellen der Arbeitsagentur und verringern damit insbesondere die Chancen von Jugendlichen, die sich dort um eine Ausbildung bemühen“, kritisiert Schwede. Andererseits werde von den Jugendlichen selbstverständlich erwartet, dass sie sich der Arbeitsagentur zur Vermittlung melden. Hier sei mehr Engagement der ausbildenden Unternehmen notwendig. Rein rechnerisch sehe die Ausbildungslage vor allem deshalb gut aus, weil die Zahl der gemeldeten Bewerber deutlich von 9.158 auf 8.356, also um 12,9 Prozent abgesunken sei. „Auf 100 gemeldete und anerkannte Bewerberinnen und Bewerber kommen 107 betriebliche Ausbildungsstellen. Aber das gute Verhältnis von angebotenen Stellen und Bewerbern ist für Hamburg immer mit großer Vorsicht zu genießen, da viele Jugendliche aus den umliegenden Bundesländern in der Hansestadt nicht als Bewerber registriert sind“, erläutert Schwede. Gleichzeitig sei festzustellen, dass insbesondere Jugendliche ohne Schulabschluss nicht mehr als Bewerber anerkannt würden. So verließen zwar 2008 circa 1.600 Jugendliche ohne Schulabschluss die Hamburger Schulen, die Arbeitsagentur weise aber nur 254 jugendliche Bewerber ohne Hauptschulabschluss aus. „Aus dem aktuellen Schulabgängerjahrgang kommen überhaupt nur insgesamt 2.558 der Bewerberinnen und Bewerber. „Wenn von über 16.000 Hamburger Schulabgängern nicht mal jeder Fünfte von der Bundesagentur in eine Ausbildung vermittelt wird, ist von einer großen verdeckten Nachfrage auszugehen. Diese wird jedoch in den nun vorgelegten Statistiken nicht abgebildet“, betont der Sprecher der DGB-Jugend. Aktuell stünden noch immer 460 unvermittelte Jugendliche nur 184 unbesetzten Stellen gegenüber. Der Blick nach vorne lege die Vermutung nahe, dass das Hamburger Ausbildungsproblem größer statt kleiner werden könnte, befürchtet Schwede. „Steigende Schulabgängerzahlen und ein doppelter Abiturientenjahrgang 2010 machen auch in den nächsten Jahren hohe Ausbildungszahlen notwendig. Damit diese trotz der Finanzkrise und deren drohenden negativen Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsplätze erreicht werden, sind Arbeitgeber, Gewerkschaften und Politik gefragt.“

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