Deutscher Gewerkschaftsbund

05.06.2018

Zum 90. Geburtstag von Hans Saalfeld

Als wichtigste politische Aufgabe aller demokratischen Kräfte sehe ich die Wahrung freiheitlicher Rechte.
Hans Saalfeld
 

Der DGB Hamburg und die SPD Hamburg gratulieren Hans Saalfeld herzlich zum 90. Geburtstag. Aus Anlass des Geburtstages gab es am 5 Juni einen Empfang im Besenbinderhof.

Als ehemaliger Vorsitzende des DGB Hamburg von 1969 bis 1988 und Vizepräsident der Hamburgischen Bürgerschaft prägte Hans Saalfeld nach dem Krieg das politische Geschehen in Hamburg. Er stammt aus einer gewerkschaftlich geprägten Arbeiterfamilie und trat schon 1945, direkt nach Kriegsende, in die SPD und die Gewerkschaft ein. Beiden Institutionen ist er bis heute tief verbunden.

 

Katja Karger, Vorsitzende des DGB Hamburg: „Wir wünschen Hans als langjährigem und geschätztem Gewerkschaftskollegen alles Gute zu seinem 90. Geburtstag. Er kann auf ein langes und verdienstvolles Leben zurückblicken. Studierendenproteste, Lehrlingsaufstand, der deutsche Herbst und die RAF, technische Umwälzungen, Neue Heimat, Werftensterben, Massenarbeitslosigkeit, 35-Stunden-Woche – viele noch heute bekannte und präsente – Themen fielen in seine Amtszeit. Für ein Thema hat sich Hans ganz besonders intensiv eingesetzt: Das Bildungsurlaubsgesetz. Mit diesem wichtigen Gesetz hat Hamburg 1974 als erstes Bundesland das Recht auf bezahlten Bildungsurlaub eingeführt.

 

Melanie Leonhard, Landesvorsitzende der SPD Hamburg: „Im Namen der SPD Hamburg gratuliere ich Hans Saalfeld herzlich zu seinem 90. Geburtstag. Im Laufe seines Lebens engagierte er sich auf vielfältige Weise in der Hamburger SPD und dem DGB. Sein politisches Wirken war und ist geprägt durch seinen Einsatz für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und für jene, die unsere Unterstützung benötigen. Ich danke Hans Saalfeld für die wertvolle Arbeit und sein unermüdlichen Einsatz.

PM 15/18 - 05.06.2018

Zum 90. Geburtstag von Hans Saalfeld

Im Folgenden finden Sie die Rede von Johannes Müllner, Sprecher der DGB Senioren, anlässlich des 90. Geburtstages von Hans Saalfeld.

Lieber Hans,  

liebe Familie Saalfeld, liebe Geburtstagsgäste,

wie Du weißt, Hans, bin ich einer deiner ältesten gewerkschaftlichen Weggefährten und ich gratuliere  Dir zu Deinem Neunzigsten ganz herzlich. Du bist für mich ein besonderer Mensch. Darauf werde ich noch eingehen – nicht nur wegen Deines Alters – davon bin ich ja auch nicht mehr weit entfernt.

Dein jahrzehntelanges Engagement für die Gewerkschafts-  und die Arbeiterbewegung war einzigartig. Besonders habe ich Deinen  konsequenten  Kampf gegen Krieg und Faschismus bewundert und mit ganzem Herzen unterstützt. Auch ich kenne den Faschismus - mein Vater war Verfolgter des Naziregimes. Einen weiteren politischen Charakterzug von Dir muss ich unbedingt erwähnen. Du hast während Deiner Zeit als Hamburger DGB-Vorsitzender und als Mitglied der Bürgerschaft immer dafür gesorgt, dass die Verbindung zwischen den Gewerkschaften und dem Hamburger Parlament stabil bleibt. Für Dich war die Bürgerschaft  in erster Linie für die arbeitenden Menschen verantwortlich. Du selbst warst ja 25 Jahre lang in verschiedenen Bürgerschaftsfunktionen aktiv. Wenn man die dreiseitige Liste Deiner vielen Funktionen durchsieht, kommt man zu dem Schluss: Du warst wirklich optimal  vernetzt mit sehr vielen Institutionen und Einrichtungen, deren Unterstützung wir für unsere Gewerkschaftspolitik unbedingt benötigen. Das hielt Dich nicht davon ab, Dich auch für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort zu engagieren.

 

Ein einmaliges  Erlebnis, für das Dein Name in die Geschichte eingegangen ist, werde ich niemals vergessen. Es gehört einfach zu Dir! Am 4. Mai 1980 hast Du alles auf eine Karte gesetzt, um eine Versammlung der neonazistischen DVU in unserem Gewerkschaftshaus zu verhindern. Ich habe diese aufregende Aktion immer  noch vor Augen. Du hast uns als Vorsitzende der einzelnen Gewerkschaften auf ein entscheidendes  Ziel  eingeschworen: „ Es darf den Nazis nicht gelingen, in das Gewerkschaftshaus einzudringen. Du hast mit uns und dem Kollegen Dieter Heering vom DGB-Landesbezirk eine gut durchdachte Strategie abgesprochen, um aus dem Gewerkschaftshaus ein unüberwindbares Bollwerk zu machen. Den Neonazis muss auch jeglicher Rechtsweg verbaut werde, damit dem Hamburger Gewerkschaftshaus die Schande erspart bleibt, Versammlungsort für Neonazis zu sein. Wir haben die Ordner vom 1. Mai und alle erreichbaren Funktionsträger und Gewerkschaftsmitglieder mobilisert. Die Bereitschaft für diese Widerstandsaktion war überwältigend. Am 4. Mai.1980 besetzten rund 4.000 Kolleginnen und Kollegen  ihr Gewerkschaftshaus  Am 3. Mai übergab unser Kollege Dieter Heering dem obersten Drahtzieher der Neonaziszene und DVU-Boss  Dr. Frey in München das gerichtliche Verbot für die Nutzung des Gewerkschaftshauses. Du hast dann formal eine außerordentliche Delegiertenversammlung eröffnet, die zu einem emotionalen Höhepunkt wurde. Chöre und Musikgruppen umrahmten dieses Treffen in allen verfügbaren Räumen. Es war ein einzigartiges Erlebnis, das unter die Haut ging! Wir waren damals fest davon überzeugt, dass wir es auch ohne gerichtliches Verbot geschafft hätten, den Neonazis den Zutritt zu unserem Gewerkschaftshaus zu verwehren. Dieses Datum – 4.Mai 1980  - bleibt ein Schlüsselerlebnis für mich und immer mit Deinem Namen verbunden. Dein Charakter, Hans, und Deine Standfestigkeit haben bewiesen: Hans Saalfeld ist kein Macher, er ist ein konsequenter gewerkschaftspolitischer „Überzeugunstäter“.

 

Wir hatten  schon vor 1975  zusammengearbeitet. Dann - von 1975 bis zu Deinem Ausscheiden 1988 war ich Mitglied im DGB-Kreisvorstand. Es war eine Zeit voller politischer Debatten und Entscheidungen. Du hast es verstanden, die verschiedenen Ziele und Forderungen der Mitglieds-gewerkschaften miteinander zu verbinden. In den Vorstandssitzungen war für Dich eine ÖTV-Forderung genauso wichtig wie eine Aktion der GEW. Du hast den Begriff „Dachverband“ wirklich praktiziert.

Die achtziger Jahre waren ein hochpolitischer Zeitabschnitt in Hamburgs Geschichte. Der Strukturwandel in Hamburgs Wirtschaft kündigte sich an. Und damit verbunden waren die Existenzkämpfe unserer Kolleginnen und Kollegen  in vielen Hamburger Betrieben. Du selbst hast bei Heidenreich Maschinenschlosser gelernt. Und gerade in diesem Betrieb begann 1975 unser massiver Kampf gegen die Arbeitsplatzvernichtung in Hamburg. „Hamburgs Metaller werden nicht weich, sie kämpfen weiter für Heidenreich“  Dieser  „Schwur“ gehört auch zur Gewerkschaftsgeschichte unserer Stadt! Du warst mit vor Ort. Und das Wichtigste war: Du hast uns den Rücken frei gehalten. Wir hatten die volle Unterstützung der Hamburger Politik!

Die vielen Kämpfe um die Arbeitsplätze in Hamburgs  Metallindustrie, aber auch in anderen Unternehmen, im Dienstleistungsgerwerbe, bei Versicherungen, im Einzelhandel und anderen Bereichen bestimmten in den achtziger Jahren den gewerkschaftlichen Alltag. Wir haben damals den Satz geprägt: „Die Gewerkschaftsarbeit findet jetzt auf der Straße statt.  Dieses einzigartige Engagement hat uns 1984 beim historischen Kampf um die 35-Stunden-Woche zusätzlich gestärkt. Ein Höhepunkt dieser Auseinandersetzungen um die Hamburger Arbeitsplätze war 1983 die Betriebsbesetzung von HDW. Hamburgs Bevölkerung zeigte eine einzigartige Solidarität. Es war wirklich ein gemeinsamer Kampf .

Meine Schilderung ist sicherlich sehr „metalllastig“ Dafür bitte ich um Verständnis. Natürlich war ich in erster Linie Bevollmäüchtigter der Hamburger IG Metall auch während meiner 13-jährigen Mitgliedschaft im DGB-Kreisvorstand.

 

Hans, ich bin schon sehr gespannt auf Deine Memoiren, die Du ja akribisch aufschreibst. Immer wenn wir miteinander telefonieren, staune ich über Deine Energie, mit der Du „die Geschichte deiner „Familie Saalfeld“ und speziell Dein politisches Leben dokumentierst, Dein politisches Beruf  war wie eine  politische Berufung!

Als wir als gewerkschaftliche Senioren 2004 mit Erhard Pumm das so genannte Hamburger Modell ins Leben riefen, um eine vom DGB-Vorstand gewollte Struktur für eine integrierte Alterssicherungspolitik aufzubauen, warst Du sofort bereit,in unserer Koordinierungsgruppe mitzuarbeiten. Später, als Deine gesundheitlichen Probleme Dir diese Mitarbeit verweigerten, musste ich versprechen, Dir regelmäßnig die wichtigsten Unterlagen und Protokolle nach Hause zu schicken.

Und immer wenn ich Deine Stimme am Telefon höre, wird mir bewusst, wieviel ich von Dir lernen durfte. Diesen Kontakt  müssen wir weiterhin pflegen.

Ich wünsche Dir und Deinen Lieben weiterhin alles, alles Gute.


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