Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 24.01.2006

280 Hamburger Jugendliche in der Einstiegsqualifizierung (EQJ)

Bei Einstiegsqualifizierungen haben die schwächeren Schulabgänger das Nachsehen
DGB befürchtet Verdrängung regulärer Lehrstellen

Das sog. Einstiegsqualifizierungsjahr, das als Maßnahme im Rahmen des nationalen Ausbildungspaktes im Sommer 2004 die Trendumkehr auf dem Ausbildungsstellenmarkt herbeiführen sollte, hilft ausgerechnet schwächeren Schulabgängern nicht. Das ergaben Auswertungen der Zahlen aus der Bundesagentur für Arbeit. Gewinner des Pakt-Programms sind eher auf der Seite Arbeitgeber zu finden, denen keinerlei direkte Kosten für die EQJ entstehen und die auf diese Weise einen potenziellen Azubi länger „prüfen“ und als Arbeitskraft nutzen können, ohne dass die Teilnehmer einen ausbildungsadäquaten Status hätten. Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg. „Wir befürchten, dass diese aus Steuergeldern finanzierten Maßnahmen sogar betriebliche Ausbildungsplätze verdrängen könnten, weil die Unternehmen lieber auf die konkurrenzlos günstigen EQJ zurückgreifen, anstatt reguläre Lehrstellen zu schaffen.“
Aber auch die Maßnahme selbst geht an der Zielsetzung vorbei, besonders schwachen Schulabgängern einen Weg in die betriebliche Ausbildung zu ebenen: Ausgerechnet die jungen Leute ohne Schulabschluss sind in dem EQJ-Programm nur mit einem Prozent der Teilnehmer vertreten (im Jahr 04/05). Laut Bundesagentur für Arbeit haben 47 Prozent der Teilnehmer einen Hauptschulabschluss, 45 Prozent einen Realschulabschluss und sieben Prozent sogar die Hochschulreife. „Die Förderung der Schüler mit schlechten Abschlüssen findet also nach wie vor nur im Bereich der außerbetrieblichen Ausbildung und im Rahmen von schulischen Angeboten, z.B. Berufsvorbereitungsjahr, statt“, sagt Erhard Pumm. „Das EQJ ist ein weiterer Baustein im Maßnahmendschungel, das kein Mittel zur Verkürzung der sog. Warteschleifen darstellt. Entsprechend groß ist die Zahl der ,Altbewerber’, die nach Ende der Maßnahme mit ,frischen’ Schulabgängern um eine Ausbildung konkurrieren.“
Bundesweit gelingt rund 35- 50 Prozent der EQJ-Teilnehmer nach dem 12-monatigen Praktikum der Übergang in eine sich anschließende betriebliche Ausbildung. Doch
- die Durchführung der zertifizierten Teilqualifikationen erfordert von den Betrieben keine Ausbildungsberechtigung, worunter die Qualität leiden kann.
- die Teilqualifikationen und die 12 Monate Praktikum werden nicht auf eine sich möglicherweise anschließende Berufsausbildung angerechnet, die Jugendlichen können also länger als billige Arbeitskräfte genutzt werden.

Erhard Pumm: „Es wird Zeit, dass sich die Hamburger Bildungssenatorin Dinges-Dierig endlich ernste Gedanken macht über sinnvolle regionale Angebote, um schwachen Schülern eine vollwertige betriebliche Ausbildung zu ermöglichen.“ Gleichzeitig appelliert Hamburgs DGB-Vorsitzender an die Unternehmen, nicht auf Mitnahmeeffekte zu setzen, sondern aus eigener Verantwortung und Kraft in Ausbildung und damit in die Zukunft zu investieren.

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