Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 19.02.2006

Androhung von Studiengebühren und Vernachlässigung der Migranten hemmen Bildungsmöglichkeiten

• 45,9 Prozent der deutschen Jugendlichen in Hamburg verlassen die Schule mit Hochschulreife – aber nur 20,5 Prozent der Migrantenkinder
• In der Hansestadt gibt fast zehn Prozent weniger Studienanfänger als im Bundesdurchschnitt, besonders Frauen sind unterrepräsentiert

Die Bildungspolitik des Hamburger Senats ist unsozial und verhindert gleichberechtigte Teilhabe aller an Bildung, kritisiert der DGB Hamburg. Diese Tatsache belegen auch die jüngsten Zahlen aus der Schul- und Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamts für 2004.
Migrantenkinder benachteiligt
Danach beträgt der Anteil der ausländischen Schulabgänger mit Hochschulreife an gleichaltriger Bevölkerung 20,5 Prozent, der der deutschen jedoch fast 46 Prozent.
„Kindern aus Migrantenfamilien wird es eindeutig schwerer gemacht, einen guten Schulabschluss und damit einen guten Start ins Berufsleben zu erlangen, denn die Benachteiligung beginnt schon im Kindergartenalter“, sagt Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg. So ist es etwa bekannt, dass seit Einführung der Vorschulgebühren in den Einrichtungen nun 20 Prozent weniger Kinder mit Migrationshintergrund anzutreffen sind. „Auch steht Kindern arbeitsloser Eltern keine ganztägige KITA-Betreuung zu, obwohl es im Hinblick auf Spracherwerb und Integration gerade für Kinder aus Migrantenfamilien wichtig wäre“, so Erhard Pumm.
Es könne nicht angehen, dass der Senat einerseits über aufwändige „Wellcome-Center“ sehr gut ausgebildete Elitekräfte aus dem Ausland anwirbt, aber gleichzeitig den bereits hier lebenden Menschen mit Migrationshintergrund den Zugang zur Spitzenausbildung erschwere.
Drohende Gebühren schrecken Hamburger/innen vor Studium ab
Der Entschluss ein Studium zu beginnen, ist unter Hamburger Studienberechtigten im Vergleich zum Bundesdurchschnitt deutlich schwächer ausgeprägt. Während 2004 deutschlandweit 35,8 Prozent aller Studienberechtigten (sowohl mit allgemeiner als auch Fachhochschulreife) ein Studium aufnahmen, waren es in Hamburg lediglich 26,7 Prozent! Auch der Unterschied bei der Anzahl von Studentinnen ist zwischen Land und Bund enorm: Bundesweit haben unter allen weiblichen Studienberichtigten 40,7 Prozent ein Studium begonnen, während es in der Hansestadt nur 28,7 Prozent waren.
Erhard Pumm: „Wir sehen diese Zurückhaltung im Zusammenhang mit dem Vorstoß von Wissenschaftssenator Dräger, der es besonders eilig hatte, in Hamburg Studiengebühren einzuführen. Viele junge Leute und ihre Eltern können diese zusätzliche finanzielle Belastung nicht tragen und wählen hochschulferne Wege ins Arbeitsleben. Auch Kredite kommen für viele nicht in Frage, weil sie Sorge haben, die Schulden nicht so bald abbauen zu können. Schließlich ist es heute selbst für Akademiker keine Selbstverständlichkeit mehr, eine gut dotierte Stelle zu bekommen.“ Dass sich besonders junge Frauen von einem Studium abgeschreckt fühlen, obwohl mehr Mädchen als Jungen die Hochschulreife haben, sei alarmierend, so Hamburgs DGB-Vorsitzender. Es dürfe keine Rückentwicklung zu traditionellen Rollenbildern geben nach dem Motto: Hauptsache, der Mann hat studiert und kann die Familie ernähren.

Nach oben
Suchbegriff eingeben
Datum eingrenzen
seit bis

Kontakt Pressestelle

Felix Hoffmann

Felix Hoffmann (Foto:Peter Bisping)

Pressearbeit

Felix Hoffmann

Tel: 040/60 77 66 112
Fax: 040/60 77 66 141
Mobil: 0175/72 22 415

Pressefoto Katja Karger

 

 

Katja Karger

Katja Karger (Foto: Peter Bisping)