Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 20.05.2005

8000 Alleinerziehende in Hamburg arbeiten Teilzeit aber 39 000 verheiratete Mütter

Teilzeitarbeit – richtig angepackt ein Modell der Zukunft!
In Hamburg arbeiten 47 000 Frauen mit minderjährigen Kindern in Teilzeit (bis zu 20 Wochenstunden). Darunter sind 39 000 verheiratete Frauen, doch nur 8000 Alleinerziehende.*
„Dass gerade die Alleinerziehenden auf Grund der deutlich geringeren Erwerbstätigkeitsquote einem größeren Risiko ausgesetzt sind, an der Armutsgrenze zu leben und auf Transferleistungen angewiesen zu sein, wird damit belegt“, sagt Erhard Pumm, Vorsitzender des DGB Hamburg.
Während verheiratete Mütter eher auf Unterstützung durch ihren Partner hoffen und damit Familie und Beruf besser unter einen Hut bringen können, sind Alleinerziehende auf gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten und andere Netzwerke angewiesen. Pumm: „Und die reichen in dieser Stadt augenscheinlich noch nicht aus. Im Sinne der wachsenden Stadt und der Familienförderung muss gerade alleinerziehenden Frauen der Zugang zur Berufstätigkeit zu erleichtert werden, damit sie aus eigener Kraft ihren Lebensunterhalt verdienen können und den Anschluss an die Entwicklungen in ihrer Branche behalten. Dafür brauchen wir erschwingliche und flexible KITA- Betreuung sowie flexible Arbeitszeitmodelle.“
Dabei sei Teilzeitarbeit in ihrer jetzigen Ausprägung nicht ausschließlich positiv zu beurteilen, so Hamburgs DGB-Vorsitzender: „Sie ist oft mit geringem Einkommen und großem Stress verbunden wegen besonders hoher Arbeitsdichte und häufiger Überstunden. Auch die Absicherung für den Fall der Arbeitslosigkeit ist schlechter; von der niedrigeren Rentenerwartung einmal ganz abgesehen.“ Daneben leide der Kontakt zu den Kollegen bei Teilzeitbeschäftigten eher, weil sie in wenigen Stunden viel schaffen müssten und keine Zeit für einen – dem Klima zuträglichen – Austausch nebenbei hätten.
Nach einer repräsentativen Umfrage der Uni Göttingen** haben 14 Prozent der Befragten – darunter doppelt so viele Männer wie Frauen – Vorbehalte gegen Teilzeit. Abschreckend wirken vor allem die Einkommenseinbußen. Fast 80 Prozent der Männer und 66 Prozent der Frauen erwarten, sich bei Teilzeitarbeit finanziell einschränken zu müssen – oder sie wissen es aus eigener Erfahrung.
Erhard Pumm: „Interessant ist folgendes Ergebnis der Befragung: Würden die Einkommenseinbußen wenigstens teilweise ausgeglichen – beispielsweise durch Lohnzuschüsse oder eine Aufstockung der Altersrente – lehnten nur noch weniger als 10 Prozent der Befragten Teilzeitarbeit ab. In Anbetracht der Tatsache, dass es immer weniger Arbeit gibt, sollten wir diesen Weg beschreiten: Die vorhandene Arbeit auf mehr Schultern verteilen und einen Lohnausgleich schaffen. Damit kämen etliche Arbeitslose wieder mit ins Boot und die Lebensqualität vieler erhöhte sich, weil sie mehr Zeit für Familie, Freunde oder Ehrenamt hätten. Wer dagegen weiter auf Arbeitszeitverlängerung setzt, schließt immer mehr Menschen von der Erwerbstätigkeit und einem eigenen Einkommen aus.“

Weitere Zahlen und Fakten*:

-In Hamburg sind insgesamt 357 000 Frauen erwerbstätig (Voll- und Teilzeit, mit und ohne Kinder)
-123 000 Frauen mit minderjährigen Kindern im Haushalt arbeiten (Voll- und Teilzeit), davon sind:
-verheiratet: 62 000,
- alleinerziehend: 41 000
Während westdeutsche Mütter überwiegend aus persönlichen und familiären Gründen teilzeittätig sind, überwiegt bei ostdeutschen Müttern als Motiv der Mangel an Vollzeitarbeitsplätzen.
Mit 41 Prozent nutzen Mütter mit minderjährigen Kindern in Deutschland das klassische Teilzeitmodell mit einer verkürzten täglichen Arbeitszeit.
19 Prozent arbeiteten nach einem variablen Teilzeitmodell, also mindestens einen Tag weniger pro Woche. Eine Kombination beider Modelle praktizierten 28 Prozent der Mütter.

* Neuester Stand März 2004, Quelle: Mikrozensus, Statistisches Landesamt Nord/ Statistisches Bundesamt
** Befragt wurden 2000 Haushalte mit 18-bis 65-jährigen Erwerbsfähigen, die entweder flexibel beschäftigt sind oder für eine solche Beschäftigung in Frage kommen – ohne Beamte auf Lebenszeit und dauerhaft Selbstständige

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