Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 28.08.2003

Tippst du noch oder lernst du schon?

Straßenaktion der Gewerkschaftsjugend zur
Ausbildungsmisere in Hamburg
„Tippst du noch oder lernst du schon?“ – Unter diesem Motto startet die DGB-Jugend mit Aktiven aus der IG Metall- und Ver.di- Jugend eine interaktive Straßentheater-Aktion am 5. September von 15.30 bis 17.30 Uhr auf dem Gänsemarkt. „Wir wollen auf die Ausbildungsmisere aufmerksam machen“, sagt DGB-Jugend-Sekretär Olaf Schwede, „und dabei geht es uns sowohl um die Quantität als auch um die Qualität der Ausbildung in Hamburg.“
Quantität in der Ausbildung
Stell` dir vor du möchtest Bankkauffrau werden, aber es sind nur Ausbildungsplätze zur Gebäudereinigerin frei. So oder ähnlich ergeht es zur Zeit vielen Hamburger Jugendlichen – 3100 sind in diesem Sommer noch nicht mit einer Lehrstelle versorgt, ganz zu schweigen von den vielen erfolglosen Bewerbern aus den vergangenen Jahren. 1000 Plätze sind noch unbesetzt, da sich verständlicher Weise nicht jeder damit abfinden kann einen seiner Neigungen und Fähigkeiten völlig entgegensetzten Beruf zu ergreifen. „Das Angebot an qualifizierten betrieblichen Ausbildungsplätzen muss nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1980 bei 112, 5 Prozent liegen, damit man von einer Berufswahl sprechen kann“ sagt DGB-Jugendsekretär Olaf Schwede, „und davon sind wir Lichtjahre entfernt.“ Der Grund: Viele Hamburger Unternehmen drücken sich davor, auszubilden. Bei 40 Prozent ausbildungsberechtigten Betrieben in der Hansestadt bilden nur 16 Prozent aus; damit stellt Hamburg deutschlandweit den Negativ-Rekord. Verschärfend kommt in Hamburg hinzu, dass viele Firmen aktiv im Umland um Auszubildende werben.
Handelskammer und Unternehmen lassen junge Leute im Stich
„Aber die Handelskammer, die ihre Unternehmen auf Trab bringen müsste, spielt die Ausbildungsplatznot nicht nur herunter, sie arbeitet sogar mit Schuldzuweisungen an die Jugendlichen“, empört sich Olaf Schwede, „angeblich seien die Schulabgänger/innen nicht willig und qualifiziert genug um eines Ausbildungsplatzes würdig zu sein - ,nicht marktfähig’ heißt es . Ohne Zweifel gilt es auch in den Schulen und Familien einiges zu verbessern. Aber die Jungs und Mädels ausschließlich als Ware zu betrachten und von ihnen zu verlangen, dass sie am besten schon vor der Ausbildung alles wissen, damit sie dem Unternehmen bald Profit bringen, zeigt nur, wie maßlos einige Unternehmer in ihrem Gewinnstreben geworden sind.“ Außerdem könne es nicht angehen, so der Jugendsekretär, dass ausbildungsunwillige Firmen die Verantwortung auf andere abwälzen und anschließend die qualifizierten Berufseinsteiger abwerben, ohne einen Cent in deren Ausbildung investiert zu haben. „Deshalb fordert der DGB schon lange eine Umlagefinanzierung, damit es finanziell schmerzt, wenn sich Unternehmen der Ausbildungsverantwortung entziehen.“

Qualität in der Ausbildung
Bezeichnend für das rücksichtslose Vorgehen der hamburgischen Handelskammer sei auch die von ihr immer wieder propagierte Liste der 100 neuen Berufe, in der Jobs auftauchen wie Parkplatzwächter, Garderobiere oder Gepäckservicekraft – sie sind weder zukunftweisend noch existenzsichernd. In einer ein- bis zweijährigen Schmalspur-Anlernphase – Ausbildung kann man es nicht nennen – sollen die Jugendlichen, die sonst auf dem Ausbildungsmarkt nicht fündig wurden, an diese Hilfsarbeiten herangeführt werden - fast ohne Vergütung. „Eine Zumutung, da Sackgasse“, fasst Olaf Schwede zusammen, „denn damit gibt es für diese Jugendlichen keinerlei Perspektiven, sich beruflich weiter zu entwickeln. Der DGB aber streitet gerade für das Gegenteil - nämlich für Qualität in der Ausbildung.“
Für eine sozial gerechte Novellierung des Berufsbildungsgesetzes
Und die muss auch im Berufsbildungsgesetz (BBiG) verankert werden. „Das jetzt noch gültige BBiG ist von 1969 und völlig veraltet - deshalb muss es jetzt modernisiert werden, schließlich gibt es massive Veränderungen bei den Berufsinhalten und andere Erfordernisse an den Berufsschulen als vor 34 Jahren“ sagt Olaf Schwede. Für eine sozial gerechte Novellierung des BBiG hat der DGB ein Acht-Punkte-Programm aufgestellt: Ganz oben steht die Forderung nach einem Rechtsanspruch für jeden Jugendlichen auf eine qualifizierte volle Berufsausbildung. Ebenfalls wichtig: die Einführung eines gerechten gesetzlichen Finanzierungssystems für die Berufsausbildung, um endlich zu einem konjunktur-unabhängigen Angebot an Ausbildungsplätzen zu kommen und einen Ausgleich zu schaffen zwischen den ausbildenden Betrieben und denen, die es dürften, aber nicht tun. (Der ausführliche Forderungskatalog und weitere Infos zum BBiG unter
www.bbig-reform.de)

Die Straßenaktion der Gewerkschaftsjugend am 5.September 03
„Bei unserer Straßentheateraktion am 5. September werden wir den Passanten die Ausbildungsmisere in dieser Stadt sowie unsere Forderungen nicht nur mit Stellwänden und Infoständen nahebringen“, sagt der DGB-Jugendsekretär, „sondern an einem Jugendlichen ganz plastisch zeigen, wie es ist, wenn man sich wieder und wieder erfolglos bewirbt. Jeder ist eingeladen, mit uns auf dem Gänsemarkt Ausbildungsplätze zu „suchen“.

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