Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 12/19 - 17.04.2019
Die Schattenseite des Arbeitsmarkts

Starke Zuwächse bei Minijobs, Teilzeit oder Leiharbeit

Zuwachs bei der Teilzeit

Zuwachs bei der Teilzeit DGB HH

Der Arbeitsmarkt in Hamburg hat trotz erfreulich sinkender Arbeitslosigkeit weiterhin seine Schattenseiten. Das geht aus einer Analyse hervor, die Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger und der ver.di-Arbeitsmarktexperte Roland Kohsiek heute vorgestellt haben. „Der Arbeitsmarkt in Hamburg ist tief gespalten: Leiharbeit, Teilzeit, Minijobs: Für viele ist das die Job-Realität. Das bedeutet schlechtere Löhne, Unsicherheit und weniger Weiterbildung als in sogenannten Normalarbeitsverhältnissen. Wir brauchen mehr gute Arbeit in Hamburg“, so Karger.

Laut der Analyse haben atypische Beschäftigungsverhältnisse in der Hansestadt stark zugenommen. Einige Beispiele: So ist die Zahl der Teilzeitbeschäftigten in den vergangenen 15 Jahren um 108 Prozent gestiegen, die der Minijobber/-innen im Nebenjob um 166 Prozent. Eine Erklärung: Unfreiwillige Teilzeit wird oft mit einem Nebenjob kombiniert, um über die Runden zu kommen. 13 Prozent der Arbeitsverträge in Hamburg sind befristet, bei den Neueinstellungen sind es sogar 52 Prozent. Mitte der 90er Jahre betrug die Quote noch fünf Prozent. Die Zahl der Leiharbeiter/-innen stieg von 2007 bis 2018 um 22 Prozent. Insgesamt sind in Hamburg 40 Prozent der Beschäftigungsstellen atypisch.

Dabei sind die Voraussetzungen für größere Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt gut: Geld ist da und mit dem Teilhabe- sowie dem Qualifizierungschancengesetz sind zuletzt gute Regelungen auf den Weg gebracht worden. Nur bei der Umsetzung gäbe es auch in Hamburg noch einige Baustellen, so Karger. Vor allem aber fehle es an Initiative der Arbeitgeberseite.

 

Prekariat

Prekariat Hans-Böckler-Stiftung

Um die große Zahl der prekär Beschäftigten weiter einzudämmen fordert der DGB die Tarifbindung zu stärken. „Wir brauchen mehr Druck auf die Privatwirtschaft und klare Kriterien in der Wirtschaftsförderung, zum Beispiel durch ein Tariftreuegesetz. Aufträge dürfen nur noch an tarifgebundene Unternehmen vergeben werden. Auch eine vorgeschriebene Maximal-Quote für Minijobber ist denkbar.“

Ein weiterer wichtiger Baustein sei die Weiterbildung. Karger: „Qualifizierung ist Grundvoraussetzung für gute Arbeit. Wir dürfen nicht zulassen, dass ein Teil der Beschäftigten angesichts von Digitalisierung und Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt abgehängt werden.“

Nur jede/r achte Hamburger Arbeitnehmer/in nimmt an Weiterbildungsmaßnahmen teil. Bei den Geringqualifizierten sind es sogar nur fünf Prozent. Auch Minijobber, Leiharbeiter/-innen, befristet- oder Teilzeitbeschäftigte bekommen seltener eine Weiterbildung.

Karger schlägt vor, Beschäftigten mehr finanzielle Unterstützung, auch als Anreizsystem, für Weiterbildung zu bieten. „Wir brauchen neue Wege, um den Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt zu begegnen“, so die DGB-Vorsitzende.


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