Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 18.11.2005

DGB Hamburg beteiligt sich an neuer berufsqualifizierender Maßnahme für Türkinnen

Integration durch Bildung und Qualifizierung
Ob in der KITA, Vorschule, Schule oder Berufsausbildung - Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund werden in Hamburg belegbar benachteiligt. Dem gilt es mit den richtigen Maßnahmen in der Bildungspolitik sowie einem Umdenken der Unternehmen zu begegnen, fordert der DGB Hamburg.
So beteiligt sich die Abteilung Migration, Projekt arbeitsmarktpolitische Integration junger Migrant/innen AJM des DGB Hamburg an einem für die Hansestadt neuen Projekt:
Ein Lehrgang zum „binational qualifizierten kaufmännischen Assistenten mit Zusatzausbildung in EDV und Internet“ für 18 langzeitarbeitslose Türk/innen (50 Prozent Frauenanteil).
Angesprochen sind zum Beispiel kaufmännisch Ausgebildete ohne Berufserfahrung und Türk/innen, die in der Türkei Berufserfahrung gesammelt haben. Die Qualifizierung beginnt am 1. Dezember 2005 und endet mit einem zweimonatigen Praktikum in einem türkischen Unternehmen in Deutschland am 1.12.2006. Durchgeführt wird der Lehrgang von der Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft des bfw mbH (Inab) und dem CGIL-Bildungswerk e.V. – Centro di Cultura e Formazione. Derzeit läuft das Auswahlverfahren, wer sich noch bewerben möchte, wende sich an INAB, Tel.: 040/ 78856161.
„Bei diesem Projekt wird auf die interkulturelle Kompetenz der Langzeitarbeitslosen türkischer Herkunft abgehoben“, sagt Hüseyin Yilmaz, Migrationsexperte beim DGB Hamburg. „Zweisprachigkeit sowie Kenntnisse zweier Kulturkreise und ihrer Mentalitäten sind sehr wertvoll für viele Situationen im Berufsalltag. Wenn diese bereits vorhandenen Kompetenzen ergänzt werden durch die Schulungsinhalte wie Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Handelsrecht, kaufmännisches Rechnen, Buchhaltung, zweisprachige Korrespondenz etc., können die Lehrgangs-Teilnehmer/innen zu wertvollen Mitarbeiter/innen gerade in kleinen und mittleren Unternehmen werden. Und das wollen wir sowohl deutschen als auch türkischen Firmen näher bringen.“ Vergleichbare Projekte aus anderen Bundesländern führten zu hohen Vermittlungsquoten der Teilnehmer/innen in den Ersten Arbeitsmarkt.
Auch die Arbeitsagentur müsse im Umgang mit Bewerbern ausländischer Herkunft dazulernen, fordert Hüseyin Yilmaz, der u.a. Jugendliche verschiedener Nationalitäten bei der Ausbildungsplatzsuche unterstützt. „Nur, weil jemand eine geringe Schulbildung hat, heißt das noch nicht, dass er nicht ausbildungsgeeignet ist. Gerade bei diesem Personenkreis muss man bei den sog. Kompetenzchecks mehr abfragen als nur Noten und das übliche Allgemeinwissen.“
Chancengleichheit und Integration beginnen im Kindesalter, die vor allem über Bildung erreicht werden können. Hüseyin Yilmaz: „Es ist nicht länger hinnehmbar, dass Kinder aus Familien, in denen beide Eltern in Deutschland geboren wurden, im Vergleich zu ihren Altersgleichen aus reinen Zuwandererfamilien eine 4- fach höhere Chance haben, ein Gymnasium zu besuchen. Es ist nicht tolerabel, dass in Hamburg 20 Prozent der Schulabgänger ausländischer Herkunft ohne Abschluss ins Berufsleben starten. Sonst landen auch sie bald in der Arbeitslosenstatistik, die eine Migranten-Erwerbslosigkeit von 22,8 Prozent ausweist.“ Arbeitslose Menschen mit Migrationshintergrund (aber deutschem Pass) sind dabei noch nicht einmal erfasst.
Deshalb fordert der DGB Hamburg vom Senat, auch Kindern arbeitsloser Eltern eine ganztätige KITA-Betreuung zu ermöglichen, gezielt Sprachkurse anzubieten, die Vorschul-Gebühren wieder abzuschaffen und die Gemeinschaftsschule einzuführen, in der alle Kinder neun Jahre zusammen lernen und so Zeit haben, sich zu entwickeln.

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